Wedel: Langgesuchter KZ-Lagerleiter endlich identifiziert

Das Foto aus einem SS-Album zeigt Ewald Jauch (rechts) und Wilhelm Dreimann am Karfreitag 1941 in Neuengamme. Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Das Foto aus einem SS-Album zeigt Ewald Jauch (rechts) und Wilhelm Dreimann am Karfreitag 1941 in Neuengamme. Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Die Suche ist zu Ende: Der Leiter des berüchtigten Wedeler Männerlagers des KZ Neuengamme hat endlich einen Namen. Eine Internetrecherche brachte den Arbeitskreis gegen Rechtsradikalismus auf die Spur eines bekannten NS-Kriegsverbrechers.

shz.de von
25. Juli 2013, 12:59 Uhr

WEDEL Der Arbeitskreis (AK) gegen Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit hat eigenen Angaben nach den langgesuchten Leiter des Männerlagers des KZ-Außenlagers Neuengamme in Wedel identifiziert. Der SS-Oberscharführer Ewald Jauch soll dort zwischen Oktober und Dezember 1944 Kommandoführer gewesen sein. In dem Lager hatten die Nazis rund 500 Menschen inhaftiert. Durch einen Zufall war AK-Mitglied Knut Persson bei Internetrecherchen auf den SS-Mann gestoßen.

Der Fund stützt sich auf die eidesstattliche Aussage Jauchs im Internierungslager Paderborn, die in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme archiviert ist. Demnach war Jauch zuvor Lagerleiter in Schandelah und Bremen. "Von dort wurde ich im October 1944 nach Wedel in Holstein geschickt, wo ich Commandoführer war. Ab 1.Dezember wurde ich Kommandoführer in Hamburg Rothenburgsort", zitiert das Protokoll den SS-Mann.

Jauch ließ offen, für welchen Teil des Außenlagers er zuständig war, gestehen Persson und AK-Sprecherin Irmgard Jasker. Aber: "Da ehemalige Häftlinge des Männeraußenlagers sich an ihn erinnern können und nach bisherigen Kenntnisstand Walter Kümmel ohne Unterbrechung für das Außenlager zuständig gewesen ist, liegt es nahe, dass Jauch Kommandoführer des Männeraußenlagers Wedel war."
Beteiligt an Ermordung von 20 Kindern
Dazu würde auch passen, dass Jauch erst ab Oktober 1944 in Wedel war, das Frauenlager nach Angaben der KZ-Gedenkstätte Neuengamme Ende September wieder geräumt wurde. Der AK macht Jauch verantwortlich für den Tod von "dutzenden KZ-Zwangsarbeitern". Die in der Rolandstadt Inhaftierten mussten in Sülldorf Panzergräben ausheben. Von den 500 Männern, viele kamen aus dem niederländischen Ort Putten, überlebten mindestens 27 die Schwerstarbeit unter unmenschlichen Bedingungen nicht.
Jauch fungierte auch ab Dezember 1944 bis April 1945 Lagerleiter im Außenlager Hamburg-Rothenburgsort im Bullenhuser Damm. Dort war er am 20. April 1945 beteiligt an der Erhängung von 20 jüdischen Kindern, an denen im KZ Neuengamme medizinische Experimente vorgenommen worden waren, vier Betreuern der Kinder sowie 24 sowjetischen Kriegsgefangenen. Wegen dieser Morde stand er im Juli 1946 vor dem britischen Militärgericht, das ihn zum Tode verurteilte. Am 11. Oktober 1946 wurde der NS-Verbrecher in Hameln hingerichtet.

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