zur Navigation springen
Pinneberger Tageblatt

17. Oktober 2017 | 06:54 Uhr

Wenn die Schranke ständig unten ist

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

300 Züge passieren täglich den Bahnhof in Prisdorf / Schließzeiten dauern bis zu zehn Minuten / Tunnel ist für die Gemeinde zu teuer

shz.de von
erstellt am 27.Feb.2016 | 16:10 Uhr

Das Licht wird erst gelb, dann rot. Das Warnsignal ertönt, die Schranke schließt sich: Ob im Auto oder als Fußgänger – jeder kennt wohl diese Situation. Am Bahnhof in Prisdorf stehen an diesem Nachmittag einige Passanten herum, starren auf ihre Smartphones oder schauen missmutig in Richtung Zug. Eine Frau mit Hund läuft ungeduldig hin und her. Wenn besonders viele Züge auf der Strecke unterwegs sind, so wie hier, kann es bis zu zehn Minuten dauern, bis sich die Schranken wieder öffnen. Doch müssen die Übergänge wirklich so lange geschlossen sein? Wie viele Züge fahren durch? Sind die Bürger davon genervt? Und wie lange sind die Schranken wirklich unten?

Sabine Brunkhorst, Sprecherin der Deutschen Bahn AG für den Bereich Nord, betont, wie wichtig die Verbindung zwischen Kiel und Hamburg ist. Alle Züge müssten dabei durch Prisdorf. Zum Fern- und Nah- kommt der Güterverkehr. Das erklärt auch die hohen Zahlen: Etwa 300 Züge müssen werktags durch den kleinen Ort. In Westerhorn sind es zum Vergleich gerade 170. Rechnerisch sind die Schranken in Prisdorf bei einer Schließzeit von drei Minuten – bei mehreren Zügen dauert es bis zu zehn Minuten – länger als die Hälfte des Tages geschlossen. In Westerhorn war der Übergang während eines Beobachtungszeitraums von einer Stunde mehr als 20 Minuten lang geschlossen. Beschwerden sind Brunkhorst dennoch nicht bekannt. Sie räumt aber ein: „Menschen, die lange vor Schranken stehen, sind nie glücklich.“ Zudem sei die gefühlte Wartezeit immer länger als die tatsächliche.

Die längeren Zeiten kämen zustande, wenn mehrere Züge hintereinander passieren müssen, so Brunkhorst. Wenn der Kontakt auf den Schienen überfahren wird, geht das Signal auf Gelb, dann auf Rot und die Schranken schließen sich. Wenn ein weiterer Zug diesen Kontakt überfährt, bevor der erste Zug den abschließenden, zweiten Kontakt hinter dem Bahnhof passiert hat, bleiben die Schranken geschlossen. Die Bahn versuche aber, die Zeiten zu optimieren. „Es gilt: So lange wie nötig, so kurz wie möglich“, erläutert die Sprecherin. „Ohne Beeinträchtigung geht es aber nicht.“

Mögliche andere Lösungen wie beispielsweise eine Bahnbrücke oder ein Tunnel seien nicht allein Sache der Bahn, sagt sie. Bei der Finanzierung solch eines Vorhabens, das mehrere Millionen Euro kosten kann, zahlt laut Brunkhorst im Regelfall die Deutsche Bahn ein Drittel, der Bund ein Drittel und je nach Lage des Übergangs die Kommune, das Land oder der Kreis ein Drittel der Kosten.

In Westerhorn seien derartige Überlegungen vor etwa 30 Jahren Thema gewesen, berichtet Bürgermeister Bernd Reimers (CDU). Damals habe man über eine Umgehung um Westerhorn samt Brücke über die Bahngleise beraten. Die Einzelhändler im Ort, von denen es während dieser Zeit noch viele gab, seien allerdings dagegen gewesen. „Heute stehen dort, wo die Trasse verlaufen wäre, Häuser. Wir müssen mit der Entscheidung von damals leben.“

Aus finanziellen Gründen kommt solch ein Bau für Prisdorf ebenfalls nicht in Frage, erläutert Bürgermeister Wilfried Hans (CDU) auf Anfrage dieser Zeitung. Im Zuge der Planungen des neuen Park-and-Ride-Areals am Bahnhof sei zwar darüber gesprochen, die Idee aber schnell wieder verworfen worden. „Das ist einfach nicht finanzierbar“, sagt Hans. Es gehe dabei um eine siebenstellige Summe. „Gut wäre das schon. Das können wir uns aber nicht leisten.“ Die Taktung der Züge sei zwar dichter geworden, „aber die Leute leben damit“.

Kristina Vogel aus Prisdorf fühlt sich von den langen Schließzeiten jedoch durchaus gestört. „Ich laufe täglich da lang und es nervt mich schon“, sagt die 22-Jährige. Die Schranken seien sehr früh unten, so dass sie ihren Zug schon mal verpasst habe. Den Prisdorfer Malte Müller (46) stören vor allem die langen Schließzeiten an den Wochenenden von manchmal zehn Minuten. Auch Uwe Bodenstein (80) aus Tornesch hat bereits seinen Zug verpasst, weil die Schranke bereits geschlossen war. Insgesamt empfindet er die Situation nicht als störend. Er habe aber erlebt, dass Passanten bei Rot das Gleis wechseln.

Tatsächlich ist das ein Problem. Deshalb hatte die Polizei dort in der Vergangenheit vermehrt kontrolliert und warnt davor, dass dies ein Bußgeld von bis zu 350    Euro nach sich ziehen kann.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert