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Behörde warnt : Wasser im Kreis Pinneberg besonders belastet - explodieren jetzt die Wasserpreise?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Bundesbehörde warnt vor steigenden Kosten für Filtertechnik um bis zu 40 Prozent.

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2017 | 10:00 Uhr

Pinneberg | Die Belastung des Grundwassers mit Nitrat, meist aus der Landwirtschaft, nimmt zu. Das Umweltbundesamt (UBA) hat kürzlich vor steigenden Kosten gewarnt, weil in den Wasserwerken aufwendige Filtertechnik nötig werden könnte. Um bis zu 40 Prozent könnten die Preise nach oben schnellen. Für einen vierköpfigen deutschen Musterhaushalt wären das etwa 165 Euro Mehrkosten im Jahr. Auch im Kreis Pinneberg?

Insgesamt gehören die Trinwasserpreise in Schleswig-Holstein noch zu den niedrigsten in der Bundesrepublik. Die Bezugskosten lagen laut dem statistischen Bundesamt mit Stand 2013 dort bei etwa 320 Euro für einen vierköpfigen Haushalt. Im Bundesdurchschnitt waren es etwa 412 Euro.

Aus dem Nitratbericht der Bundesregierung geht hervor, dass vor allem im schleswig-holsteinischen und niedersächsischen Grundwasser der Nitrat-Grenzwert von 50 Milligram pro Liter überschritten wurde. Nitrat an sich ist nicht gesundheitsschädlich. Im Körper kann es jedoch zu Nitrit umgewandelt werden, dass im Verdacht steht, krebserregend zu sein.

Das schleswig-holsteinische Landesumweltministerium hat auch der Region Pinneberg einen schlechten Zustand seiner Ressourcen bescheinigt. Dies gilt vor allem für die Geest, deren Grenze zur Marsch etwa auf der Linie Wedel-Holm-Heist-Uetersen verläuft. An mehreren Messstellen wurden dort der Grenzwert überschritten. Somit gilt lediglich das Grundwasser im äußersten Westen des Kreises Pinneberg als gut.

Doch die Wasserwerker in der Region müssen nicht nur das Nitrat im Blick behalten. Das Grundwasser ist teils stark mit Pflanzenschutzmitteln und deren Abbauprodukten belastet, darunter längst verbotene Chemikalien aus den Baumschulen, die erst nach Jahren im Grundwasser ankommen. Vier von 15 Werke setzen deswegen bereits heute teure Aktivkohlefilter ein.

Wie schätzen also die Stadwerke die Situation ein? Fred Freyermuth, Chef des Barmstedter Kommunalversorgers, sagt: „Wir haben schon vor vielen Jahren begonnen, auf einen unteren Grundwasserleiter umzusteigen, um eine weiterhin optimale Wasserqualität sicherzustellen. Die Entscheidung war notwendig, da der obere Grundwasserleiter mit Rückständen aus Pflanzenschutzmitteln belastet war.“ Die Stadtwerke hätten etwa eine Million Euro in diesen Umstieg investiert, was auch den Wasserpreis beeinflusse. Freyermuth fordert Konsequenzen: „Letztlich ist Wasserqualität weniger eine Frage des Preises als vielmehr ein existenzielles Thema: Es müssen endlich mehr Maßnahmen zum Grundwasserschutz umgesetzt und auch überwacht werden.“

Ähnliches sagt Ulrike Fölsch, Bereichsleiterin Energiewirtschaft und Unternehmensentwicklung der Stadtwerke Quickborn. „Die Höhe der Kosten hängt von den örtlichen Gegebenheiten wie etwa Fördertiefe und Bodenbeschaffenheit ab. Eine Aussage zu Kosten kann somit nicht verallgemeinert werden. Wichtig für alle ist aber, von vornherein eine Belastung zu vermeiden.“ Mit der novellierten Düngemittelverordnung habe der Gesetzgeber einen wichtigen ersten Schritt getan. „Wir wünschen uns jedoch von der Landesregierung, dass sie die Einhaltung der Düngemittelverordnung streng überwacht“, sagt Fölsch. Es gebe zudem einen regelmäßigen Austausch mit der Landwirtschaft und den Baumschulen.

Im Versorgungsgebiet der Quickborner Stadtwerke werde das Wasser aus tiefen Schichten gefördert. Probleme mit Nitrat und Spritzmitteln gebe es nicht. Steigende Kosten aus Belastungsgründen seien nicht zu erwarten.

 

Olaf Deich, Bereichsleitung Technik der Stadtwerke Elmshorn, sagt: „Grundsätzlich ist die vom UBA genannte Kostensteigerung denkbar, wenn man das gesamte Bundesgebiet in den Blick nimmt. Wie hoch die Kosten tatsächlich steigen, hängt aber nicht nur von den Umweltbedingungen in einem Fördergebiet ab, sondern auch von der momentanen technischen Ausstattung eines Wasserwerks.“

Im Zusammenhang mit Nitrat seien im Elmshorner Fördergebiet bisher keine auffälligen Werte gemessen worden. „Sie lagen in unseren beiden Wasserwerken mit 1,3 und 2,9 Milligramm pro Liter deutlich unter dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter.“ Es gibt jedoch Probleme mit Pflanzenschutzmitteln und deren Abbauprodukten. „Deswegen ist es erforderlich, in beiden Wasserwerken bereits heute Aktivkohlefilter einzusetzen. In absehbarer Zeit rechnen wir daher nicht mit einer signifikanten Kostensteigerung, die durch neue Reinigungstechnik verursacht würde.“ Deich schränkt seine Prognose jedoch ein: „Wir gehen davon aus, dass die Nitratwerte auf dem heutigen Niveau bleiben. Was das Risiko für das Grundwasser angeht, muss man aber die Spritzmittel berücksichtigen. Wir wissen nicht, welche Spritzmittel wann in den tieferen Grundwasserschichten ankommen. Das sind oft Prozesse von mehreren Jahrzehnten. Auch wissen wir nicht genau, welche Abbauprodukte im Boden entstehen.“

Die Stadtwerke Wedel betreiben keine eigenen Brunnen und Aufbereitungsanlagen. Sie beziehen das Trinkwasser, mit dem sie die Stadt versorgen, von Hamburg Wasser. Aus Wedel heißt es: „Grundsätzlich hat das Trinkwasser in Deutschland eine international anerkannte Spitzenqualität. Auch in Regionen, in denen durch Überdüngung das Grundwasser stark mit Nitrat belastet ist, sorgen die Wasserunternehmen dafür, dass die Grenzwerte eingehalten werden. Alle Personengruppen, auch Kleinkinder oder Menschen mit gesundheitlicher Vorbelastung, können das Trinkwasser bedenkenlos konsumieren.“

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