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Regio Kliniken in der Krise : Wedeler Krankenhaus soll erhalten bleiben

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Wie schlimm steht es um die Regio-Krankenhausgruppe? Verluste in Millionenhöhe lassen im Kreis Pinneberg die Gerüchteküche brodeln.

shz.de von
erstellt am 19.Okt.2013 | 06:00 Uhr

Wedel | Einstellungsstopp, Verkauf des Klinikums Wedel, keine Übernahme von Schwesternschülerinnen. Es klingt nicht gut, was seit Wochen rund um die Regio-Kliniken geredet und spekuliert wird. Der Grund sind die schwierige Lage des Krankenhausunternehmens und die erneuten Verluste in Millionenhöhe.

Dass die Lage nicht rosig ist, bestreitet Regio-Sprecher Sebastian Kimstädt auch nicht, dass es einen Einstellungsstopp gibt, dagegen schon: „Das stimmt nicht.“ Er räumt allerdings ein, dass jede Nachbesetzung von freiwerdenden Stellen im Unternehmen kritisch auf ihre Notwendigkeit überprüft wird. Zudem seien nicht alle freigewordenen Stellen nachbesetzt worden.

In das Bild passt auch der ständige Wechsel beim Führungspersonal: Der Ärztliche Direktor der Regio-Kliniken, Dr. Thorsten Wygold, wechselte als Ärztlicher Vorstand an die Spitze des Klinikums der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald.

Zum Ende des Monats verlässt nach Informationen dieser Zeitung zudem Martina Saurin, für die Finanzen zuständige Regio-Geschäftsführerin, das Unternehmen. Auch der Übergang von Ex-Geschäftsführer Otto Melchert in den Ruhestand, so Regio-Insider, sei zwar generell nicht überraschend, aber doch sehr überstürzt abgelaufen.

Zudem, so heißt es, seien von den zirka 80 in diesem Jahr fertig ausgebildeten Schwesternschülerinnen nur vier oder fünf übernommen worden. Das sei richtig, so Kimstädt. „Das bewegt sich aber in der gleichen Größenordnung wie in den Vorjahren“, sagt er. Es seien stets viele Schwesternschülerinnen nach der Ausbildung zu anderen Krankenhäusern gewechselt. In diesem Jahr habe ihnen der Mutterkonzern Sana Angebote unterbreitet.

Wedel macht Verluste

Im Mittelpunkt der Spekulationen steht das Klinikum in Wedel. Der Landesrechnungshof hatte bereits vor mehreren Jahren die Schließung des Hauses gefordert. Dass es in Wedel auch unter der Regie von Sana Probleme gab und gibt, ist nicht neu. Saurin hatte das dortige Orthopädiezentrum als einen Hauptgrund für die Verluste des Unternehmens im vergangenen Jahr bezeichnet. Im Juni 2012 wurde das Zentrum deshalb geschlossen. Dennoch blieben die finanziellen Probleme.

Außer dem weit über die Kreisgrenzen hinaus anerkannten Urologiezentrum blieben das Wirbelsäulenzentrum und die Abteilung für Innere Medizin in Wedel erhalten. Für Notfälle stünden 24 Stunden lang nach wie vor die Abteilung für Urologie, Innere Medizin und die Wirbelsäulenchirurgie bereit, so Kimstädt. Alle anderen Notfälle würden abends und am Wochenende allerdings in Pinneberg versorgt.

Beim Verkauf von 74,9 Prozent der Kreisanteile an den Regio-Kliniken an den Sana-Konzern wurde für alle drei Krankenhäuser eine 20-jährige Standortgarantie gegeben. Diese würde noch gut 16 Jahre gelten. Allerdings gibt es in der Verträgen ein Hintertürchen. Sollte Sana sich nicht an diese Bestandsgarantie halten, muss der Konzern eine Strafe zahlen. Jedoch „nur“ in Höhe von maximal fünf Millionen Euro. Aufgrund der ständigen hohen Verluste des Wedeler Hauses könnte es sich mittel- bis langfristig rechnen, das Haus zu schließen und die Strafe zu zahlen, vermuten Politiker. Kimstädt dementiert energisch: „Es war und ist nicht geplant, uns vom Klinikum Wedel zu trennen. Im Gegenteil: Wir haben Pläne, um das Profil der Klinik weiter zu schärfen.“

Auch den häufig erhobenen Vorwurf, die Rendite, die der Sana-Konzern verlange, sei mitverantwortlich für die Probleme bei Regio, weist Kimstädt zurück. Es gehe Sana nicht um Rendite, sondern um den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg der Regio-Kliniken. Immerhin, so erinnert Kimstädt, habe Sana inklusive der Ablösung des Sale-and-Lease-Back-Modells etwa 150 Millionen Euro für die Regio-Kliniken aufgewendet.

Geschäftsführung steht unter Druck

Ganz aus heiterem Himmel kommen die erneuten Verluste hingegen nicht. Die frühere Geschäftsführung unter Melchert war in ihrem Ausblick auf die Geschäftsjahre 2013 und 2014 noch sehr optimistisch gewesen: „Im Jahr 2013 erwartet die Geschäftsführung, in die letzte Phase der Konsolidierung einzutreten und ein ausgeglichenes Ergebnis. Ab 2014 werden weiter verbesserte Jahresergebnisse erwartet.“

Der Aufsichtsrat hatte schon damals Zweifel geäußert, ob das Ziel erreicht werden könne, hatte Carl-Ulrich Bremer, der Aufsichtsratsvertreter des Kreises, im Mai den Politikern in nichtöffentlicher Sitzung des Hauptauschusses berichtet. Der Wirtschaftsplan sei „sehr ambitioniert“, hatte Bremer damals gesagt und erläutert, dass die Geschäftsführung aufgrund der Verluste unter enormem Druck stehe.

Die Gründe für den erwarteten Verlust sind laut Kimstädt vielfältig. Da seien zum einen die Kosten für Personal und Energie, die in den vergangenen Jahren weitaus stärker gestiegen seien als die Vergütung für die medizinischen Leistungen. Ein Problem, mit dem alle Kliniken in Deutschland zu kämpfen hätten. Zum anderen stünden die Regio-Kliniken in der Metropolregion Hamburg in einem harten Wettbewerb. Aufgrund der Zugehörigkeit zu den Sana-Kliniken haben die Regio-Kliniken laut Kimstädt aber den notwendigen finanziellen Atem, sich für diesen Wettbewerb vernünftig aufzustellen und weiterhin in die Verbesserung der Patientenversorgung zu investieren.

„Trotz der aktuellen Schwierigkeiten sind wir fest davon überzeugt, dass wir mit unserem guten medizinischen Angebot auch wirtschaftlichen Erfolg haben werden“, sagt Kimstädt. Es werde nur etwas länger dauern.

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