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Pinneberger Tageblatt

20. Juli 2017 | 18:29 Uhr

Was beim Baden untergeht

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Schwimmbad Jan Sarraß kümmert sich um die Technik in den Katakomben und hört bereits bei Schichtbeginn, wenn etwas nicht stimmt

In unserer Serie „Hinter den Kulissen von Pinneberg“ stellen wir in unregelmäßiger Reihenfolge Institutionen, Vereine und Firmen vor und zeigen die Menschen dahinter. Heute begeben wir uns in die Katakomben des Pinneberger Schwimmbades...

Das Kassensystem des Pinneberger Schwimmbades zählt jährlich durchschnittlich 180  000 Besucher. Die Badegäste kennen den Umkleide- und Schwimmbereich und das Außengelände – aber der allerwichtigste Teil des Ganzen, das Herzstück, liegt im Keller.

In den Maschinenräumen und langen Gängen befindet sich die Technik. Wechselweise kümmern sich Jan Sarraß und Kollege Peter Pirsig um die Anlage des 45 Jahre alten Schwimmbades. Im Laufe der Jahre sind ihnen die Katakomben, Anzeigen, Rohre, Filter und Pumpen so vertraut, dass sie bereits bei Schichtbeginn hören, wenn irgendetwas nicht stimmt.

Müssen die beiden Innenbecken einmal neu befüllt werden, etwa nach Reparaturen oder Sanierungen, sind dafür 2500 Kubikmeter Wasser erforderlich – das sind 21  000 volle Badewannen. Filteranlagen arbeiten permanent daran, das Wasser im 50-Meter-Becken, im Sprungbecken und im Außenbecken in einwandfreiem hygienischen Zustand zu halten: Pro Stunde laufen 780  000 Liter Wasser durch die Umwälzanlagen.

Es gibt einen groben Filter, der zuerst Haare und Flusen herausfischt. Dann wird ein Flockungsmittel zugeführt. Das hilft, Schmutzpartikel zu binden. Schließlich durchläuft das Wasser einen großen Sandfilter, wird neu mit Chlorgas aufbereitet und zurück in die Schwimmbecken gepumpt. „Die Chlorzufuhr erfolgt automatisch, je nach Notwendigkeit“, sagt Birgit Vollmar (Foto klein), Betriebsleiterin der Pinneberger Bäder. „Je seltener die Duschen vor dem Baden benutzt werden, desto mehr Chlor wird benötigt, um Keime abzutöten.“ Sarraß ergänzt: „Wir brauchen alle 14 Tage rund 65 Kilo Chlorgas.“ Auch der PH-Wert wird ständig überprüft. Er muss immer zwischen 6,8 und 7,2 liegen. Aber auch ganz normales Wasser muss nachgefüllt werden: „Wasser verdunstet und jeder nasse Badegast nimmt nach dem Baden Wasser am Körper mit raus. Je Besucher füllen wir 30 Liter Frischwasser nach“, so Sarraß.

Vor den Chlorgasen hat der Techniker Respekt. Die Flaschen sind in einem Extra-Raum untergebracht, der nur mit Atemschutzmaske betreten wird. „Chlor ist aggressiv. Der Umgang damit bringt eine große Verantwortung mit sich. Deshalb muss im Herbst auch unsere Filteranlage saniert werden. Durch Korrosion baut sich Material ab. Die Stahlwände werden dünner“, erklärt Sarraß. Jetzt wird ein modernerer Filter aus Plastik eingebaut. Schwimmer können sich ab Mitte Oktober schon einmal auf eine Schließung des Bades einstellen – Sanierung und Probelauf nehmen Zeit in Anspruch. „Ein paar Wochen dauert das schon“, so der Experte.

Sarraß arbeitet jetzt seit mehr als 15 Jahren im Pinneberger Schwimmbad und hält mit seinem Kollegen nicht nur die große Technik am Laufen: „Wir kümmern uns auch um lockere Schrauben oder gehen im Freibad mal Müll sammeln. Eben alles, was anfällt.“ Doch nach diesen Ausflügen über Tage geht der Techniker gern wieder in seine Katakomben zurück. „Das hier ist mein Ding“, sagt der gelernte Elektroinstallateur.

Wie selbstverständlich beherrscht er die vielen digitalen Anzeigen, die Pump-, Mess- und Regeltechnik. Kennt sich aus mit Durchflussmengen, Differenzdruck und repariert auch das ein oder andere Teil selbst. Dafür hat er ein paar Ersatzteile bei Seite gelegt. Man müsse flexibel reagieren, organisieren und improvisieren. Aber das beste Werkzeug trägt er in sich: „Ich kann mich auf meine Wahrnehmung verlassen“, sagt er.

Obwohl alles automatisch läuft, nehmen die Schwimmmeister, oder neudeutsch Fachkräfte für Bäderbetriebe, zusätzlich dreimal täglich Proben aus den Becken. „Das hat sich so eingespielt und ist eine weitere Sicherung“, sagt Vollmar. Mit ihr arbeiten insgesamt 18 Mitarbeiter für den reibungslosen Ablauf: An der Kasse, für die Reinigung und als Fachkraft für die Aufsicht. Vollmar: „Das ist ein sehr verantwortungsvoller Job. Wir wirken am Beckenrand vielleicht entspannt, aber in Wirklichkeit sind wir immer konzentriert.“

Besonders viel zu tun sei, wenn die vielen Kinder in den Ferien kämen. Vollmar musste bereits ein Kind reanimieren und hat ihm so das Leben gerettet. „Wir werden alle regelmäßig in Erster Hilfe ausgebildet. Auch das Reinigungs- und Kassenpersonal“, sagt sie. Kopfschmerzen bereitet ihr manchmal auch die Tollkühnheit der Flüchtlinge. „Die meisten können gar nicht schwimmen und springen trotzdem ins tiefe Wasser hinein. Das ist lebensgefährlich. Da schalten wir auf Alarmstufe rot.“ Auch Jugendliche wissen manchmal nicht, wann sie aufhören sollten: „Die testen ihre Grenzen aus.“

Und wie läuft es mit dem Schwimmbad weiter, wenn jetzt, wie berichtet, ein weiteres neues, modernes Schwimmbad in Pinneberg gebaut werden soll? Vollmar: „Das alles steht doch noch gar nicht wirklich fest. Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Immer gelassen bleiben. Wir machen vorerst weiter wie bisher und erneuern im Herbst die Filteranlage.“

Im nächsten Teil unserer Serie „Hinter den Kulissen“, die am Donnerstag, 13. Juli, erscheint, besuchen wir den Strick-Club.

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