Wasserbüffel haben in Pinneberg eine neue Heimat

Für Diplomlandwirt Jan-Lukas Petr ist mit der Wasserbüffelhaltung ein Traum in Erfüllung gegangen.
Für Diplomlandwirt Jan-Lukas Petr ist mit der Wasserbüffelhaltung ein Traum in Erfüllung gegangen.

Regionalpark Wedeler Au ist um eine Attraktion reicher / Familie Petr aus Bad Oldesloe kümmert sich um die Tiere

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04. Juli 2018, 14:28 Uhr

Die Rahwisch-Niederung am südlichen Stadtrand, eine ausgedehnte Moor- und Dünenlandschaft, gehört zu Pinnebergs ökologischen Ausgleichsflächen. Sie muss deshalb unter Beachtung strenger Naturschutzbestimmungen erhalten werden. Eine undankbare Schwerstarbeit für Ralf Offenborn von der Grünflächenabteilung, solange die Stadt keinen geeigneten Pächter gefunden hat.

Das aber war eine große Herausforderung, weil sich die Bewirtschaftung des sumpfigen Gebiets für reguläre Landwirte nicht rechnet. Denn sie müssten hier ökologisch arbeiten und zugleich den Artenschutz von heimischen Pflanzen, Amphibien, Bodenbrütern und sonstigem Getier sicherstellen. Wie soll man dann noch Gewinn erwirtschaften, zumal da der Boden ohnehin nicht viel hergibt?

Dr. Katja Oldenburg vom Fachdienst Stadt- und Landschaftsplanung der Stadt weiß ein Lied davon zu singen. Umso glücklicher ist sie, jetzt mit Familie Petr, Wasserbüffelzüchter aus Bad Oldesloe, ideale Partner für die Niederung zu haben. Und deren Büffelfärsen fühlen sich offenbar auch sehr wohl in Pinneberg.

Die Petrs betreiben ihre Wasserbüffelzucht als Nebenerwerb. Alfons Petr ist hauptberuflich Wirtschaftsingenieur, Ehefrau Sabine ist Betriebskauffrau. Steuerrecht ist ihr Spezialgebiet. Sohn Jan-Lukas ist in Hamburg bei der Berufsfeuerwehr, außerdem aber auch studierter Diplom-Landwirt. Eine starke Neigung zur Landwirtschaft und zugleich eine persönliche Verantwortung für Natur- und Umweltschutz fühlt jeder in der Familie. Und so gründeten sie vor sechs Jahren ihren Betrieb „Holstein Büffel“ zur Aufzucht von Wasserbüffeln.

Einen Bauernhof oder eigene Flächen haben sie bis heute nicht, aber sie erwiesen sich als ideale Partner von Kommunen und Naturschutzgebieten, die sumpfige und moorige Ländereien zu verwalten haben. Wasserbüffel fühlen sich dort nämlich besonderes wohl und sorgen mit ihrem regen Appetit zugleich dafür, dass das Land nicht verbuscht oder verschilft. Sie suhlen sich auch mit Vergnügen stundenlang in schlammigem Wasser und halten so vorhandene kleine Teiche offen.

Die Petrs kennen jeden ihrer rund 90 Wasserbüffel. „Wenn sie erstmal Vertrauen zum Menschen fassen, dann sind das ganz verschmuste Tiere“, erzählen sie. Vor allem die Bullen können gar nicht genug Streicheleinheiten kriegen. Fremden gegenüber sind die Büffel allerdings scheu.

Petrs Tiere sind in sechs Herden aufgeteilt, etwa ein Dutzend Büffel hat jeweils eine Fläche von rund 15 Hektar zur Verfügung. Die 13 Färsen der Pinneberger Herde haben beste Chancen, auch zur Touristen-Attraktion zu werden, denn ihre sumpfige Wiese liegt unmittelbar an der „Dünenroute“, die zum Regionalpark Wedeler Au gehört. Damit ist das Gelände Teil des Biotopverbundsystems um den Regionalpark. Deshalb ist auch Doris Brandt vom Regionalpark Wedeler Au von der neuen Attraktion begeistert.

Und was wird aus den Büffeln, wenn sie in die Jahre kommen? Sie werden auf ihrer Wiese mit einem Schuss geschlachtet, führt Familie Petr aus. Dadurch seien sie bis zum letzten Lebensmoment stressfrei. Die anderen Tiere nehmen von der Tötung überhaupt keine Notiz sondern grasen gemächlich weiter, hat die Büffelzüchter-Familie immer wieder beobachtet. Verarbeitet wird das Fleisch dann fachgerecht im Schlachthof und danach direkt-vermarktet.

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