Wegen Coronavirus: Zahl der Straftaten sinkt

Um bis zu 75 Prozent weniger Wohnungseinbrüche als 2019 / Bisher keine Zunahme häuslicher Gewalt

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10. April 2020, 20:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Die Corona-Krise scheint auch etwas Positives mit sich zu bringen: So ist die Zahl der registrierten Straftaten während der vergangenen drei Wochen deutlich zurückgegangen. Grund sind vermutlich die Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Pandemie. Das teilte die Polizeidirektion Bad Segeberg auf Anfrage mit.

„Erfreulicherweise stellt die Polizeidirektion Bad Segeberg fest, dass die registrierte Kriminalität im Kreis Pinneberg seit Beginn der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus deutlich zurückgegangen ist“, sagt Lars Brockmann, Sprecher der Polizeidirektion. Es stünden derzeit zwar noch keine abschließenden Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik zur Verfügung. Dennoch ließe sich sagen, dass sich die Summe aller festgestellten Straftaten in den vergangenen drei Wochen stark dezimiert hat, so Brockmann. Der deutliche Rückgang der Zahlen sei in vielen Deliktbereichen zu beobachten, von Eigentums- über Verkehrs- bis hin zu Rauschgiftdelikten.

Dies gelte auch für Wohnungseinbrüche. Im Vergleich zu den beiden letzten Märzwochen und der ersten Aprilwoche 2019 sei deren Zahl um 75 Prozent zurückgegangen, sagt Brockmann. „Viele Menschen bleiben zuhause und machen es potenziellen Einbrechern dadurch schwerer möglich, entsprechende Taten zu begehen.“ Der Polizeisprecher weist aber auch darauf hin, dass Wohnungseinbrüche im Frühjahr erfahrungsgemäß immer abnehmen, weil Tätern bei länger werdenden Tagen der Schutz der Dunkelheit zunehmend fehle.

Auch die Zahl der Ladendiebstähle hat sich etwa halbiert. Dies ist nach Ansicht der Polizei auf die Schließung vieler Geschäfte zurückzuführen. Ebenfalls halbiert hat sich die Zahl der Körperverletzungen. Bei den Verkehrsdelikten sieht es ähnlich aus. Auch deren Zahl hat sich mehr als halbiert. Viele Bürger würden wegen der Einschränkungen im Alltag unnötige Wege vermeiden, die Straßen seien dadurch deutlich leerer.

Anders könnte es im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt aussehen. Opferhilfeorganisationen befürchten eine deutlich Zunahme, wenn sich Familienmitglieder nicht aus dem Weg gehen können. Bisher gibt die Polizei Entwarnung. „Im Bereich der häuslichen Gewalt konnten wir keine Steigerung der Zahlen feststellen“, sagt Brockmann. Experten rechnen aber mit einer Zunahme an registrierten Taten nach Ende der Ausgangsbeschränkungen, weil sich Opfer oft erst melden, wenn sie den Tätern entfliehen können.

Die Daten der Polizei stammen aus deren Vorgangsbearbeitungssystem. Sie sind noch nicht abschließend geprüft und gelten somit als vorläufig.

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