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Eine Übung für das richtige Leben : Wenn Schüler großes Business machen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Projekt: Schüler erstellen eigenen Businessplan, produzieren und verkaufen in Pinneberg. Persönlichkeitsentwicklung im Fokus.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Pinneberg | Lippenpeeling, Notfall-Kulturbeutel, ein Griff in die Überraschungsbox oder Tarotkarten lesen – alles erfolgreiche Geschäftsideen der Schüler der Pinneberger Johann-Comenius-Schule (JCS). In einer Projektwoche erarbeiteten die Teilnehmer aus den neunten bis elften Klassen mit dem Hamburger Verein Futurepreneur in sechs Gruppen ihren eigenen Businessplan, investierten in ihre Produkte und verkauften diese zum Abschluss in der Pinneberger Innenstadt. Fast alle mit einem dicken Gewinn. Den durften sie behalten.

25 bis 50 Ideen entwickelten die Schüler im Vorfeld. Nur jeweils zwei wurden zu tatsächlichen Plänen ausgearbeitet – die manchmal kurzfristig an Problemen scheiterten. Aber für Nachschub war gesorgt: Mit Heuer lernten die Schüler an vier Projekttagen Kreativitätstechniken, wie sie ihre Kompetenzen gut einsetzen, wie sie Ideen entwickeln und umsetzen und sie durchliefen zu guter Letzt ein Verkaufscoaching. Heuer erläuterte: „Ziel ist es, dass die Schüler Eigenschaften trainieren, die sie im Leben brauchen.“ Wie etwa Kreativität, Selbstwirksamkeit oder lösungsorientiert mit Rückschlägen umzugehen. „Sie sammeln dabei vielfältige Erfahrungen und müssen auch mal ihre Komfortzone verlassen.“

Gut aufgehoben am Flughafen: Der „Reise to go“-Notfallbeutel hält sich an die vorgeschriebene Flüssigkeitsbegrenzung.
Gut aufgehoben am Flughafen: Der „Reise to go“-Notfallbeutel hält sich an die vorgeschriebene Flüssigkeitsbegrenzung. Foto: Felisa Kowalewski

Das traf auf viele der Schüler zu. Bei ihrer Abschlusspräsentation erzählten sie, dass sie nicht so recht wussten, wie sie ihre potenziellen Kunden in Pinnebergs City ansprechen sollten. Am Ende klappte es aber: „Wir waren erstaunt, dass die Leute so nett sind und auch mal was spenden. Man darf nicht so schnell aufgeben“, sagte eine Schülerin der Gruppe Lovë, die mit ihrem selbstgemachten Bio-Lippenpeeling einen echten Verkaufshit landete.

Für ihr Engagement holte die Gruppe einen Sonderpreis: „Ich war bis jetzt bei über 200 Schülern, aber ich habe es noch nie erlebt, dass konstant gejoggt wurde“, sagte Heuer. Die vier Schülerinnen von Lovë hatten nämlich ein Problem: Das Lippenpeeling war schnell weg, die Gesichtscremes hingegen wollte niemand haben. Kurzerhand entsorgten die Schülerinnen die Cremes und rannten zur Schule zurück, um blitzschnell vor Ort neues Peeling herstellen zu können. Die geistesgegenwärtige Reaktion auf die Marktentwicklung sicherte ihnen den Sonderpreis.

Fünf der sechs Schülergruppen machten Gewinn. Das Lippenpeeling, die Kulturbeutel von „Reise to go“ und die Kürbiskochbücher der Kürbisfrauen waren am Ende des Tages restlos ausverkauft – zum Bedauern einiger Lehrer. Nur die Jungs von „Herbst ist ein Scherz“ hatten Pech: Sie wanderten erfolglos mit Rechen und Co. durch Pinneberg, um Gärten schick zu machen. „Viele haben Gärtner, aber die meisten waren zur Arbeit“, stellten die drei fest. Da sie kein Geld investiert hatten, gab es keinen Verlust, dafür aber die Erkenntnis: Vorherige Werbung hätte nicht geschadet.

Die Kürbisfrauen haben an ihrem Produkt – ein Kürbiskochbuch – fleißig gebastelt.
Die Kürbisfrauen haben an ihrem Produkt – ein Kürbiskochbuch – fleißig gebastelt. Foto: Kerstin Heuer
 

Das Futurepreneur-Projekt findet an der JCS regelmäßig statt, gesponsert wird es von der Bürgerstiftung der Volksbank Pinneberg-Elmshorn. „Die Schüler werden dabei ganz anders gefordert als im Unterricht“, sagte Schulleiterin Uta Holst-Timm. „Es ist immer spannend zu sehen, dass hierbei Schüler unheimlich stark sind, die es sonst vielleicht nicht so sind.“ JCS-Lehrer Burchardt Dierks ergänzte: „In der Schule arbeiten sie viel für die Note, hier für das spätere Leben.“

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