Borstel-Hohenraden : Wenn Jung und Alt gemeinsam im Wald singen

Chorleiterin Katja Krüger experimentierte bei der Liedauswahl. Von Plattdeutschen Klassikern bis Popsongs war alles dabei.
Chorleiterin Katja Krüger experimentierte bei der Liedauswahl. Von Plattdeutschen Klassikern bis Popsongs war alles dabei.

Männerchor aus Borstel-Hohenraden wurde beim traditionellen Konzert im Wohld von Schülern aus Henstedt-Ulzburg unterstützt.

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26. Juni 2018, 15:00 Uhr

Borstel-Hohenraden | Als 20 Männerkehlen begannen, ein Begrüßungslied zu schmettern, waren die Waldvögel, die das Schauspiel auf den Bäumen rund um die alte Kocheiche beobachteten, erst einmal verwirrt. Stumm saßen sie auf ihren Ästen und beäugten die lebendige Szenerie in ihrem Wohld ungläubig. Als dann aber „Ick heff mol een Hamborger Veermaster sehn“ angestimmt wurde, schienen sie den Schreck verdaut zu haben und sangen aus Leibeskräften mit – so als hätten die Vögel begriffen, dass es sich nicht um eine Invasion, sondern um das traditionelle Waldsingen des Männerchores Borstel-Hohenraden handelte.

Die Schippermütze von Horst Masurat hat Laura Häuser (9) fasziniert.
Sabrina Lincke
Die Schippermütze von Horst Masurat hat Laura Häuser (9) fasziniert.
 

Diesmal war das Waldsingen etwas anders als gewohnt: Chorleiterin Katja Krüger hatte 17 Kinder aus den Chorklassen der Grundschule Rhen in Henstedt-Ulzburg mitgebracht, die sie als Stimmbildungs-Lehrerin betreut. Gemeinsam mit den Senioren legten die Kinder voller Inbrunst los und präsentierten Lieder wie „Pack die Badehose ein“ oder „Der Löwe schläft heut‘ Nacht“. Es wurde unter den Baumwipfeln zeitweise sogar etwas melancholisch: Als „Ich wollte nie erwachsen sein“ von Peter Maffay erklang, waren viele der 80 Zuhörer gerührt. Die Senioren und die Kinder verstanden sich prächtig. So war es für Laura Häuser (9) selbstverständlich, die Schippermütze von Horst Masurat zu tragen: „Die bringt Glück, hat er gesagt“, erklärte die junge Sängerin stolz.

Die eigene Stimme kennenlernen

Musikerin und Chorleiterin Krüger möchte am liebsten alle Kinder zum Singen bringen: „Das ist so wichtig, die eigene Stimme kennenzulernen. Singen befreit und macht glücklich“, davon ist sie überzeugt. „Dieses Projekt mit dem Waldsingen von Jung und Alt habe ich gemacht, damit besonders unsere Jungs einmal beispielhaft erleben, dass es viele erwachsene Männer gibt, die singen und trotzdem cool sind.“ Auch Schulleiterin Christiane Schulze war im Wald und sagte erfreut: „Man merkt, dass das Singen in unseren Chorklassen wirklich fruchtet. Ich höre die Stimmbildungsstunden von Frau Krüger immer in meinem Büro und habe festgestellt, dass die Kinder mit der Zeit ausgeglichener werden und sich besser disziplinieren können.“ Und sie ergänzte: „Diese Extrastunden sind zusätzliche Leistungen für die Chorklassen. Die können nur stattfinden, weil der Lions Club das Projekt finanziell unterstützt.“

Die Sänger des Männerchores haben ein Durchschnittsalter von Mitte 70 und sind von ihrer jüngeren, aktiven und temperamentvollen Chorleiterin einige Experimente gewöhnt. Spontan wurde das Publikum einbezogen und das Repertoire wurde um einige deutschsprachige Popsongs erweitert . „Katja hat uns fest im Griff. Und sie ist immer in Fahrt“, lachten sie.

Die Gruppe musste diesmal ohne ihren Akkordeonisten auftreten. „Er ist von der Leiter gefallen. Aber ihm geht es schon wieder besser. Beim Waldsingen im nächsten Jahr gibt es aber sechs  Wochen vorher striktes Leiterverbot“, machte Chorleiterin Krüger den Herren klar.

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