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Serie: Neu im Geschäft : Wenn der Lehrling zum Chef wird

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Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Seit Mai führt Clemens Hansen (30) den Quickborner Dachbau-Betrieb von Norbert Lanz (59). Ex-Inhaber steht beratend zur Seite.

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erstellt am 26.Aug.2015 | 12:15 Uhr

Quickborn | Wer in einer Firma die Nachfolge als Chef übernimmt oder ein neues Unternehmen gründet, sieht sich großen Herausforderungen gegenüber. In der Serie „Neu im Geschäft“ stellen wir die Chancen und Risiken dar, mit denen sich Gründer und Nachfolger auseinandersetzen müssen – und welche Hilfen sie dabei in Anspruch nehmen können.

Als Clemens Hansen im Alter von 18 Jahren nach dem Realschulabschluss seine Ausbildung zum Zimmerer bei Norbert Lanz begann, dachte er im Traum nicht daran, dass er genau diesen Betrieb einmal übernehmen würde. Drei Jahre später hatte er seinen Gesellenbrief in der Tasche und blieb noch für knapp zwei Jahre dort.

„Dann ging ich zur Meisterschule, die die Voraussetzung dafür war, dass ich anschließend studieren konnte“, berichtet Hansen. Vier Jahre verbrachte er in Kiel und büffelte Betriebswirtschaft, jobbte nebenher im Handwerk. „Ganz zufällig traf meine Mutter Herrn Lanz beim Einkaufen, sie kamen ins Gespräch – und er suchte gerade Mitarbeiter“, sagt Hansen. Wenig später arbeitete Hansen wieder dort – und verfasste vor zwei Jahren seine Bachelorarbeit zum Thema „Übernahme eines Betriebs aus Altersgründen“.

„Ich hatte nicht geplant, den Betrieb weiterzugeben, sondern dachte immer ,Ich mach’ die Tür zu und tschüs‘“, sagt Lanz. Eine Handwerksfirma stehe und falle mit dem Chef. Nur den Namen zu verkaufen, funktioniere nicht, habe er mehrfach beobachten können. „Einen Betrieb als Altersvorsorge verkaufen? Das war früher so, heute muss man vorher selbst für seine Rente Sorge tragen“, ist Lanz überzeugt. Als sich dann jedoch mit Hansen die Chance ergeben habe, die Firma in jüngere Hände abzugeben, habe er sofort zugegriffen. „Das passte einfach – ich wollte auch denen, die hier schon länger arbeiten, eine Perspektive geben“, sagt Lanz.

Zahlen analysiert und Ideen entwickelt

Also begann Hansen während seiner Bachelorarbeit, die Zahlen des Betriebs zu analysieren, Ideen zu entwickeln, wieder zu verwerfen und neu nachzudenken. „Während des Prozesses habe ich auch erlebt, dass Situationen sich verändern – einiges, was in der Abschlussarbeit steht, hat sich ganz anders entwickelt – der Unterschied zwischen Theorie und Praxis eben“, sagt Hansen.

„Wir haben immer mit offenen Karten gespielt und alle Zahlen auf den Tisch gelegt“, sagt Gudrun Lanz, die seit vielen Jahren ebenfalls im Betrieb arbeitet. Die Übergabe an den Nachfolger sei ein Prozess, der immer noch andauere – auch wenn die offizielle Übergabe bereits im Mai stattgefunden habe.

„Es war wichtig, zu diesem Zeitpunkt den Wechsel öffentlich zu machen“, sagt Norbert Lanz. Er sei damit auch Gerüchten entgegengetreten, die bei Kunden, Mitbewerbern und Mitarbeitern bereits für Unruhe sorgten. „Ich wollte klarstellen, dass und wie es weiter geht“, betont er.

Dass die Übergabe mit einem offiziellen Handschlag längst noch nicht abgeschlossen ist, sondern im Hintergrund intern weiterlaufe, liege an der Vielzahl von Dingen, die es zu regeln gelte. „Es war ein ziemlicher Kampf, alle drei Gewerke – Zimmerei, Dachdeckerei und Klempnerei – als Betrieb behalten zu können“, berichtet Lanz. Dieses Problem sei inzwischen mithilfe der Handwerkskammer gelöst worden. „Das war mir ganz wichtig, weil es das Alleinstellungsmerkmal unseres Betriebs ist“, erklärt Lanz.

Zahlreiche weitere Gespräche mit dem Steuerberater, einem Anwalt, dem Notar, der Bank und der Handwerkskammer folgten. „Das Grundkonzept, das ich erarbeitet hatte, musste immer wieder verändert werden, weil immer wieder neue Aspekte dazu kamen – das ist auch jetzt noch so“, sagt Hansen.

Zeitaufwand höher als vorgesehen

Dass die Übernahme so viel Zeit beanspruchen wird, war beiden vorher nicht klar. „Das läuft ja alles neben der täglichen Arbeit – wir können nicht den Betrieb für vier Wochen dicht machen, um alle Formalitäten zu erledigen“, sagt Lanz. Mittlerweile kümmert sich Hansen um Logistik, Arbeitseinteilung, Angebote, Rechnungen, Baustellenkontrolle und vieles mehr. Anders als sein ehemaliger Chef arbeitet er jedoch mehr am Schreibtisch und weniger im handwerklichen Bereich. Norbert Lanz ist für ihn dabei der „Joker in der Hinterhand“.

„Ich schnack ihm nicht ’rein, es kann nur einen Häuptling geben“, macht Lanz deutlich. Dennoch stehe er immer als Berater zur Verfügung, auch der erfahrene Personalstamm bleibe erhalten.

Er selbst wolle das Arbeitsleben nach 30 Jahren in Ruhe ausklingen lassen, sich mehr um die Tätigkeit als Gutachter, seine Ehrenämter und den großen Garten kümmern. „Es gibt nur zwei Möglichkeiten: entweder loslassen oder sich um alles selbst kümmern“, sagt Lanz. Eine Frage, die sich ihm inzwischen nicht mehr stellt.

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