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Orkantief Xaver im Kreis Pinneberg : Wedel wappnet sich vor Sturmflut

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ausnahmezustand: Die Einsatzzahlen steigen. Der Bahnverkehr ist nach wie vor massiv eingeschränkt und am Airport Hamburg kommt es weiter zu Flugausfällen. Die Konsequenz der Landesbildungsministerien: Die Schulen in Schleswig-Holstein und Hamburg bleiben am morgigen Freitag geschlossen.

shz.de von
erstellt am 05.Dez.2013 | 04:00 Uhr

Das Orkantief Xaver fegt derzeit mit heftigen Böen mit bis zu Windstärke zwölf über Norddeutschland hinweg. Bis etwa gegen Mitternacht werde mit Böen von bis zu 160 Stundenkilometern im Landesinneren und bis zu 200  Stundenkilometern an den Küsten gerechnet, so Meteorologin Claudia Kahl von der Kieler wetterwelt.de GmbH. An der Westküste kam es schon zu Sturmfluten.

Wedel hat das Orkantief bereits heute Nachmittag erreicht: Die Flutschutztore am Schulauer Fährhaus wurden geschlossen, da die Wiese an der Schiffsbegrüßungsanlage bis zu den Treppen überspült wurde. Zudem bereiteten die Freiwillige Feuerwehr Wedel und der städtische Bauhof Sandsäcke vor, um für den Ernstfall gewappnet zu sein. Auch in Uetersen musste die Feuerwehr bereits ausrücken: Die Kameraden sicherten das Dach des Parkhotels Rosarium an der Berliner Straße mit Sandsäcken. Starke Windböen hatten unter das Flachdach gegriffen. In Pinneberg stürzte am Nachmittag eine 7,5 Meter hohe Tanne gegen ein Wohnhaus. Aktuell krachen vielerorts im Kreis Pinneberg Bäume auf Häuser und Autos - beispielsweise in Hasloh, Tangstedt und Klein Nordende.

In Ellerbek wurde das Dach einer Lagerhalle abgedeckt. Da die Wände drohen einzustürzen, nähert sich die Feuerwehr dem Gebäude zunächst nicht.

Kurz nach 20 Uhr war eine AKN am Bahnübergang "Am Friedhof" in Elmshorn auf einen umgefallenen Baum aufgefahren. Dabei wurde der Lokführer leicht verletzt, die Insassen des Zuges kamen nicht zu schaden. Die Strecke Elmshorn-Sparrieshoop wird bis auf Weiteres gesperrt, ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Auf den Linien der A1 und der A2 gibt es keine Einschränkungen.

Die Kooperative Rettungsleitstelle West in Elmshorn, die die Einsatzkräfte in den Kreisen Pinneberg, Steinburg und Dithmarschen koordiniert, erklärte schon um 14.30 Uhr den Ausnahmezustand für die Region. „Zusätzlich zu der eh schon engen Lagebeobachtung durch eine leitstelleninterne Unterstützungsgruppe mit allen Einsatzorganisationen werden jetzt die Katastrophenschutz-Führungsstäbe eingebunden und in der Fläche Erkundungsmaßnahmen durchgeführt“, teilte die Leitstelle mit. Landrat Oliver Stolz entschied gegen 17 Uhr, vorerst kein Katastrophen-Voralarm auszulösen. Denn bis 19 Uhr verzeichnete die Gefahrenabwehrbehörde „nur“ etwa 80 Einsätze, zirka 40 in Steinburg, in Pinneberg und Dithmarschen je rund 20, so Trampe. Allerdings: „Die Einsatzzahlen steigen seit 19 Uhr an.“

Das Landesamt für Landwirtschaft rät nach wie vor eindringlich davon ab, die Wälder zu betreten. Auch nach dem Abflauen des Sturms sei das Gefährdungspotenzial durch umgestürzte, angeschobene oder angebrochene Bäume, Kronenteile oder Äste oft noch groß.

Alle Konsequenzen des Sturms im Überblick:

Schulen

Das Bildungsministerium des Landes Schleswig-Holstein hat angeordnet, dass der Unterricht an allen öffentlichen Schulen am morgigen Freitag ausfällt. Auch in Hamburg bleiben die Schulen geschlossen. Das Landesbildungsministerium in Kiel steht für Fragen unter der Hotline-Nummer (0800) 1 82 72 71 bereit.

