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Pinneberger Tageblatt

20. Oktober 2017 | 22:08 Uhr

Appen : Wenn der Postmann zweimal piept

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Im Briefkasten von Hans Kulle landen keine Zeitungen mehr, sondern Kohlmeisen. Kuriose Nistplätze sind nicht ungewöhnlich.

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2014 | 17:15 Uhr

Appen | Jeden Morgen – seit 40 Jahren – holt der Appener Hans Kulle sein Tageblatt aus dem Briefkasten. Doch vor etwa vier Wochen wendet sich das Blatt. Denn es piept. Statt den neuesten Nachrichten beherbergt der Postkasten ein nistendes Kohlmeisen-Pärchen. Seit voriger Woche Freitag ist der Nachwuchs da. Fünf hungrige Schnäbel wollen gefüttert werden.

Vor etwa vier Wochen haben Hans Kulle und seine Frau Rosi Schott-Kulle die tierischen Aktivitäten direkt an ihrer Haustür an der Straße Im Wiesengrund bemerkt. „Die Blaumeise hat die Klappe selbst geöffnet“, berichtet der Hausherr. Beim Blick hinein war ein Vogelnest zu sehen.

Sicherheitsvorkehrungen wurden getroffen. An dem Briefkasten brachte das Ehepaar Zettel an, die auf die Situation hinweisen: „Vogelnest! Nichts einwerfen!“ Die Hinweise sind sogar bilingual, eine in englischer Sprache verfasste Notiz weist ebenfalls auf die tierischen Bewohner hin. Derzeit dient ein grüner Beutel als neue Heimat der eingehenden Post.

„Das hatten wir noch nie“, berichtet Schutt-Kulle. Auf dem Appener Grundstück gibt es einige Nistkästen, die Vögeln Unterschlupf während der Brutzeit bieten. Jedoch hat Kulle Verständnis für die Wahl der Brutstätte und sieht darin einen Vorteil für die Kohlmeisen: „Es ist ein sicherer Platz, kein Mensch und kein Tier kommt da ran.“ Wie das Ehepaar mit den tierischen Gäste umgeht, ist klar: „Wir lassen die Vögel in Ruhe.“

Die Herangehensweise ist richtig, der „Auszug“ erfolgt von allein: „Die Aufzucht dauert zwei bis drei Wochen“, sagt Marco Sommerfeld, Referent für Vogelschutz beim Nabu Hamburg. „Dann verlassen die Vögel das Nest und kehren in der Regel nicht zurück.“ Dann könne die Brutstätte entfernt werden. Denn wenn das Bundesnaturschutzgesetz herangezogen wird, wäre das derzeit verboten. Denn laut §44 Absatz1 ist es untersagt, „Fortpflanzungs- oder Ruhestätten“ wild lebender Tiere zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören.

Für Sommerfeld sind die Kohlmeisen im Briefkasten zwar ungewöhnlich, aber verwundert ist der Vogelexperte nicht: „Ähnliche Fälle sind bekannt, es gibt immer wieder kuriose Nistplätze.“ So habe es auch schon Blaumeisen gegeben, die in dunklen Tonkrügen Unterschlupf fanden. „Es hängt wohl mit der Gewöhnung an die Stadtnatur zusammen“, sagt Sommerfeld. Die Vögel würden zwar wahrnehmen, dass Menschen in der Nähe sind, fühlten sich aber nicht bedroht.

Die Kohlmeise gehört zu den bekanntesten Vogelarten in hiesigen Gärten. Von Freitag bis Sonntag, 9. bis 11. Mai, stehen aber alle Bewohner der Lüfte im Mittelpunkt der Aktion „Stunde der Gartenvögel“. Der Nabu ruft dazu auf, eine Stunde lang die Vögel im Garten, vom Balkon aus oder im Park zu beobachten, zu zählen und zu melden. Die Daten geben Aufschluss über den Zustand der Umwelt, den Klimawandel und die Entwicklung der Artenvielfalt. Vorkenntnisse über die Vogelwelt sind nicht nötig. Wer mehr über die heimischen Gartenvögel erfahren möchte, findet Infos im Internet. www.stunde-der-gartenvoegel.de
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