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Pinneberger Tageblatt

21. November 2017 | 14:28 Uhr

Wenn es allein nicht mehr geht

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Betreuungsverein 160 Menschen engagieren sich im Kreis Pinneberg für Personen, die nicht mehr alles selbst machen können

Niemand ist gern auf andere Menschen angewiesen. Es gibt aber Lebensphasen, in denen man die Hilfe anderer benötigt, weil man seine Angelegenheiten nicht mehr allein regeln kann – bei psychischen Krankheiten oder körperlichen Behinderungen etwa. In solchen Fällen kann ein rechtlicher Betreuer vom Amtsgericht eingesetzt werden, um Bankgeschäfte, Verträge, Mietzahlungen und anderes zu übernehmen. Ein Richter prüft, wo der Betroffene Unterstützung benötigt. Seit Inkrafttreten des Betreuungsgesetzes 1992 ist das oberste Ziel, das Recht auf Selbstbestimmung zu wahren.

Es gibt Berufsbetreuer, aber auch Ehrenamtliche, die sich um Angehörige oder Hilfsbedürftige kümmern. Der Betreuungsverein berät und unterstützt sie. „Wir suchen ehrenamtliche Betreuer, bilden sie weiter, beraten, informieren und halten Vorträge zum Thema“, sagt Roswitha Schusdziara. „Und manchmal müssen wir auch klarstellen, dass die ehrenamtlichen Betreuer wie bevollmächtigte Anwälte handeln und weder ein Besuchsdienst noch eine Begleitung für den Arzt sind.“

Ehrenamtliche Betreuer sollten sich durchschnittlich etwa zwei bis vier Stunden pro Monat für ihren Schützling einsetzen. Sie bekommen als Aufwandsentschädigung eine Jahrespauschale von 399 Euro. „Natürlich gibt es auch Ehrenamtler, die mehr machen“, so die Geschäftsführerin. „Ich halte es allerdings für wichtig, professionelle Distanz zu wahren.“ Schusdziara ist als Geschäftsführerin des gemeinnützigen Vereins, gemeinsam mit zwei Kollegen, im gesamten Kreis Pinneberg Ansprechpartnerin für die ehrenamtlichen Betreuer. Der Verein wird vom Kreis Pinneberg und dem Justizministerium Schleswig-Holsteins gefördert und hat momentan 160 ehrenamtliche Betreuer als Mitglieder. Zeitweise gibt es einen sogenannten Run auf die Vereinsräume in Rellingen: „Wir merken, wenn Schicksale wie das von Michael Schumacher im Fernsehen gezeigt werden. Dann ist der Andrang auf die Betreuerstellen groß.“ In den Sprechstunden beraten die Mitarbeiter des Betreuungsvereins aber nicht nur ehrenamtliche Betreuer. Jeder Bürger kann sich über die Möglichkeiten der persönlichen Vorsorge informieren. „Auslöser ist oft eine konkrete Krisensituation in der Familie. Die wenigsten machen sich Gedanken, wenn noch alles läuft“, so die Geschäftsführerin, die auch selbst als Betreuerin arbeitet. Dabei sei es klug, vorzusorgen – mit einer Vorsorgevollmacht oder einer Betreuungsverfügung. Die Vorsorgevollmacht ist eine privatrechtliche Willenserklärung. Sie erteilt einer Person des Vertrauens eine Vollmacht, um im eigenen Sinne rechtswirksam zu handeln. „In so einem Fall ist das Betreuungsgericht nicht beteiligt“, sagt Schusdziara. Anders sei es bei einer Betreuungsverfügung: „Damit bestimmen Sie, im Fall einer notwendigen Betreuung, dass ein gesetzlicher Vertreter durch das Gericht eingesetzt wird.“

Die Beratung ist kostenlos. „Wir sind zwar beratend tätig, machen aber keine Rechtsberatung“, erläutert die Geschäftsführerin. Sprechstunden im Büro an der Hauptstraße 75 in Rellingen sind montags und donnerstags von 9 bis 12.30 Uhr und Donnerstagnachmittag von 15 bis 16.30 Uhr; Telefon: (0  41  01) 51  46  19. Termine für Veranstaltungen gibt es im Internet auf der Homepage des Vereins: www.btv-pbg.de.

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