Geschenkeservice : Weihnachtsmann für einen Tag

Letzte Handgriffe, dann geht’s los: Dieter Staack ist seit zwei Jahren als Weihnachtsmann der Dittchenbühne im Einsatz.
Foto:
1 von 3
Letzte Handgriffe, dann geht’s los: Dieter Staack ist seit zwei Jahren als Weihnachtsmann der Dittchenbühne im Einsatz.

Dieter Staack und David Atohoun ziehen als Santa-Duo für die Elmshorner Dittchenbühne los und erfreuen Kinder.

Elmshorn | Die Stiefel passen nicht, Dieter Staack hat einen zu hohen Spann. Er tauscht mit David Atohoun, und dann geht’s. Nach ein paar Schritten stellt Atohoun allerdings fest, dass die schwarzen Stiefel nun bei ihm an der Seite drücken. Einerseits nicht wirklich schlimm, andrerseits haben Atohoun und Staack zehn Auftritte in drei bis vier Stunden vor sich – wie stark wird das Drücken dann stören? 

Atohoun nimmt die Stiefel schließlich mit. Außerdem klemmen er und Staack sich jeder eine große Tüte unter den Arm, drinnen befinden sich jeweils ein roter Mantel samt Kapuze und Strick zum Zusammenbinden, ein langer weißer Bart, ein weißes Hemd und als Reserve eine rote Filzmütze. Atohoun und Staack haben ihre Weihnachtsmann-Kostüme abgeholt. An Heiligabend werden die beiden im Auftrag der Dittchenbühne in Elmshorn und Umgebung in Wohnzimmer gehen, mit Kindern sprechen, für Fotos posieren und Geschenke verteilen. „Eine Rute haben wir nicht dabei“, stellt Staack klar: Den pädagogisch-strengen Teil halten die Elmshorner Weihnachtsmänner klein.

Die Mischung macht's

„Im 21. Jahrhundert wollen wir in unserer Gesellschaft einen kleinen Beitrag leisten, dass es bunt ist“, beschreibt Staack seine persönliche Mission am 24. Dezember. Der pensionierte Kunstlehrer schlüpfte vor zwei Jahren zum ersten Mal in den roten Mantel, im Jahr danach holte er sich den jungen schwarzen Musiker Atohoun als Partner dazu. „Jung und alt, schwarz und weiß“, die Mischung gefällt Staack. Atohoun hatte zunächst Bedenken, wie die beiden als Weihnachtsmann-Duo wohl ankommen, aber die zerstoben schnell: „Es ist schön zu sehen, dass die Kinder das ganz natürlich aufnehmen.“ Im Vorgespräch kündigt Staack den Familien am Telefon an, dass er einen Assistenten mitbringen wolle, für die meisten Kunden sei das kein Problem.

Im Fundus der Dittchenbühne schlummern sie: Die Bärte für die zehn Weihnachtsmänner, die dieses Jahr Geschenke verteilen.
Foto: Jann Roolfs
Im Fundus der Dittchenbühne schlummern sie: Die Bärte für die zehn Weihnachtsmänner, die dieses Jahr Geschenke verteilen.
 

Zehn Weihnachtsmänner sind in diesem Jahr im Auftrag der Dittchenbühne unterwegs. Sie werden rund 90 Einsätze absolvieren in Elmshorn, Uetersen, Pinneberg, Glückstadt und den Dörfern dazwischen. Die Idee stammt von Immo Neufeldt, dem Sohn des Dittchenbühnen-Chefs Raimar Neufeldt. „Die gingen zur Schule und wollten sich Geld verdienen“, beschreibt der Senior die Anfänge. Immo ist bis heute Ober-Weihnachtsmann und bei Bedarf selbst mit Bart und Mantel unterwegs.

Auch Raimar Neufeldt war schon als Weihnachtsmann im Einsatz. „Und dann guckt man in die Familien ’rein“, fasst er seine Erfahrungen zusammen. Als Weihnachtsmann muss man auch dann souverän und freundlich bleiben, wenn die Eltern sich so weit wie möglich auseinander gesetzt haben, weil sie es nach der Trennung nur noch an Heiligabend für ein paar Stunden miteinander aushalten. „Je ärmer die Leute sind, desto mehr schenken sie“, lautet eine Formel aus Neufeldts Erfahrungen.

Immer die Mutter fragen

Die Säcke mit den Geschenken deponieren die Familien für die Weihnachtsmänner, die Standorte werden im vorbereitenden Telefongespräch verabredet. Grundregel für dieses Vorab-Telefonat im Handzettel der Dittchenbühne: „Immer nach der Mutter fragen, weil die Ahnung hat.“ Die verrät dem Weihnachtsmann auch, was der in sein goldenes Buch eintragen soll: Name, Alter, Besonderheiten des abgelaufenen Jahres, Freunde, Hobbys … Jeder Weihnachtsmann hat einen Fahrer dabei, das Sichtfeld ist im Kostüm eingeschränkt und das Finden der Adresse gerade in Neubaugebieten nicht immer einfach. Die Organisatoren raten, die Strecke vorher abzufahren. Für die Familien kostet ein Besuch des Weihnachtsmanns 50 Euro.

Und der Schnaps für den Weihnachtsmann? Fällt aus: „Kaffee, Tee, Kekse oder Kakao kann man schon mal“, sagt Staack. Aber nur ganz vorsichtig, mit dem umgehängten Bart ist das nicht so einfach, der fusselt und wird schnell schmutzig. Am besten geht es per Strohhalm. Aber den Anblick, dass der heilige Mann durch einen Strohhalm einen Kurzen süffelt, den wollen die Dittchenbühnen-Weihnachtsmänner den Kindern nicht zumuten.

zur Startseite
Karte

Kommentare

Leserkommentare anzeigen