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Partizipation : Wenn Kinder einfach selbst entscheiden

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Mädchen und Jungen in der Schenefeler Awo Kita Buntes Baumhaus bestimmen, was dort passiert.

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2017 | 12:00 Uhr

Schenefeld | Ein Barbie- oder Puppenfest? Irgendwas mit Weltraum? Oder doch ein Wald- und Blumenfest? Die Kinder der Awo-Kita Buntes Baumhaus hatten viele Ideen für ihr Sommerfest. Die Entscheidung wurde am Ende gemeinsam gefällt – ganz demokratisch. So tobten die etwa 100 Kinder und ihre Eltern am Sonnabend als Indianer und Cowboys beim „Western-Fest“ über das Außengelände.

„Das war das erste große Projekt, das wir im Partizipationsprinzip umgesetzt haben“, erläuterte Kita-Leiterin Petra Lentfer. Seit 2014 setzt die Arbeiterwohlfahrt (Awo) auf das Bildungskonzept, das die Kinder schon früh in Entscheidungen einbinden soll. „Es ist nicht immer notwendig, dass Erwachsene Entscheidungen über Kinder hinweg treffen müssen. Kinder sind in der Lage, wenn sie miteinander sprechen, demokratisches Denken zu lernen“, sagt Lentfer. In den sechs Gruppen – zwei Krippengruppen für Kinder bis drei Jahren und vier Elementargruppen mit Kindern von drei bis sechs Jahren – finden wöchentlich Besprechungen statt, in denen die Kinder Ideen, Wünsche und Kritik äußern.

Jeweils zwei Vertreter – in den Krippengruppen – nehmen am monatlichen „Baumhausrat“ teil. „Dort werden wichtige Entscheidungen für die Kita getroffen“, erläutert Lentfer. Diese reichen vom Ersatz für ein defektes Dreirad über das Thema für das Sommerfest bis zum Essen. „Die Kinder haben sich gewünscht, eine Woche nur Kartoffeln zu essen. Das haben wir umgesetzt“, sagt Lentfer, die mittlerweile von der Idee der Partizipation begeistert ist. „Ein Thema wie Essen war eigentlich Tabu. Aber nach der Woche haben die Kinder festgestellt, dass ein Stück Fleisch dazu schön gewesen wäre. Am meisten lernt man aus Erfahrungen und Fehlern.“ Dabei lenken die Erzieher die Kinder. Beim Essen sollte das Projekt eigentlich nach Kinderwunsch einen Monat dauern. „Wir haben immer noch einen Bildungsauftrag und keine Anarchie“, sagt Lentfer.

In einer „Kita-Verfassung“ ist geregelt, wo die Kinder Mitspracherecht haben. „Seit einem Jahr arbeiten wir daran ständig“, sagt Lentfer und ergänzt: „Was wir in der Theorie erarbeitet haben, passt in der Praxis manchmal nicht.“ Dabei werde weniger eingeschränkt, dafür aber die Entscheidungsmöglichkeiten der Kinder erweitert. „Es war erstmal ein Schreckgespenst, aber wenn man sich damit beschäftigt, stellt man fest, wie einfach, wie hilfreich und wie schön es für die Kinder ist.“


Protokolle werden gezeichnet

Bratwürste und Schaschlik zum Wildwestfest, Spiele auf der Wiese und bei Regen in der Kita, Kostüme, ein Verbot für den Kletterbereich und ein Spielzeugflohmarkt, um Geld einzunehmen – alles Themen, mit denen sich die Kinder beschäftigten. Alles wurde protokolliert und hängt im Eingangsbereich der Kita. „Da unsere Kinder meistens nicht lesen können, werden die Protokolle gezeichnet“, erläutert Lentfer. So sind sie für die Kinder verständlich, die regelmäßig mit ihren Eltern davor stehen.

„Vieles geschieht natürlich in Abstimmung mit den Eltern“, sagt Lentfer und schmunzelt: „Die Kinder lernen, dass Entscheidungen nicht ohne sie getroffen werden. Das nehmen sie auch mit nach Hause.“ Das sei für manche Familien ungewohnt. Doch wirke sich die Beteiligung auch positiv aus: „Die Eltern sind hilfsbereiter und engagierter. Das ist klar zu merken.“ Daher ist für Lentfer bereits jetzt klar: „Wir werden die Kinder auch bei der nächsten Aktion einbinden, denn sie haben gezeigt, dass sie gute Ideen haben und das wollen wir weiter fördern. Morgen, übermorgen kommt dann ein neues Thema dran, an dem wir arbeiten werden.“

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