Wegwerf-Strom kostet hunderte Millionen

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10. Juni 2016, 13:46 Uhr

Die Zahlen steigen dramatisch: Laut Prognose der Bundesnetzagentur werden die Schleswig-Holsteiner so viel Geld wie noch nie für Ökostrom ausgeben, der gar nicht verbraucht wird. Wie die Antwort des Energiewendeministeriums von Robert Habeck (Grüne) auf eine Kleine Anfrage der Piratenfraktion zeigt, haben sich die Ausgaben für Entschädigungen der Ökostromproduzenten im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2012 wohl verzehnfacht. Vor vier Jahren zahlten die Bürger über Netzentgelte noch 25 Millionen Euro für nicht genutzten Ökostrom – allein für die ersten drei Quartale in 2015 waren es aber schon 173 Millionen. Das liegt daran, dass immer häufiger Strom aus Erneuerbaren Energien abgeregelt wird, weil die Netze überlastet sind. 2013 betrug der Anteil 2,2 Prozent, im Jahr 2014 lag er schon bei 8,1 Prozent des produzierten Stroms. Allein mit dem Wegwerfstrom, der in den ersten drei Quartalen 2015 angefallen ist, hätte man 484  000 Haushalte ein Jahr lang mit Energie versorgen können.

Der Strom aus Erneuerbaren Energien bleibt ungenutzt, weil der Netzausbau zulange verschleppt wurde. „In Schleswig-Holstein sind wir seit vier Jahren gut davor und kommen schneller voran als der Rest der Republik – aber vor allem der Bund hängt“, klagt Habeck. „Der Netzausbau muss mit hoher Priorität vorangetrieben werden“, ergänzt der Landesminister. Zudem brauche Schleswig-Holstein zusätzliche Möglichkeiten, den Strom zu nutzen statt ihn abzuschalten. Kommentar Seite 18

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