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Pinneberger Tageblatt

22. August 2017 | 15:27 Uhr

Welche Noten würden Sie sich geben?

vom

Schenefeld | Ich kann mich gut erinnern. Als ich im Mathematikunterricht an die Tafel musste und ins Schwitzen geriet bei einem fiesen Lehrer. Als ich traurig war, weil das Mädchen, das ich toll fand und am liebsten zur Freundin hätte, einen anderen Jungen aus meiner Clique vorzog. Und doch habe ich auch diese Beobachtung gemacht mit der Zeit: "Bin, wie ich bin, gar nicht so übel; fühle mich manchmal wie ein Geschenk an mich."

Ich mache also Halt, bleibe stehen für einen Moment und packe meinen Koffer aus. Mein Gott - und komm aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Da fallen mir plötzlich Dinge bei mir auf, die mir nie aufgefallen sind bisher; mir vollkommen selbstverständlich erscheinen. Hab einen guten Blick. Bin ein aufmerksamer Zuhörer. Hab ein Herz. Bin gut im Fußball. Kann toll tanzen.

Um einem Missverständnis vorzubeugen: Seine Möglichkeiten entdeckt man nicht, wenn man nur grübelt, sondern nur so, dass mans ausprobiert. Und dazu gehört ein ganz klein wenig Mut, Vertrauen, Glauben, das Kribbeln im Bauch, an etwas heranzugehen, was auf den allerersten Blick zu schwer erscheint.

Ich muss an den alten Alexis Sorbas denken, großartig im Film von Anthony Quinn gespielt. Zusammen mit seinem Freund baut er mitten in einer gottverlassenen Ecke am Meer eine Art Schwebebahn, um Erz aus dem Berg ins Tal zu bringen. Endlich, nach Wochen der Anstrengung, steht das Werk; und schon kommt der erste Wagen, doch der - der kommt nicht weit ... reißt rasselnd die ganze Konstruktion kaputt, und alles liegt in Scherben. Der Freund ist wie versteinert; doch Sorbas geht auf ihn zu, nimmt ihn in den Arm und sagt: "Hast Du schon mal etwas so herrlich schiefgehen sehen?" Und sie lachen miteinander, lauter als die Brandung, und tanzen, einer wilder und schöner als der andere. Und irgendwann versuchten sie ihr Glück aufs neue. Besser etwas falsch machen, als erst gar nicht anfangen. So sehr es für mich ist, was Gott mir zum Geschenk macht, so sehr bliebe es unter Wert, würde ichs in mir vergraben.

Ich erweise mich gerade so als "Geschenk des Himmels", dass ich aus mir heraustrete, und mit dem, was ich an Vorrat habe, anderen zum Geschenk werden. Das Gott mich "beim Namen" gerufen und "zu den Seinen" gezählt hat, davon soll nicht nur ich profitieren, der andere auch. So also: "Bin gewollt ... kann sein, der ich bin ..."

Ein Gottesgedanke ... von Gott gedacht ... von Gott ins Leben gegeben ... mit Gott unterwegs ... mit Gott verbunden bis ans Ziel. Ist das nicht schön?

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von
erstellt am 10.Aug.2013 | 03:14 Uhr

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