DLRG Quickborn : Wenn der Freizeitspaß zum Ernstfall wird

Sie müssen im Ernstfall schnell reagieren können: Körperliche Fitness wird bei den Rettungsschwimmern groß geschrieben.
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Sie müssen im Ernstfall schnell reagieren können: Körperliche Fitness wird bei den Rettungsschwimmern groß geschrieben.

Die Rettungsschwimmer der DLRG Quickborn können Befreiungsgriffe anwenden, wenn es darauf ankommt – die meiste Zeit kleben sie allerdings Pflaster auf.

shz.de von
15. Juni 2014, 14:00 Uhr

Quickborn | Dienstagabend, 19 Uhr. „Rein in die Klamotten“, ruft Katharina Tietz und sieht zu, wie sich die rund 16 Teilnehmer des Rettungsschwimmkurses die weißen langen Hosen und langärmeligen Shirts überstreifen. Das Training findet heute unter erschwerten Bedingungen statt. „Wenn ihr es in den Klamotten schafft, könnt ihr es auch wirklich“, scherzt Tietz. Dann geht es los. Im Becken mit den Sprungtürmen müssen sich beim Wasserballspiel, zwei Mannschaften gegeneinander, alle aufwärmen, bevor das richtige Training startet.

Die Quickborner Gliederung der DLRG bietet während der Freibadsaison dieses Jahr sieben verschiedene Schwimmkurse mit etwa
25 Ausbildern an und trainiert dabei rund 100 Kinder, Jugendliche und Erwachsene. „Da sind die Kleinen, die bei uns das Schwimmen lernen, Schüler die sich für ein Sportstudium bewerben wollen, aber auch ehemalige Schwimmer, die einen Ausgleich zum Büroalltag suchen“, erklärt Stefan Pahl, der die technische Leitung innehat.

Das Freibad, während der Sommermonate auch am frühen Morgen schon gut besucht, kann kaum auf die Rettungsschwimmer verzichten. „Aktuell decken wir im Schnitt pro Tag rund zehn bis zwölf Wachstunden ab“, so Pahl weiter. In der Woche, aber auch am Wochenende sind die ausgebildeten Schwimmer im Freibad anzutreffen und achten darauf, dass alle Badenden in Sicherheit ihren Besuch im Freibad genießen können. „Gerade am vergangenen Wochenende hatten wir über 2300 Gäste – da sind wir dann auch mit vier bis fünf Rettungsschwimmern im Einsatz“, so der 24-Jährige. Einer hat dann das Kommando, und alle verteilen sich an strategisch günstigen Punkten – etwa am Sprungturm, der Rutsche oder beim Nichtschwimmerbecken, um die Becken bestmöglich abzudecken.

Dabei sei der klassische schwimmerische Rettungseinsatz eher selten, erklärt Tietz, die besonders gern Wachdienst schiebt. „Es ist öfter mal ein Pflaster, das aufgeklebt wird, ein Verband, der angelegt wird, wir verleihen Bälle, passen auf, dass kein Alkohol getrunken wird, oder helfen bei der Suche nach Eltern oder Kindern.“ Rund zehn Stunden in der Woche investiert jedes der DLRG-Mitglieder in seiner Freizeit – mit Leidenschaft für die Sache. „Die meisten von uns haben hier Freunde gefunden und wir können uns alle aufeinander verlassen“, erklärt Tietz. Der Verein ist auf ehrenamtliche Helfer angewiesen. „Aber auch Spenden sowie eine Fördermitgliedschaft helfen, unsere Arbeit fortzuführen“, erklärt Pahl.

Inzwischen sind alle Schwimmkursteilnehmer aufgewärmt. Die erste Gruppe schwimmt jetzt Bahnen – springen, tauchen, Strecke machen. Die andere Gruppe übt die Rettung aus dem Wasser. Rettungsball, Gurtretter und Rettungsleine kommen zum Einsatz. Am anderen Ende des Beckens versenkt Tietz den „Patienten“, einen mit Wasser gefüllten Plastiktorso, der den Rettern die Übungen unter realistischen Bedingungen verwirklicht. Einer der Teilnehmer legt den Schultergurt an. Ein zweiter Retter, der sogenannte Leinenführer, holt den Schwimmer mitsamt der geretteten Puppe wieder an Land. „Das ist praktisch, weil wir so nur eine Strecke zurücklegen müssen und richtig reinpowern können. Eingesetzt wird dieses Rettungsgerät meist an der Küste bei Strömung und Welle“, erklärt Tietz. Wie ihre Kollegen bleibt auch sie immer im Training – der Rettungsschwimmschein muss alle zwei Jahre erneuert werden. Auch regelmäßige Erste-Hilfe-Kurse sind Pflicht, um als Ausbilder tätig sein zu können. Inzwischen könne man sie nachts aufwecken, und sie könne das ganze Programm herunter spulen, sagt sie lachend. „Ich weiß aber noch, wie ich am Anfang Probleme mit dem Befreiungsgriff hatte“. Der sei besonders wichtig, weil Ertrinkende durch ihre Panik oft immense Kräfte entwickelten. „Ein vierjähriges Mädchen kann dabei einen gestandenen Retter beinahe erwürgen“, erklärt Pahl. Auf diese Situation müssen sich die Rettungsschwimmer gut vorbereiten – denn sitzt der Griff nicht, bringt man schnell sein eigenes Leben in Gefahr.

Aber es wird nicht immer nur der Ernstfall geprobt – ein großer Teil des Engagements bei der DLRG umfasse vor allem Kinder- und Jugendarbeit. „Außer den Schwimmkursen bieten wir viele Aktionen und Veranstaltungen an“, erklärt Pahl. So zum Beispiel das Kinderzelten, das die Helfer einmal im Jahr für fünf- bis zwölfjährige Kinder organisieren, diesmal am 28. Juni. „Bis Dienstag können sich Kurzentschlossene noch anmelden“, verrät Tietz. Auf die Kinder warte eine Camping-Nacht im Freibad mit gemeinsamem Grillen und einer Schnitzeljagd. Die gemeinsamen Erlebnisse rund um das Training seien wichtig für den Zusammenhalt, erklärt die 19-Jährige. „Ich habe hier selbst schwimmen gelernt, und finde es toll, über die DLRG so viele Menschen kennen zu lernen“.

Zum Ende des Rettungsschwimmkurses arbeiten die Jugendlichen noch einmal mit dem sogenannten „Spineboard“. Dieses dient dazu, verletzte Personen mit Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung mit möglichst wenig Bewegung sicher und fixiert aus dem Wasser zu retten. Damit sind die Kursteilnehmer bestens ausgerüstet – und die Gäste des Quickborner Freibads sind bei den Rettungsschwimmern in guten Händen.

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) wurde am 19. Oktober 1913 gegründet, nachdem es auf Rügen ein schweres Unglück gegeben hatte, bei dem 14 Menschen ertranken. Inzwischen ist die DLRG mit rund 550.000 Mitgliedern und über 2000 örtlichen Gliederungen die größte freiwillige Wasserrettungsorganisation der Welt. Ihre Hauptaufgabenbereiche liegen in der Wasserrettung, im Katastrophensschutz und der Aufklärungsarbeit über die Gefahren des Wassers.
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