Warnung vor Hitze und Unwetter

Nichts kann so wichtig sein, dass Senioren in der Mittagshitze bei 35 Grad Celsius unterwegs sind.
Nichts kann so wichtig sein, dass Senioren in der Mittagshitze bei 35 Grad Celsius unterwegs sind.

Die Menschen im Kreis Pinneberg müssen weiter mit Extremwetter rechnen / Notaufnahmen melden erste Hitze-Patienten

shz.de von
26. Juli 2018, 16:00 Uhr

Der Extremsommer zwingt Mensch und Tier in die Knie und eine rasche Abkühlung scheint nicht in Sicht. Auch wenn gestern Nachmittag graue Gewitterwolken für vereinzelte Regenschauer und Wind sorgten.

Mediziner und Wetterdienst warnen weiter vor
Temperaturen um die 35 Grad Celsius sowie möglichen Waldbränden und Unwetterschäden. Daher empfehlen sie, sich in den nächsten Tagen möglichst wenig im Freien aufzuhalten – vor allem nicht in der prallen Sonne.

„Momentan kommen schon gehäuft Menschen mit Beschwerden zu uns in die Notaufnahmen. Die aktuelle Hitzewelle ist dafür verantwortlich,“ erklärt Dr. Sven Hartmann, gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Er ist Leiter der Zentralen Notaufnahmen der Regio-Kliniken. Laut Hartmann sind sämtliche Standorte auf alle Eventualitäten vorbereitet – wenn es zu steigenden Patientenzahlen komme.

Weniger drastisch stellt sich die Situation zur Zeit in den Senioreneinrichtungen und -wohnanlagen dar. Dort habe man sich bereits an das Wetter und die belastenden Bedingungen angepasst.

„Wir sorgen für angenehme Temperaturen und achten verstärkt darauf, dass unsere Bewohner ausreichend mit Getränken, Fruchteis und frischem Obst versorgt sind“, sagt Martin Kähler, Leiter vom Pinneberger Haus Quellental. Ebenfalls problemlos verläuft der Alltag zur Zeit im Seniorenwohnpark Bauernmühle. Dort stehen Eiskaffee und Fruchtschalen hoch im Kurs.

Im Alten- und Pflegeheim Cecilienburg in Tornesch werden gemeinsam Trinklieder gesungen und dabei die Bewohner zum ausreichenden Trinken von Wasser, Schorlen und Tee animiert. Zwischen den Mahlzeiten bieten die Betreuungskräfte Kaltschalen und Wassermelonen an. „Auch Eis und Eiskaffee wird nachmittags gereicht. Zum Abendbrot gibt es zusätzlich kühle Suppen“, erzählt Hauswirtschaftsleiterin Alina Isern.

Der Geheimtipp von Heimleiterin Sabine Harbeck-Grünwald vom Seniorenzentrum Halstenbek ist warme Brühe, „um den Mineralhaushalt der Bewohner konstant zu halten und eine Reduzierung der allgemeinen Aktivitäten“.

Diese Meinung teilt auch Hartmann: „Unser Körper ist zu einem Großteil aus Wasser aufgebaut. Wir verlieren bei hohen Temperaturen nicht nur Wasser durch das Schwitzen, sondern auch über unsere Atmung. Wenn unser Wasserhaushalt in eine Negativbilanz fällt, funktionieren die Regelkreise unseres Körpers nicht mehr zuverlässig. Dies auch wegen der Körpersalze, deren prozentualer Anteil sich dadurch verschiebt. Darauf reagieren vor allem Herz und Lunge sehr empfindlich und komplex.“ Ein weiterer neben anderen Gründen sei, dass sich die Blutgefäße bei hohen Temperaturen weiten, das Herz stärker schlagen müsse, was auch belastend und anstrengend sei, so der Mediziner.

Mit folgenden Tipps könne jeder aber dazu beitragen, die Hitzewelle gesundheitlich gut zu überstehen: „Halten Sie sich so wenig wie möglich im Freien und natürlich nicht unter direkter Sonneneinstrahlung auf. Vermeiden Sie körperliche Anstrengungen, machen Sie mehrere kleinere Pausen und trinken Sie sehr viel Wasser oder Tee. Dies ist gerade für ältere Menschen sehr wichtig, da sich in höheren Jahren oft das natürliche Durstgefühl nicht oder deutlich verzögert einstellt,“ betont der Leiter der zentralen Notaufnahme.

Doch nicht nur älteren oder geschwächten Menschen machen die Temperaturen zu schaffen. „Leider sind wir Menschen keine wechselwarmen Wesen und können uns nicht an diese tropischen Temperaturen anpassen. Unsere Konzentration und Leistungsfähigkeit sinkt bei Hitze und die Fehlerquote steigt. Deswegen liegt es auch im Interesse des Arbeitgebers, seinen Beschäftigten das Arbeiten so erträglich wie möglich zu gestalten – dazu kann auch mal ein Eis oder Hitzefrei wie in Schulen zählen,“ sagt DGB Regionsgeschäftsführerin Juliane Hoffmann im Gespräch mit unserer Zeitung.

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