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Tierschutzverein kritisiert Jäger für Vorstoß : Wenig Rehe in Borstel-Hohenraden: „Hunde sind nicht schuld“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

In der Feldmark hat sich die Population nach ersten Schätzungen des Jägers von 115 auf etwa 80 reduziert.

Borstel-Hohenraden | Warum verschwinden die Rehe rund um Borstel-Hohenraden? Jäger Günter Heitmann vermutet – wie jüngst in dieser Zeitung berichtet – unter anderem freilaufende Hunde als Ursache. Er habe dies häufig beim See an den Funktürmen beobachtet. In der Feldmark hat sich die Population nach ersten Schätzungen des Jägers von 115 auf etwa 80 reduziert. „Es braucht nur eine günstige Gelegenheit und der Wolf im Hund ist wieder da. Das bekommen die Halter gar nicht mit, wenn die Hunde im Gebüsch sind“, sagte Heitmann. Brigitte Maeder, Vorsitzende des Tierschutzvereins in Elmshorn, ist da anderer Ansicht und hat kein Verständnis für seine Mutmaßungen.

„Auch wir befürworten keine freilaufenden, jagenden Hunde in den Wäldern“, sagt sie. „Der Wald gehört eindeutig den Wildtieren.“ Todesursachen für Rehwild seien jedoch in anderen Bereichen zu suchen. Zum einen vermutet Maeder, dass der zunehmende Autoverkehr in der Region eine große Rolle spielt beim Rückgang des Rehbestands. Zum anderen seien immer mehr Flächen bebaut. Der Lebensraum gehe verloren. „Es gibt ja kaum noch große Waldflächen. Wo sollen die Wildtiere sich denn bewegen? Das ist die Problematik, die wir im Kreis haben.“ Natürlich könne man die Zeit nicht zurückdrehen, müsse dies aber als Ursache zur Kenntnis nehmen.

Problematisch fand Maeder die Äußerung von Heitmann, die Jäger hätten so weniger Rehe schießen können. „Dafür habe ich kein Verständnis“, sagt Maeder. „Mein Mitleid kann das nicht erregen.“ Generell sei das Verhältnis zwischen Jägern und Tierschützern eher schwierig, findet die Elmshornerin. „Die Ziele und Ansichten sind meist konträr. Wir sollten aber gemeinsam daran arbeiten, die verbleibende Natur zu schützen“, sagt sie.

Die Tierschützerin verweist auch auf den aktuellen Jahresbericht „Jagd und Artenschutz“, herausgegeben vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume Schleswig-Holstein. Demnach wurde im zweiten Jahr in Folge weniger Rehwild geschossen. Der Rückgang liegt im Jahr 2014/2015 bei vier Prozent gegenüber dem Jagdjahr 2013/2014. Die Anzahl der Tiere habe sich aber insgesamt im Verlauf der vergangenen Jahre bei deutlich mehr als 50.000 Stück je Jagdjahr eingependelt. Damit sei die Zahl doppelt so hoch wie das bis in die achtziger Jahre vorhandene Niveau. Allerdings merkt das Ministerium an, dass im Jagdjahr 2014/2015 insgesamt 10  734 Rehe dem Straßenverkehr zum Opfer fielen. Das seien allerdings 786 Stück weniger als im Jagdjahr 2013/2014. Dies entspreche aber immer noch einem Fünftel an der Zahl der toten Tiere insgesamt. Weil fast flächendeckende Wildwarnreflektoren an den gefährdeten Straßenabschnitten im Land angebracht wurden, seien weniger Rehe angefahren worden.

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erstellt am 07.Apr.2016 | 14:15 Uhr

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