„Weil es sich lohnt, zu helfen“

Die Verbandschefin war zu Gast in der Redaktion.
Die Verbandschefin war zu Gast in der Redaktion.

Heike Lorenzen ist seit 30 Jahren Vorsitzende des SoVD-Ortsverbands Kummerfeld – warum, hat sie uns im Gespräch verraten

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18. Mai 2018, 16:00 Uhr

30 Jahre Amtszeit – das muss man erst einmal schaffen. Doch Heike Lorenzen hat noch Lust und Kraft, den Vorsitz des Ortsverbandes Kummerfeld-Prisdorf-Tangstedt des Sozialverbands Deutschland (SoVD) mit Leben und Ideen zu füllen. Aber warum? „Weil es sich lohnt“, sagt sie und ergänzt: „Man muss den Menschen helfen. Immer weniger finden gerade bei Rechtsfragen allein zurecht. Auch die Gemeinschaft innerhalb des Verbands ist sehr schön – gerade bei den Ausfahrten und Tagestouren, die wir unseren Mitgliedern anbieten.“

Doch wie ist die 75-Jährige eigentlich auf den SoVD gestoßen? „Ich bin tatsächlich ein wenig wie die Jungfrau zum Kind zum SoVD gekommen“, erklärt Lorenzen. Nach dem Tod ihres Mannes hätten Bekannte ihr vorgeschlagen, in den Verband einzutreten. Auf ihrer ersten Versammlung habe sie dann „die eine oder andere nicht ganz dumme Frage gestellt“, wie sie sagt. Der damalige Vorsitzende war amts- und altersmüde, Lorenzen sollte ihn erstmal für ein Jahr vertreten. „Daraus sind dann aber 30  Jahre geworden“, ergänzt sie und lacht. Damals hieß der Sozialverband noch Reichsbund. Noch heute gäbe es Menschen, die mit der älteren Bezeichnung mehr anfangen können. „Wenn man sie nach dem SoVD fragt, schütteln noch viele ältere Menschen den Kopf. Ob sie denn aber den Reichsbund kennen, das bejahen viele“, berichtet Lorenzen. Doch dieser Verbandsname sei Anfang der 2000er nicht mehr zeitgemäß gewesen. „Es gab auch einige, die uns in eine rechtspopulistische Ecke drängen wollten – und das nur aufgrund des Namens“, erklärt die Vorsitzende. Also wird der Verband kurzerhand umbenannt.

Damals wie heute setzt sich der SoVD für die Rechte seiner Mitglieder ein. 160  Hauptamtliche, davon zwei Juristinnen in Pinneberg, und zahlreiche Ehrenamtler kümmern sich um sozialrechtliche Fragen. Ob Krankenpflege, Rentenversicherung, Grundsicherung oder Rechtsfälle bei Schwerbehinderung: Der SoVD steht seinen Mitgliedern zur Seite. Im Kreis Pinneberg sind das immerhin 13 000 Menschen. Landesweit in Schleswig-Holstein sogar 145 000. Zahlen, die die Vorsitzende positiv stimmen? „Ja, die Betreuung unserer Mitglieder funktioniert gut“, sagt Lorenzen. Zudem sei man sehr erfolgreich, wie sie weiß: „Die Zahlen der erstrittenen Fälle sprechen für sich. Teilweise gibt es Zahlungen in Millionenhöhe.“

Also läuft nichts schlecht? „Wenn es um die Arbeit des Verbands geht, dann nicht“, erklärt Lorenzen. Doch wie so viele Vereine und Verbände hat auch der SoVD mit der Überalterung zu kämpfen. „Es wird immer schwerer, Ehrenamtler zu finden, die einen Posten im Verband übernehmen wollen – vor allem junge Menschen“, berichtet die Vorsitzende. Dass der Ortsverband mittlerweile drei Gemeinden umfasst, sei deshalb auch nicht verwunderlich. „Prisdorf haben wir vor etwa zwanzig Jahren dazugeholt, Tangstedt im Jahr 2012. Die haben halt auch keine Vorstände mehr gehabt“, so Lorenzen.

Dass viele Menschen die Hilfe des SoVD in Anspruch nehmen müssen, werfe laut Lorenzen ein schlechtes Licht auf die Sozialpolitik in Deutschland. Deshalb hofft sie, dass der Verband noch lange besteht – und, dass sich Leute finden, die diesen am Leben halten. Denn mehr Hilfe und Rücksichtnahme täte der Gesellschaft ganz gut, wie sie findet.

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