Interaktive Grafik : Wedeler sind die Schuldenkönige: So solvent ist der Kreis Pinneberg

Tasche leer: Die Schulden der Kommunen im Kreis sind von 2013 auf 2014 weiter gestiegen.
Tasche leer: Die Schulden der Kommunen im Kreis sind von 2013 auf 2014 weiter gestiegen.

Die Verbindlichkeiten der Stadt Wedel sind im Jahr 2014 auf 80,4 Millionen Euro gestiegen. Einnahmen aus Gewerbesteuern gesunken.

shz.de von
07. Juli 2015, 10:00 Uhr

Pinneberg | Jeder Wedeler hat Ende 2014 etwa 2500 Euro kommunale Schulden. Das ist so viel wie nirgends sonst im Kreis Pinneberg. Wie aus Zahlen des Statistischen Amts für Hamburg und Schleswig-Holstein hervorgeht, hat der Umfang der Verbindlichkeiten im Vergleich zum Vorjahr um 33 Prozent auf 80,4 Millionen Euro zugenommen. Getoppt wird das nur noch von Elmshorn mit 112 Millionen Euro. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt dort bei etwa 2300 Euro.

Nils Schmidt (parteilos), Bürgermeister der Stadt Wedel, begründet die starke Zunahme der Schulden mit Investitionen. So sei mit zehn Millionen Euro das Eigenkapital der Sparkasse gestärkt worden. Die Erträge der Verzinsung würden die Zinskosten des Kredits dafür übersteigen. Weitere Großprojekte in Wedel: eine neue Mensa für das Johann-Rist-Gymnasium und der Umbau des Schulauer Hafens.

Außerdem hat Wedel laut Schmidt seit 2012 Ausfälle bei der Gewerbesteuer zu verkraften. Welches Unternehmen genau deutlich weniger Steuern überweist, kann Schmidt nicht sagen. Das ist vertraulich. Zu den bedeutendsten Unternehmen zählen unter anderem die Pharmafirmen Astra Zeneca und Medac, der Eisenbahnzulieferer Evac, der Optikhersteller Trioptics und die Pentosin-Werke.

Zwei weitere Ausreißer in der Statistik sind Bokel und Brande-Hörnerkirchen. In Bokel nahm die Verschuldung von Ende 2013 bis Ende 2014 um fast 2500 Prozent auf 150.000 Euro zu, in Brande-Hörnerkirchen um 1900 Prozent auf 100.000 Euro. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt in Bokel bei 236 Euro und in Brande-Hörnerkirchen bei 62 Euro. Auch diese beiden Gemeinden haben investiert. „In Bokel wurde für 350.000 Euro ein Sport- und Gemeindehaus gebaut, in Brande-Hörnerkirchen wurde für 100.000 Euro eine Gaststätte übernommen. Vorher waren die Gemeinden fast schuldenfrei“, sagt Andrea Über, Kämmerin der Verwaltungsgemeinschaft Barmstedt.

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Ebenfalls ein Sonderfall ist Helgoland. Die Gemeinde beschert jedem Bürger rechnerisch mehr als 14.000  Euro Schulden. Die relativ hohen Infrastrukturkosten verteilen sich auf lediglich 1400 Einwohner.

Die Zahlen, die an das Statistikamt Nord übermittelt werden, sind nur zum Teil vergleichbar. So sind die Schulden von Nebenhaushalten, etwa kommunaler Unternehmen wie den Stadtwerken, bei einigen Kommunen im ausgewiesenen Schuldenstand berücksichtigt, bei anderen nicht. Zudem bedeuten große Investitionen auch einen Zuwachs an Vermögen. Eine Kommune, die ein Haus für eine halbe Million Euro kauft, besitzt dann ein Gebäude im Wert von dieser Summe.

Der Kreis Pinneberg hat die meisten Schulden

Die Kommunen im Kreis Pinneberg haben im schleswig-holsteinischen Vergleich der Kreis die meisten Schulden. Die Verbindlichkeiten von Städten und Gemeinden, der Ämter und des Kreises betrugen laut des Statistischen Amtes für Hamburg und Schleswig-Holstein Ende 2014 mehr als 500 Millionen Euro. Die Pro-Kopf-Verschuldung lag demnach bei 1688 Euro. Das ist ebenfalls Spitze.

Getoppt wird das nur von den kreisfreien Städten Lübeck (3720 Euro pro Kopf), Kiel (2451 Euro) und Neumünster (2124 Euro). Zusammen hatten die schleswig-holsteinischen Kommunalhaushalte 2014 vier Milliarden Euro Schulden – 3,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

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