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Pinneberger Tageblatt

18. November 2017 | 07:42 Uhr

Wandern in 100 Meter Höhe

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Seilhängebrücke Sensation im Rappbodetal

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2017 | 13:30 Uhr

Fester Boden unter den Füßen? Fehlanzeige. Festes Schuhwerk an den Füßen? Ein Muss. Die neue Fußgänger-Seilhängebrücke im Harz ist etwas für alle, die gern mal die Pobacken zusammenkneifen. Das 120 Tonnen schwere Gebilde aus einer filigranen Seilkonstruktion, armdicken Tragseilen und einem Gitter-Laufsteg verursacht hundert Meter über dem Rappbodetal in der Stadt Oberharz am Brocken Nervenkitzel pur.

Am morgigen Sonntag öffnet das imposante Bauwerk nach dreieinhalbjähriger Planungsphase und zehn Monaten Bauzeit für Besucher, die zweifellos Mut und Abenteuerlust mitbringen müssen. Dann soll auch das Geheimnis um die genaue Länge des für den Weltrekord entscheidenden Teils der Brücke gelüftet werden. „Das gesamte Bauwerk mit seinen Podesten und Nebenkonstruktionen ist 483 Meter lang“, sagt Maik Berke (39) vom Betreiber Harzdrenalin. „Aber wie lang das freihängende Gebilde ist, wird erst bei der Eröffnung verraten“.

Schon vorab haben er und Bruder Stefan (36) mit dem Superlativ „weltlängste“ nicht gegeizt. Sicher sei eins: Die mit aktuell 439 Metern weltlängste Brücke ihrer Art in Sotschi (Russland) werde überboten und der Weltrekord in Deutschlands nördlichstes Mittelgebirge gehen. „Die Länge ist ein massives Kapital“, begründet Maik Berke die Geheimniskrämerei. Die Konkurrenz und der Rekordhunger seien weltweit groß. „Es wird immer jemand kommen und sagen, dass er das Höchste, Längste und Beste hat. Wir halten deshalb damit so lange es geht hinterm Berg.“ Auch die Kosten werden nicht aufgedröselt. „2016 und 2017 haben wir drei Millionen Euro in die Erweiterung des Geländes investiert, darunter in Teilen auch Fördermittel“, sagt Maik Berke lediglich. Auf dem Areal betreibt das Unternehmen auch Europas größte Doppelseilrutsche „Megazipline“. Wer auf die neue Brücke will, muss Eintritt zahlen, das Ticket für Erwachsene kostet sechs Euro.

Die Seilhängebrücke mit Namen Titan-RT spannt sich parallel zur 415 Meter langen Krone der Rappbodetalsperre und ist damit in Sachen Rekord in guter Gesellschaft. Denn: Die 106 Meter hohe Staumauer ist die höchste in Deutschland. Für Harztouristen bedeutet das zweifachen Gigantismus auf engstem Raum. „Jeder kann die Brücke ohne Sicherheitsausrüstung betreten“, sagt Stefan Berke. „Kinder bis 14 Jahre müssen von einem Erwachsenen begleitet werden.“ Nur 1,20 Meter breit ist der Steg, auf dem gelaufen wird. Ein 1,30 Meter hohes Geländer mit Handlauf sowie Edelstahlnetze sorgen für Sicherheit, wenngleich die Schwankungen und Vibrationen für einen Adrenalinkick sorgen. Kaum vorstellbar, dass sich das Bauwerk mit der gewaltigen Zugkraft von fast 950 Tonnen in den Schieferfelsen der Talseiten krallt.

Gebaut hat die Brücke ein auf Hochgebirgsbau spezialisiertes Unternehmen aus Österreich. Bei der Statik spielt der Wind eine große Rolle. Und der ist es auch, der Grenzen setzt. „Bei einer Windgeschwindigkeit ab 55 Stundenkilometer stellen wir den Betrieb ein“, sagen die Berkes, die Dachdecker und Tischler sind und sich 2011 mit Harzdrenalin dem Erlebnistourismus verschrieben haben.

Mehr als 210 Menschen dürfen nicht gleichzeitig auf den Laufsteg. Das regeln die Drehkreuze. Und noch etwa ist besonders an der Seilhängebrücke: Mutige können sich allein oder zu zweit per sogenanntem Pendelsprung etwa 70 Meter in die Tiefe stürzen und gesichert durchs Tal schwingen.

Steine wurden den Berkes bei der Verwirklichung ihres Traumes von Brücke und Pendelsprung nach eigenen Angaben nicht in den Weg gelegt. „Wir hatten keine Probleme, wir hatten Aufgaben“, sagen sie. „Da gingen die Ampeln überall schnell auf gelb-grün.“ Für die Zukunft haben die beiden Abenteurer schon wieder ein neues Projekt im Blick. Noch soll es allerdings ein Geheimnis bleiben, worum es sich handelt.

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