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Pinneberger Tageblatt

24. November 2017 | 05:05 Uhr

Wenn die Leidenschaft zum Beruf wird

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Musikerin der Osterkirche Kummerfeld, Meike Ruhe, über ihren Werdegang und die Bedeutung von Musik in ihrem Leben

von
erstellt am 19.Apr.2014 | 16:00 Uhr

Meike Ruhe wusste früh, was sie wollte. „Ich habe schon als 13-Jährige gesagt: ‚Ich werde Organistin‘“, sagt Ruhe. Ihre Mutter habe das gar nicht so recht glauben wollen. „Die sagte erstmal: ‚Als Kindergärtnerin zu arbeiten ist doch auch schön.‘“

Doch Ruhes Leidenschaft für Musik war geweckt. Zunächst durch die Mitgliedschaft im Kinderchor und den Flötenunterricht in einer Kirchengemeinde in Glückstadt. Und so wurde das Interesse für Musik immer größer. „Ich bin da reingewachsen“, sagt Ruhe. Und je weiter sie in die Musik hineinwuchs, desto näher rückte das Studium der Kirchenmusik. „Das Studium besteht aus zwei Hauptteilen, zu einem die Ausbildung zum Organisten und dann die Ausbildung zum Kantor“, so Ruhe. Im Studium standen also Orgel- und Klavierunterricht aber auch Gesangsstunden auf dem Stundenplan.

Nach dem Studium trat sie dann die erste Stelle in einer Kirchengemeinde im Hamburger Stadtteil Berne an. Acht Jahre lang arbeitete sie dort. Nach der Geburt der zwei Söhne und einer Tochter zog die Familie dann in den Kreis Pinneberg. Auch dort fand die Freiberuflerin schnell Arbeit. „Das Tolle in diesem Beruf ist, dass man immer Vertretungen machen kann“, sagt Ruhe.

Seit 18 Jahren arbeitet die 63-Jährige als Kirchenmusikerin in der Osterkirche Kummerfeld und ist damit die Mitarbeiterin, die am längsten dabei ist. „Da bin ich so reingerutscht“, sagt Ruhe. Zunächst sei sie auch dort erst die Vertretung für ihre schwererkrankte Vorgängerin gewesen, doch dann wurde Ruhe die offizielle Kirchenmusikerin der evangelischen Gemeinde.

Das bedeutete und bedeutet noch heute vor allem eins: musizieren. Während der Gottesdienste spielt sie Orgel, leitet den Jugendchor sowie die Kantorei und sorgt für die musikalische Gestaltung von Veranstaltungen in der Kirchengemeinde. Früher leitete sie außerdem den Kinderchor. Doch vor einigen Jahren, kurz nach der Geburt der ersten Enkelin, merkte sie, dass sie nicht mehr voller Leidenschaft für den Sängernachwuchs war. „Wenn ich etwas mache, dann mit ganzem Herzen“, erläutert Ruhe die Übergabe des Chors an eine Nachfolgerin.

Trotzdem: Am meisten Spaß in ihrem Beruf mache ihr auch heute noch die Chorarbeit. „Es ist toll mit Menschen zu arbeiten und zu sehen, dass alle mitziehen“, sagt Ruhe. Besonders gut habe sie diesen Zusammenhalt bei den Aufführungen des Messias in der Weihnachtszeit im vergangen Jahr sehen können. „Ich habe mich zwischendurch gefragt, ob es nicht ein zu großes Projekt ist, aber das Ergebnis war toll“, sagt Ruhe. Als sie in der Osterkirchengemeinde anfing, bestand der Chor aus etwa 15 Sängern, inzwischen ist die Kantorei auf 50 Mitglieder gewachsen. „Wir sind eine tolle Gruppe. Auch wenn sonntags für einen Gottesdienst nicht alle können, sind wir immer genug, um schön zu singen“, freut sich Ruhe. Die gutbesuchten Konzerte, in denen geistliche Werke aufgeführt werden, seien für sie schon ein Teil der Verkündung der Botschaft Gottes.

Musik ist für sie nicht nur Beruf, sondern auch Leidenschaft. Und diese Leidenschaft führt die 63-Jährige auch manchmal in die Ferne. „Ich habe gerade eine tolle Konzertreise nach Brasilien mitgemacht“, erzählt sie lächelnd. 14 Tage lang zog sie mit dem Chor der Friedenskirche Altona durch das südamerikanische Land. Der Gesangslehrer, zu dem Ruhe regelmäßig geht, habe ihr vorgeschlagen sich dem Chor für die Tournee anzuschließen. Einen besonderen Platz in ihrer Erinnerung nimmt ein gemeinsames Konzert mit Kindern aus den sogennanten Falevas – den Armenvierteln – ein. „Wir haben die Kinder eines Musikprojekts besucht und gemeinsam mit ihnen gespielt“, so Ruhe. Abends wurde dann gemeinsam musiziert. „Wenn man sieht, wie die Kinder leben und sie dann erlebt, wie sie ‚Wohl mir, dass ich Jesum habe‘ singen – ist das umwerfend“, berichtet Ruhe. Während des Konzerts wurde auch gemeinsam mit dem Publikum gesungen, für Ruhe ein Schlüsselmoment: „Da merkt man, wie gut Musik tut.“ Auf der einen Seite sei das schwere Leben der Kinder, auf der anderen würden sie mit strahlenden Augen singen.

Stillsitzen ist nichts für die inzwischen fünffache Oma. „Eigentlich bin ich immer unterwegs“, sagt sie. Auf Kursen, um Anregungen für die Arbeit mit den zwei Chören zu sammeln oder in einem italienischen Kloster, in dem Ruhe regelmäßig in der letzten Augustwoche mit anderen musiziert. Auf dem Programm steht dann die Musik aus der Renaissance. „Ich spiele Gambe, da ist die Auswahl an Musikstücken begrenzt“, sagt Ruhe. Schlimm sei diese begrenzte Auswahl für sie allerdings nicht. „Mein Herz schlägt für den Barock und Musik, die etwas älter ist.“ Moderne Stücke fielen ihr nicht so zu.

Wenn Ruhe einmal nicht musiziert verbringt sie gern Zeit mit ihrer Familie. Noch sind die Enkel klein. „Ich hoffe, dass mein Mann und ich mit denen auch noch ordentlich was machen können.“

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