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Pinneberger Tageblatt

16. Dezember 2017 | 04:58 Uhr

Welturaufführung in Rellingen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Kantor Oliver Schmidt dirigiert Requiem von Ligeti-Schüler Altug Ünlü mit Hamburger Symphonikern / Karten kosten zehn Euro

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2014 | 17:22 Uhr

Altug Ünlü war Schüler des legendären György Sándor Ligeti (1923-2006), bekannt für sein Werk „Lux aeterna für 16-stimmigen Chor a cappella“ von 1966. Doch der 48-jährige promovierte Komponist und Musikwissenschaftler mit Professur an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf ist längst aus dem Schatten des Erneuerers der Neuen Musik getreten. Am Sonnabend, 1. November, sitzt Ünlü im Publikum in der Rellinger Barockkirche, um dem Dirigat von Kantor Oliver Schmidt zu lauschen: In einer Welturaufführung erklingt ab 19 Uhr „Contra-Garde – unerhörtes Requiem 100 Jahre nach Kriegsbeginn“.

Zwei Jahre, von 2011 bis 2013, ließ sich Ünlü, der seine Promotion über Gustav Mahlers Instrumentation geschrieben hat, Zeit. Dann entsprach die 132 Seiten starke Partitur seinen Klangvorstellungen. Zeit, das Werk der Öffentlichkeit nicht weiter vorzuenthalten.


Ein präziser, unerbittlicher Lehrer


Oliver Schmidt, Kantor in Rellingen, war ein Schüler von Ünlü in Düsseldorf. Als harten, präzisen, unerbittlichen Lehrer, „besonders im Fugen-Seminar“, habe er ihn in Erinnerung. Freunde sind sie heute. Und als Hamburger liegt es nahe, dass sich Ünlü dafür entschied, in der Barockkirche von Rellingen sein Werk aus der Taufe zu heben.

Den Klang und die Schönheit der Kirche kennt Ünlü noch aus Kindertagen. „Als Schüler am Wolfgang-Borchert-Gymnasium habe ich einmal den Hochschulchor während einer Mozart-Messe begleitet“, erinnert sich der Tonschöpfer. „Im Mittelpunkt steht die Besinnung auf die schrecklichen Ereignisse des 20. Jahrhunderts, des blutigsten der Menschheitsgeschichte“, so steht es im Geleitwort von Professor Constantin Floros (84), von 1967 bis 1995 Professur für Musikwissenschaft an der Uni Hamburg.

Und auch Schmidt, der das Dirigat mit Musikern der Hamburger Symphoniker und vier Solisten sowie 20-köpfigen Chor vor seiner „größten Herausforderung seiner Karriere steht“, sieht beim Hören der Musik „eine Schlacht vor mir“. Da ist der Rellinger dem Komponisten Ünlü einen Schritt voraus. Gehört hat er sein fünfsätziges Werk in Latein, angelehnt an die katholische Totenmesse, mit aufwändigem Schlagwerk inklusive 1,80 Meter hohen Röhrenglocken noch nicht. „Ich bin gespannt auf den Klang.“

Am heutigen Sonnabend wird Ünlü bei den Proben mit dabei sein. Professionalität, Komplexität, Handwerk, Innovation – der Ligeti-Schüler ist immer auf der Suche nach einer originellen Sprache. Sein un (ge)erhörtes Requiem soll seinen Siegeszug antreten.

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