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Pinneberger Tageblatt

23. August 2017 | 02:40 Uhr

Uetersen : Weltfrauentag im Burgkino

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Mehr als 40 Besucher bei der Filmvorführung von „Verliebte Feinde“ von Werner Schweizer.

Uetersen | Zum diesjährigen Weltfrauentag hat Uetersens Gleichstellungsbeauftragte Christiane Greve mit Torneschs Gleichstellungsbeauftragten Inga Pleines und dem Burgkino Uetsersen eine Filmvorführung über das Leben der Schweizer Feministin Iris von Roten (1917 bis 1990) organisiert. „Wir schauen immer, was für diesen Tag besonders geeignet ist. Dieser Film beschäftigt sich mit dem Thema Gleichstellung in der Gesellschaft, aber auch in der Ehe, und das zu einer Zeit und in einem Land, wo das nicht juristisch verankert war“, so Greve. „Das ist das erste Mal, dass wir zum Weltfrauentag einen Film zeigen, er ist einfach toll gespielt.“

Mehr als 40 Frauen und nur ein paar vereinzelte Männer kuschelten sich gestern in die roten Kinositze, um den Film „Verliebte Feinde“ von Werner Schweizer zu sehen, der das wahre Leben von Iris und Peter von Roten schildert. Jedoch erklärten Greve und Pleines zuvor in einem Vortrag, dass es sich nicht um einen Spielfilm handelt: Echte Dokumente wie Fotos und Briefe werden gezeigt und Zeitzeugen, Familie und Freunde kommen zu Wort. Dazu wird aus dem regen Briefwechsel des Ehepaares zitiert, während Momentaufnahmen und Situationen von den Schauspielern Mona Petri und Fabian Krüger gespielt werden. Eine clevere Mischung aus Dokumentation, Historiendrama und Liebesgeschichte.

Iris Meyer und Peter von Roten lernen sich in den 1940er Jahren an der Universität kennen – beide studieren Jura. Der erzkonservative Peter verliebt sich sofort in die extrovertierte Iris und klettert eines Nachts in ihr Fenster, eine Szene, die gleich an Romeo und Julia erinnert. Entgegen allen Hindernissen heiraten die beiden und kämpfen gemeinsam für das Frauenwahlrecht. Doch Iris ist unglücklich, sie fühlt sich als Außenseiterin und will mehr vom Leben – als Kämpferin für Frauenrechte ist sie radikal, sowohl in der Öffentlichkeit als auch privat: „Es geht mir um die intensive Entfaltung des weiblichen Wesens, um die freie geistige, seelische und wirtschaftliche Existenz der Frau.“

Sie verlässt Peter und geht nach Amerika, wo sie erotische Abenteuer sucht und ihr erstes Buch, das umstrittene „Frauen im Laufgitter“ (Hallwag Verlag, 1958), schreibt. Das Buch wird zerrissen und auch Feministinnen distanzieren sich davon – ein herber Schlag für Iris, die nach Enttäuschungen zu Peter zurückgekehrt ist. Den Zeitzeugen zufolge war ihr Kampfgeist danach gebrochen, sie ärgerte vor allem, dass die Frauen der 1950er Jahre gar nicht gleichgestellt sein wollten.

Das Besondere an diesem Film ist der Ansatz, den Iris vertreten hat: „Nicht gegen den Mann, sondern mit dem Mann, es ist eine Ehe ohne gegenseitige Ausbeute“, so Greve. Und im Gegensatz zu heutigen Frauen, die immer noch zurückstecken würden, habe sie alles verlangt: „Iris von Roten entwarf eine radikale Utopie.“ Die Besucher waren besonders von der Erzählweise des Films beeindruckt: Die Verbindung von historischen Quellen, Interviews und emotionalem Spielfilm funktioniert hervorragend – ein außergewöhnliches Kinoerlebnis.

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erstellt am 09.Mär.2015 | 17:00 Uhr

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