140.000 Euro für Sanierung : Warum ist die Kirchenorgel in Rellingen so teuer?

Kantor Oliver Schmidt erläuterte den Mitgliedern des Fördervereins die Probleme mit der Kirchenorgel aus dem Jahr 1758.
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Kantor Oliver Schmidt erläuterte den Mitgliedern des Fördervereins die Probleme mit der Kirchenorgel aus dem Jahr 1758.

Kantor Oliver Schmidt informiert über die Probleme der Rellinger Kirchenorgel. Der Förderverein will 30.000 Euro sammeln.

shz.de von
20. Juli 2015, 14:00 Uhr

Rellingen | Ursel Neuhoff, Vorsitzende des Fördervereins zum Erhalt der Rellinger Kirche, nennt ihr Ziel selbst sportlich. 30.000 Euro will der Förderverein sammeln, um einen Teil der Sanierung der Orgel in der Rellinger Kirche zu übernehmen. Diese soll noch in diesem Jahr stattfinden. Kostenpunkt: 140.000 Euro. „Es ist sportlich, aber wir sind auf einem guten Weg. Wir wollen so viele Eigenmittel wie möglich zur Verfügung stellen“, sagte Neuhoff am Freitag.

Um den 55 Vereinsmitgliedern zu zeigen, wofür sich der Förderverein derzeit einsetzt, hatte sie zu einer Orgelführung in die Rellinger Kirche geladen. Etwa ein Viertel der Mitglieder nutzte die Chance, sich ein – vor allem klangliches – Bild zu verschaffen.

„Es ist schön, dass sie bei diesem Wetter gekommen sind, wo man nicht unbedingt an Kultur, sondern vielleicht eher an den Grillabend denkt“, begrüßte Kantor Oliver Schmidt die Besucher im Kirchenraum – direkt unterhalb der 1758 installierten Orgel. „Der sichtbare Teil der Orgel ist fast so alt wie die Kirche selbst“, erläuterte Schmidt. Zwei Jahre nach dem Bau der Barockkirche auf dem Platz der in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichteten romanischen Feldsteinkirche sei die Orgel von Matthias Schreiber installiert worden. „Es sind nur noch viereinhalb Werke von ihm erhalten und das halbe finden Sie hier bei uns in der Kirche“, sagte Schmidt. Viele Teile der Orgel wie der Spieltisch an der gegenüberliegenden Seite und Teile der Pfeifen seien 1970 und 1971 ersetzt oder ergänzt worden.

„Was Sie vor sich sehen, würde ich etwas böse als Kulisse bezeichnen“, erläuterte Kantor Schmidt. Durch die achteckige Form und den Holzanteil von 80 Prozent sei die Kirche ideal, um Musik aus jeder Epoche in jeder instrumentalen und stimmlichen Besetzung und in jeder Geschwindigkeit zu spielen. Allerdings hätten das Alter sowie Schimmelpilzbefall dem Instrument zugesetzt. „Die Technik ist auf dem neuesten Stand von 1971. Das ist nun schon eine Weile her“, kommentierte Schmidt süffisant.

2500 Orgelpfeifen sollen bearbeitet und ersetzt werden. (Foto: Fröhlig)
2500 Orgelpfeifen sollen bearbeitet und ersetzt werden. (Foto: Fröhlig)

Die Sanierung habe das Ziel, den aktuellen Ist-Zustand zu erhalten. Die 2500 Pfeifen sollen ausgebaut, gereinigt und gegebenenfalls ersetzt werden. Der Schimmelpilzbefall soll komplett beseitigt, und durch den Einbau von Ventilatoren und eines Absauggerätes soll der Schimmelbefall in der Zukunft minimiert werden. Neben baulichen Änderungen an der Orgel sei ein neuer zeitgemäßer Spieltisch geplant, der moderne Technik mit den historischen Gegebenheiten kombiniere.

„Es geht nicht darum, etwas Neues zu probieren oder mir einen besonderen Luxus zu verschaffen, wenn ich Orgel spiele“, sagte Schmidt. Er demonstrierte seinen Besuchern die Verzögerungen der verschiedenen Pfeifen am aktuellen Spieltisch, den Klang defekter Pfeifen sowie die Tücken der elektromagnetischen Signalübertragung – es war 1971 das Beste auf dem Markt. „Wenn ich von Konzerten außerhalb wieder nach Hause komme, stoße ich erst einmal einen tiefen Seufzer aus. Ich hoffe, dass das zukünftig entfällt“, beschrieb der Kantor seine Gedanken. Bestimmte Töne lasse er mittlerweile einfach aus. Und auch an die Verzögerungen habe er sich mittlerweile gewöhnt: „Irgendwann denkt man nicht mehr darüber nach.“

Wenn es nach Oliver Schmidt und Ursel Neuhoff geht, soll die Sanierung der Orgel noch in diesem Jahr beginnen. Und was macht der Förderverein dann? Neuhoff schmunzelte: „Da fällt uns bestimmt etwas ein. So eine alte Dame braucht ja immer Pflege.“

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