Helene-Lange-Schule : Wenn das Klassenzimmer zur Redaktion wird

So werden Nachrichten gemacht: Natascha Thölen (hinten links) war mit ihrer DaZ-Klasse in Pinneberg unterwegs und hat Fotos für die Wandzeitung gemacht.
So werden Nachrichten gemacht: Natascha Thölen (hinten links) war mit ihrer DaZ-Klasse in Pinneberg unterwegs und hat Fotos für die Wandzeitung gemacht.

Eine DaZ-Klasse nimmt an „Zisch“-Projekt teil und hat eine eigene Wandzeitung erstellt.

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13. März 2018, 12:15 Uhr

Dicht gedrängt positionieren sich die Kinder vor ihrer Bilderwand. Sie haben gemeinsam mit Klassenlehrerin Natascha Thölen aus Zeitungspapier Häuser ausgeschnitten und auf Karton geklebt. Darauf zu sehen sind auch Fotos vom Pinneberg Museum, der Drostei und Gruppenfotos der Klasse. Der Titel: „Meine Zeitung heißt Pinneberger Tageblatt“. Die DaZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) der Pinneberger Helene-Lange-Schule hat sich im Rahmen des Projektes „Zeitung in der Schule“, kurz Zisch, mit dem Medium beschäftigt. Über den gesamten Februar hat die Klasse morgens Zeitungen bekommen und mit diesen gearbeitet. „Wir haben die KiNa-Seite angeguckt und ab und zu Texte daraus vorgelesen,“ erzählt die neunjährige Schülerin Rossella. „Wir haben uns auch Buchstaben und Wörter angeschaut und Tierbilder ausgeschnitten“, ergänzt Mitschüler Pasha (sechs Jahre). Er begeistert sich besonders für Paula und Piet, die Ente und den Wal von der KiNa-Seite.

Die Klasse hat für ihre Wandzeitung auch einen Ausflug in die Stadt Pinneberg gemacht. „Dort haben wir Fotos von der Drostei, dem Museum und dem Rathaus gemacht,“ berichtet Yusuf (zehn Jahre). „Wir haben auch ein Polizeiauto fotografiert. Aber der Polizist hatte leider keine Zeit für ein Interview“, fügt Mahmoud (neun Jahre) hinzu. Er ist Yusufs jüngerer Bruder.

Die Fotos von dem Ausflug haben die Kinder schließlich auf ihre Wandzeitung geklebt. Selbstverständlich sind auch Piet und Paula darauf zu sehen. Den Schriftzug haben die kleinen Redakteure oben drüber gepinselt.

Die Kinder sind erst seit September in einer Klasse und lernen gemeinsam Deutsch. Sie kommen aus vielen verschiedenen Ländern, unter anderem Italien, Bangladesch, Rumänien und Togo. Für die Familien mancher Kinder ist Deutschland schon die dritte Heimat. Auch vom Alter her sind sie bunt gemischt: Bei Thölen kommen Schüler von sechs bis zehn Jahren, von der ersten bis zur vierten Klasse zusammen. Viele von ihnen können bereits in anderen Sprachen lesen und schreiben, manche haben Nachholbedarf. Am Anfang ist das schwierig: „Die Verständigung klappt manchmal über Gestik und Mimik“, sagt Thölen. Ihr kommen allerdings ihre guten Sprachkenntnisse zugute: Sie spricht fließend Italienisch und Französisch – so wie einige ihrer Schützlinge. Ganz allmählich wird im Unterricht immer mehr Deutsch gesprochen. „Im Vordergrund steht bei DaZ-Klassen, dass die Kinder erst einmal in Deutschland ankommen und Spaß am Lernen bekommen“, erläutert Thölen. Dabei werde individuell auf jedes Kind eingegangen und sich an dessen Lerntempo angepasst. Demnächst sollen bereits drei der Kinder in Regelklassen integriert werden.

Im Rahmen des Projekts wurde der Lehrerin und ihren 17 Schützlingen das Lernheft „Deutsch als Zweitsprache – Übungsheft für die Arbeit mit der Zeitung“ vom A. Beig-Verlag, der unter anderem das Pinneberger Tageblatt herausbringt, kostenlos zur Verfügung gestellt. Speziell für DaZ-Schüler ausgelegt, zeigt das Heft, wie eine Zeitung entsteht, stellt Lückentexte, Ausmalbilder und Wortspiele zur Verfügung und enthält zur Veranschaulichung kleine Comics. „Eine unserer Schülerinnen, Sofia, kommt aus Russland und hat bereits das ganze Heft durchgearbeitet, selbst den Teil für ältere Schüler“, berichtet Thölen.

Das Medium Zeitung bietet für die Kinder zahlreiche Möglichkeiten zum Lernen. „Eine Zeitung beschäftigt sich mit vielen Themen und das auch fächerübergreifend. Man hat Deutsch, Mathematik, Sachkunde und auch Kunst darin enthalten“, erläutert Thölen. „Da ist für jeden Schüler etwas dabei und das hat den Kindern dann auch viel Spaß gemacht. Jeder konnte dadurch auf seinem Niveau arbeiten.“ Yusuf sagt: „Wir haben geschaut, was wir an der Zeitung spannend fanden. Ich mochte die Fotos am liebsten.“

Vor allem solle das Projekt Kinder beim Lesenlernen unterstützen. „Wir haben hier an der Schule bereits Leseecken, Lesekästen und jetzt auch noch die Zeitung gehabt, das unterstützt die Leseförderung ungemein.“ Sie zieht aus dem Projekt eine äußerst positive Bilanz. Abschluss für das Projekt ist ein Besuch in der A. Beig-Druckerei am Donnerstag.

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