Kindertageseinrichtungen

Die Aufsicht für Kindertageseinrichtungen des Kreises Pinneberg empfiehlt den Trägern, in Anlehnung an die Regelung des Landes (Schließung aller öffentlichen Schulen am morgigen Freitag) die Eltern zu bitten, die Kinder zu Haue zu lassen. Über eine Schließung der Kita haben die Träger jedoch selbst zu entscheiden.

Veranstaltungen

Die Stadt Pinneberg wird auch am morgigen Freitag alle Sportstätten geschlossen halten. Zudem fallen morgen der Glühweinstand auf dem Platz vor dem Forum in Quickborn und der Glühweinabend auf Hof Dannwisch in Horst aus. Ebenso entfällt das Treffen mit Ingo Zamperoni im Schenefelder Gymnasium für den Spendenmarathon „100 Stunden für syrische Flüchtlinge“.

Verkehr

Die Deutsche Bahn teilte um 15.30 Uhr, dass sämtliche Fernverkehre in Schleswig-Holstein eingestellt sind, „dazu gehören auch die grenzüberschreitenden Verbindungen nach Dänemark.“ Die Bestellung von Bussen für Ersatzverkehre wird vorbereitet. Der tatsächliche Einsatz wird auch von der Situation auf den Straßen abhängen. Ab sofort ist die kostenlose Sondertelefonnummer (08 000) 99 66 33 für Reiseauskünfte geschaltet. Aktuelle Informationen gibt es außerdem auf www.bahn.de und den mobilen Services der Deutschen Bahn.

Im Regionalverkehr in Schleswig-Holstein kommt es auf allen Strecken aufgrund verminderter Geschwindigkeiten der Züge zu deutlich längeren Fahrzeiten und Zugausfällen.

Die Nord-Ostsee-Bahn stellt den Betrieb auf der Linie Hamburg-Altona-Niebüll sukzessive ein.

Der Sylt-Shuttle hat den Verkehr eingestellt. Heute finden keine Abfahrten des Autozuges mehr statt. Nach den neuesten Windprognosen werden wohl bis zum morgigen Freitag bis mindestens 10 Uhr keine Sylt-Shuttle verkehren. (0180) 6 22 83 83 ersetzt die bisherige Service-Nummer.

Die Kreisverkehrsgesellschaft hat heute Mittag vier zusätzliche Busse eingesetzt, um alle Schüler sicher nach Hause bringen zu können. Eine Einschränkung des Busverkehrs konnte laut Kreisverkehrsgesellschaft deshalb vermieden werden.

Die Rader Hochbrücke ist für alle Fahrzeuge über 7,5 Tonnen gesperrt.

Am Hamburger Flughafen kommt es zu Ausfällen. Detail-Infos unter: www.airport.de.

Notrufe nur bei akuter Gefahr

„Es ist wichtig, dass der Notruf bei Unwetterlagen nur für Notfälle und Hilfeersuchende genutzt wird, in denen eine akute Gefahr besteht“, sagt Marc Trampe, Sprecher des Kreises Pinneberg, der heute mit den Katastrophenschutz-Führungsstäben in der Rettungsleitstelle in Elmshorn zusammensitzt. Mit dabei sind Verbindungsmännern von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Rettungsdienst und Polizei. Wer lediglich einen umgefallenen Baum auf einem Privatgrundstück oder einer Nebenstraße melde, müsse damit rechnen, dass die Feuerwehr erst später zur Beseitigung eintreffe. Trampe: „Aufgrund der zu erwartenden hohen Anzahl an Einsätzen ist davon auszugehen, dass diese nach Priorität abgearbeitet werden.“ Auch die für den Kreis Pinneberg zuständige Polizeidirektion Bad Segeberg weist darauf hin, „den Notruf der Polizeileistelle 110 wirklich nur in Notfällen oder bei Gefahrenlagen zu wählen und alle anderen Anfragen oder Meldungen zu einem späteren Zeitpunkt einzubringen.“

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