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Neue Ausstellung : Wenn aus Plastikmüll Kunst wird

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Abfall vor faszinierend schöner Natur in Szene gesetzt: Der Hamburger Künstler Manfred Schulze-Alex stellt im Rellinger Rathaus aus.

Rellingen | Einkaufstüten, Kanister und vor allem PET-Flaschen: Dinge, die von der Natur los- und mitgerissen wurden, hat der Hamburger Künstler Manfred Schulze-Alex eindrucksvoll in einem Plastikmüll-Projekt dokumentiert. Doch nicht nur die aufrüttelnden Fotografien und Collagen des Künstlers zum Thema Umweltverschmutzung sind ausgestellt. Auch Werke, bei denen Horizont und Meer zu verschmelzen scheinen, laden zum Interpretieren, Meditieren und Träumen ein. Den Bildern häufig vorgelagert sind kleine, delikate Holzfiguren, die auch ein bisschen an afrikanische Kunst erinnern.

Insgesamt 27 seiner Bilder – Fotografien, Malereien und Schnitzereien – sind unter dem Ausstellungsmotto „Vor dem Horizont Collagen“ noch bis zum 24. Oktober im Rellinger Rathaus zu sehen.

Während der feierlichen Ausstellungseröffnung stimmte die südafrikanische Musikerin Hanmari Spiegel mit stimmungsvollen Klavierimprovisationen auf die Schau ein. Nach einer Ansprache der Rellinger Kulturplanerin Kerstin Peters führte die Kunsthistorikerin Dr. Saskia Rohde in das Werk des Künstlers Manfred Schulze-Alex ein.

Es war sein Klassenlehrer Gerhard Großkopf, der Schulze-Alex schon in jungen Jahren für die Schnitzkunst einnehmen sollte und dessen kreative Entwicklung förderte. Die Holzfiguren verleihen den unscharfen Bildlandschaften Tiefe und erfüllen sie mit Leben, indem sie Geschichten von Menschen in der Natur andeuten.

Zeichnungen des 1950 geborenen Künstlers entstehen zuhause und nicht in freier Natur, wo der Profi-Fotograf des Öfteren unterwegs ist, um Gesehenes und Erlebtes mit seiner Kamera einzufangen. „Manfred Schulze-Alex geht es darum, das Gesehene möglichst genau zu finden und schnörkellos zu präsentieren“, erläuterte Kunsthistorikerin Rohde.

Für sein Plastikmüll-Projekt hat Schulze-Alex über einen Zeitraum von zwei Jahren mehrere Wochen lang vor der skandinavischen Schärenküste Müll gesammelt. „Fast jeder Tag im Frühjahr 2013 endete mit mindestens einem gelben Sack voller angeschwemmter PET-Flaschen im Boot“, so der Hamburger.

Mit diesem Kunstprojekt konfrontiert Schulze-Alex den Betrachter auf bestürzende Weise mit der hochgradigen Verschmutzung am Beispiel der Schärenküste. Seine Fotografien zeigen mit Plastikmüll verquirlende Vogeleier und von Flaschen und Folien verschmutzte Felsspalten in faszinierend-schöner Umgebung.

Dass sich seine Säuberungsaktionen nicht immer auszahlen, musste der Künstler ebenfalls erfahren: Das Dreifache an Müll wie im vergangenen Jahr fand er im Sommer in einer von ihm gereinigten Felsspalte. Den gesamten, im mehrwöchigen Zeitraum gesammelten Müll brachte der Fotograf an eine Recycling-Stelle. „Das tut weh, solche Bilder zu sehen“, so Christel Harbert, ehemalige Lehrerin des Künstlers, die sich damit ähnlich erschüttert zeigte wie zahlreiche weitere Besucher.

Zum Hintergrund: Mehr als zehn Millionen Tonnen Abfälle gelangen jährlich in die Ozeane mit dramatischen Folgen: Der Zivilisationsmüll kostet zehntausenden Meerestieren das Leben.

Die Ausstellung „Vor dem Horizont“ ist noch bis Freitag, 24. Oktober, zu den Öffnungszeiten des Rellinger Rathauses montags bis freitags von 8.30 bis 18 Uhr sowie dienstags auch von 14 bis 18 Uhr zu sehen.

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erstellt am 28.Sep.2014 | 14:00 Uhr

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