XFEL Schenefeld : Warum Buddhismus wissenschaftlich ist

Glaube trifft Wissenschaft: Adrian Mancuso (von links), führender Wissenschaftler bei XFEL, und XFEL-Geschäftsführer Robert Feidenhans’l hatten sichtlich Freude am Geschenk von Jigme Pema Wangchen, höchster Geistlicher der Drugpa-Kagyü-Tradition des tibetischen Buddhismus.
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Glaube trifft Wissenschaft: Adrian Mancuso (von links), führender Wissenschaftler bei XFEL, und XFEL-Geschäftsführer Robert Feidenhans’l hatten sichtlich Freude am Geschenk von Jigme Pema Wangchen, höchster Geistlicher der Drugpa-Kagyü-Tradition des tibetischen Buddhismus.

Diskussion „Connecting Worlds – Science meets Spirituality“ zeigt Gemeinsamkeiten von Forschung und Religion.

shz.de von
13. März 2018, 15:00 Uhr

Schenefeld | Kopernikus, Galileo Galilei und Charles Darwin eint nicht nur die Tatsache, dass sie bedeutende Wissenschaftler ihrer Zeit waren, sondern auch die Konflikte mit der Kirche. Wissenschaft und Religion stehen seit Jahrhunderten in Konkurrenz zueinander und sind auch immer wieder Stoff für Thriller, wie Erfolgsautor Dan Brown beweist. Doch muss das so sein? Darüber diskutierten führende Wissenschaftler am Sonntag im European XFEL mit Jigme Pema Wangchen, dem höchste Geistlichen der buddhistischen Drugpa-Kagyü-Tradition.

Jigme Pema Wangchen ist der zwölfte Gyelwang Drugpa, der als der höchste Geistliche der buddhistischen Drugpa-Kagyü-Tradition des tibetischen Buddhismus gilt. Seit seiner Volljährigkeit steht der 54-Jährige zahlreichen Klöstern im Himalayagebiet, aber auch Zentren im Ausland vor. Er residiert in seinem Hauptkloster Druk Thupten Sangag Choeling in Darjeeling in Nepal. Jigme Pema Wangchen ist der Nachfolger von Tenzing Khenrab Geleg Wangpo, der 1960 in einem Flüchtlingslager nach seiner Flucht aus Tibet starb. Sechs Jahre lang suchte man die – so der Glaube – Wiedergeburt des Verstorbenen. Erst 1966 fand man Jigme Pema. Der Dalai Lama erkannte ihn als Wiedergeburt des elften Gyelwang Drugpa an.

XFEL-Geschäftsführer Robert Feidenhans’l, Arwen Pearson, Leiterin des „The Hamburg Centre for Ultrafast Imaging“, Rolf Bader, Professor für Systematische Musikwissenschaften, und Adrian Mancuso, führender Wissenschaftler bei XFEL, stellten sich wie der Geistliche Wangchen den Fragen von Rosemary Wilson, Pressesprecherin bei European XFEL, und NDR-Moderator Jan Ehlert. „Buddha wurde zwar nie als Wissenschaftler bezeichnet, aber er hat sich immer für wissenschaftliche Begriffe interessiert“, sagte Wangchen. „Die Wissenschaft und ihre Erkenntnisse helfen der Religion, wenn man sie richtig versteht.“ Die Wissenschaft belege beispielsweise, wie sich Klimawandel auf die Umwelt auswirke. „Was Wissenschaftler sagen, verstehe ich ein bißchen, aber mir ist klar, dass Bäume, Pflanzen und die Elemente die Seele des Lebens sind, die es zu schützen gilt“, sagte der Geistliche.

„In der Religion glaube ich an etwas, aber ich muss es nicht beweisen. In der Wissenschaft will ich beweisen, dass es etwas gibt, woran ich glaube“, erläuterte Pearson die Unterschiede zwischen Glauben und Wissenschaft. „Das sind zwei Wege, die Welt zu sehen.“ Doch ohne Beweisführung sei auch im Buddhismus, den Wangchen als Philosophie statt als Religion definierte, elementar: „Erfahrungen und Wissen sind wichtig, um zu glauben. Die Erfahrung muss man durch Prüfungen gewinnen. Daher finde ich manchmal, dass Buddhismus sehr wissenschaftlich ist.“

„Verschiedene Sichtweisen helfen uns die richtigen Fragen zu stellen“, betonte Mancuso. Vor allem der Begriff „Energie“ wurde diskutiert. „In der Physik haben wir eine klare Definition, was wir unter Energie verstehen. Wenn ich mir das Glas Wasser anschaue, weiß ich, dass es Energie fürs Leben liefert. Wenn ich mir Adrian Mancuso anschaue, ist mir seine Energie nicht zu erklären“, sagte Feidenhans’l lachend.

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