Prozessauftakt : Was geschah mit den 5000 Polenböllern in Elmshorn?

<p>Immer wieder entdecken Ermittler illegale Feuerwerkskörper. Das Bild zeigt einen Fund des Landeskriminalamts Hamburg.</p>

Immer wieder entdecken Ermittler illegale Feuerwerkskörper. Das Bild zeigt einen Fund des Landeskriminalamts Hamburg.

Ein Elmshorner steht vor Gericht, weil er massenweise illegale Böller gekauft und auf Schulhöfen weiterverkauft haben soll.

shz.de von
03. Juli 2018, 11:00 Uhr

Elmshorn | Das hatte  schon heftige Sprengkraft: Ein junger Elmshorner hatte sich Ende 2016  die enorme  Menge  von  5000 so  genannten Polenböllern besorgt. Gestern musste er sich deshalb vor dem Amtsgericht Elmshorn wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz verantworten. Doch ein Urteil gab es noch nicht.

Mit Nadelstreifenanzug, roter Krawatte und roten Socken erschien der 20-Jährige vor Gericht.  Der  Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Der Angeklagte habe  im November und Dezember 2016 die 5000 illegalen Böller erworben,   um sie weiterzuverkaufen.   Unter anderem soll er sie auf Schulhöfen, darunter der Schulhof der Anne-Frank-Schule, an Minderjährige veräußert  haben.  Zudem soll er sie  im Internet  angeboten haben. 1395 Euro Gewinn hatte er laut Staatsanwaltschaft eingestrichen. Das Geld war beschlagnahmt worden.

Den Besitz der Knallkörper  gab der Angeklagte zu. „Die illegalen Böller sind ihm zuzuordnen“, erklärte sein Anwalt. „Mein Mandat ist sich bewusst, dass er Mist gebaut hat.“ Allerdings  sei er zur Tatzeit auch erst 18 Jahre alt gewesen. Die Böller  habe er mit drei Freunden erworben, deren Namen er aber nicht nennen werde, um sie zu schützen, so der Jurist.

Den Verkauf an Minderjährige, den schwerwiegendsten Vorwurf, bestritt der Elmshorner. Er war von einem Schüler belastet worden.   Wie der an die Böller gekommen sei, wisse er nicht. Er sei  damals  von fünf bis sechs Jugendlichen überfallen worden. Die hätten  ihn zuerst „geschlagen, gehauen, getreten“ und ihm anschließend drei Pakete der illegalen Böller aus seinem Auto gestohlen.   Zuvor hatte er erklärt, sein Fahrzeug sei unverschlossen gewesen. Weshalb die  Jugendlichen, die seinen Angaben nach zu einer etwa 20-köpfigen Elmshorner Gang gehören, ihn schlugen, anstatt die Böller einfach mitzunehmen, blieb offen.  Seltsam auch, weshalb der Elmshorner wegen des Überfalls keine Anzeige erstattete.

Das beschlagnahmte Geld, so der Angeklagte, stamme keineswegs aus dem Verkauf illegaler Pyrotechnik.    Er habe es von seinem Großvater und seinen Eltern bekommen.

Die Staatsanwaltschaft deutete Bereitschaft an, auch weil die vorgeworfenen Taten lange zurückliegen, das Verfahren einzustellen. Denkbar wäre  im Gegenzug eine Arbeitsauflage gewesen. Das beschlagnahmte Geld wäre allerdings einbehalten geblieben, weil es aus Sicht der Anklage Einnahmen aus dem Verkauf illegaler Böller stammt. Das lehnten nach kurzer Besprechung Verteidiger und Angeklagter ab. Das Geld habe er von seinen Eltern und seinem Opa erhalten.

Nun gibt es eine weitere Verhandlung, zu der ein Großaufgebot an Zeugen aufgefahren wird: Eltern und Großvater des Angeklagten, um mehr über die Herkunft der 1395 Euro zu erfahren. Der Minderjährige, der behauptet  hatte, der Angeklagte habe ihm die  Böller auf dem Schulhof verkauft.  Einer,  der  laut Angeklagtem an dem Überfall auf ihn beteiligt war. Und ein Freund, der Zeuge des Überfalls gewesen sein soll. Außerdem seine Ex-Freundin, die laut Angeklagtem bezeugen kann, dass er bei dem angeblichen Überfall  Hämatome davon getragen habe.

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