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Kreis Pinneberg : Wenn die Feuerwehr bei 800 Grad trainiert

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Feuerwehr übt im Brandcontainer unter realen Bedingungen. In verwinkelten Räumen muss eine Puppe gefunden werden.

von
erstellt am 24.Sep.2014 | 12:15 Uhr

Kreis Pinneberg | Die Gesichter sind rot. Durch die Schutzmasken wird schnell geatmet. Bis zu 800 Grad Celsius ist es warm. Auf dem Brandübungsplatz in Brunsbüttel geht es heiß her. Ausbilder Mark Schmidt vom Kreisfeuerwehrverband Dithmarschen hat in einem Container Holz und Stroh angezündet.

Es ist Sonntag – kurz nach 11 Uhr. Neun Feuerwehrmänner aus Kummerfeld und einer aus Pinneberg sind vor Ort, um einen Tag lang mit Feuer zu üben. Sie haben bereits Schutzkleidung angezogen und die Atemschutzausrüstung vorbereitet.

Nun stehen sie gemeinsam mit Schmidt und seinem Kollegen Hauke Mehlig im Inneren des Containers, in dem die Flammen sich schnell ausbreiten. Auf dem Programm steht Wärmegewöhnung. „Wobei das eigentlich das falsche Wort ist, da man sich nicht an die Wärme gewöhnen kann“, erklärte Mehlig in der Vorbesprechung. Die Feuerwehrleute sollen unter möglichst realen Bedingungen den Umgang mit Wärme lernen. „Die Kleidung schützt uns eigentlich viel zu gut. Dadurch bleibt man oft zu lange dort, wo es zu warm ist“, ergänzte Schmidt. Für heute gilt: Wem es zu warm wird, der kann jederzeit rausgehen.

Im Inneren des Containers stehen vor dem Holzhaufen ein Sessel und eine Puppe in alter Schutzausrüstung. Nur wenige Minuten, nachdem Schmidt das Stroh angezündet hat, brennt es lichterloh. Es knistert und knackt. Mehlig schließt die Türen des Containers, damit die Männer sich an die Dunkelheit gewöhnen und die Entwicklung des Feuers besser beobachten können. Rauch steigt durch die Ritzen an der Tür.

Knapp 20 Minuten später wird der Container wieder geöffnet. Die Feuerwehrmänner knien auf dem Boden. In der Mitte haben sie einen Gang freigelassen und immer wieder stehen die jeweils ersten auf, um nach hinten zu gehen, kurz darauf wird nach vorn durchgerückt um den Nachrückern Platz zu machen. So sitzt jeder mal vorn. Ein Feuerwehrmann verlässt den Container, kurz danach steht Schmidt neben ihm. „Alles in Ordnung?“, fragt er. „Ja, mir ist nur zu warm“, antwortet der Feuerwehrmann. „Es ist keine Schande rauszugehen“, hatte Schmidt bereits im Vorfeld erklärt.

Schmidt gießt nun Öl aufs Feuer und zeigt so, wie die Flammen sich entwickeln. Nur kurze Zeit später stehen alle Teilnehmer im Freien. Im Container herrschen inzwischen an der Decke zwischen 700 und 800 Grad Celsius in Feuernähe. Der Boden ist auf etwa 100 Grad Celsius erwärmt. Draußen werden die Helme und die Atemschutzgeräte schnell abgenommen. Die Gesichter sind rot. Die Helme schwarz. Aber noch ist keine Zeit für eine Pause.

Die Gruppe teilt sich in einzelne Trupps, die jeweils aus zwei Männern bestehen. Sie setzen die Atemschutzmasken und Helme wieder auf und betreten ausgerüstet mit einem Strahlrohr den Container. Zunächst sprühen sie an die Decke, um den Rauch zu kühlen. Damit schützen sich die Feuerwehrleute, denn im Rauch befinden sich brennbare Gase, die sich, wenn es heiß genug ist, entzünden können.

Tropft es von der Decke, ist die Luft genug abgekühlt. Dann können die Männer mit kurzen Sprühstößen das Feuer löschen. Doch so einfach ist es nicht, denn die Ausbilder schütten erneut Öl auf das Feuer und so kommt es zu einer Rauchdurchzündung. Die Rauchschicht steht auf einmal in Flammen. Die Einsatzkräfte löschen ab.

Die fertigen Trupps sammeln sich im Sitzbereich neben dem Container. Kaum haben sie die Ausrüstung abgelegt, trinken sie etwas. „Durchschnittlich habt ihr bei einem Containerdurchgang einen halben bis zu einem Liter Flüssigkeitsverlust“, sagt Schmidt.

Nach einer Pause geht es weiter. Am anderen Ende des Platzes stehen vier miteinander verbundene Container. Hier bereiten Mehlig und Schmidt die nächste Übung vor. In den verwinkelten Räumen verstecken sie eine Metallfigur, die es zu finden gilt. Außerdem legen sie mehrere Feuer, die die Suche nach der vermissten Person erschweren werden. Bereits ohne Rauch und Flammen ist es nicht leicht, sich zurecht zu finden. Es gibt kein Fenster. Die Türrahmen sind niedriger als gewohnt. Schmidt zündet die Feuer an. Mit Axt und Strahlrohr positionieren sich die einzelnen Trupps in voller Montur vor der Tür des Containers. Laut zählt derjenige an der Tür vor dem Öffnen: „Eins, zwei, drei.“ Sein Teamkollege sprüht im selben Moment mit dem Strahlrohr auf ein Feuer direkt hinter der Tür. Schmidt gibt den Feuerwehrmännern mit auf den Weg: „Überlegt, ob ihr das Feuer etwas brennen lasst, damit ihr etwas seht.“

Zwei Männer verlassen den Container, bevor sie die Puppe gefunden haben. „Es fühlte sich an, als ob mein Rücken brennt“, sagt einer der beiden. Und Ausbilder Schmidt erinnert: „Ihr habt ein Strahlrohr dabei, ihr könnt euch gegen die Hitze verteidigen.“ Die anderen Trupps schaffen es, die Puppe zu finden. Doch die Atemschutzgeräte piepen – die Luftflaschen sind beinah leer. Die Gesichter der Männer sind russgeschwärzt, Die Kleidung unter den Schutzjacken verschwitzt.

Im ersten Brandcontainer liegt inzwischen nur noch Asche. Von der Schutzbekleidung der Übungspuppe ist lediglich noch ein Teil des ausgemustern Helms zu erkennen.

Die Feuerwehren im Kreis Pinneberg können auf dem Gelände der Kreisfeuerwehrzentrale in Tornesch-Ahrenlohe in einem Atemschützübungshaus den Ernstfall proben. Das Gebäude, das einem Einfamilienhaus nachempfunden ist, wird durch Theaternebel verqualmt und über Lautsprecher können Geräusche eingespielt werden. Auch ein Übungssee, ein Kesselwagen zum Üben des Umgangs mit flüssigem Gefahrgut, ein Tiefbau- und ein Erdungssimulator, ein Übungsschacht und ein Straßenabschnitt stehen den Einsatzkräften zur Verfügung. In unregelmäßigen Abständen wird außerdem ein Übungscontainer ausgeliehen, so Feuerwehrsprecher Michael Bunk.
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