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Im Gespräch : Walter Lorenzen über von der Politik enttäuschte Bürger

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Wir sprechen mit mit Walter Lorenzen von der SPD in Appen.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2014 | 16:00 Uhr

Appen | Walter Lorenzen ist in Appen stellvertretender Bürgermeister, Vorsitzender des DRK und gehört für die SPD der Gemeindevertretung an. Im Sonntagsgespräch erklärt er, warum ehrenamtliches Engagement so wichtig ist – und warum Appen eine liebenswerte Gemeinde ist.

Sie engagieren sich für das DRK und sind in der Kommunalpolitik aktiv. Warum ist Ihnen ehrenamtliche Arbeit wichtig?
Dadurch habe ich die Möglichkeit, etwas zu gestalten und kann helfen, die Lebensqualität in der Gemeinde zu verbessern. Ohne das freiwillige Engagement in Vereinen und Politik wäre Appen ein reines Schlafdorf. Deshalb habe ich meine Probleme mit Menschen, für die ehrenamtliche Arbeit keinen Wert hat und die einfach nur alles kritisieren.

Sie haben vor Ihrem Ruhestand als Betriebsrat gearbeitet. Sind Betriebsräte und Gewerkschaften noch genauso wichtig wie früher?
Aus meiner Sicht wichtiger denn je. Heutzutage werden die Belange von Mitarbeitern häufig rein wirtschaftlichen Interessen geopfert. Das ist ein großer Fehler der Unternehmer. Sie sollten mehr an die Bedürfnisse der Menschen denken. Früher wurden Arbeitnehmer viel mehr eingebunden und waren dadurch auch motivierter und kreativer. Wer Betriebsräte und Gewerkschaften ablehnt, schadet sich langfristig selbst.

Sie sind schon seit Jahrzehnten in der Kommunalpolitik tätig. Was hat sich verändert?
Ich stelle fest, dass viele von der Politik enttäuscht sind. Das trifft auch uns Kommunalpolitiker, obwohl die Gründe meistens nichts mit dem zu tun haben, was in den Gemeinden passiert. Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Menschen vor Ort einbringen und auch politisch aktiv werden. Dann können sie mitentscheiden, was vor ihrer Haustür passiert.

Hat sich auch die SPD gewandelt?
Ja, sie war früher eine Arbeiter- und ist heute eine Volkspartei, genau wie die CDU. Als ich zu Zeiten von Willy Brandt in die SPD eingetreten bin, waren die Unterschiede zwischen den einzelnen Lagern noch wesentlich größer. Unabhängig davon müssen wir als Sozialdemokraten weiter für die da sein, die ihre Interessen nicht allein vertreten können und auf Unterstützung angewiesen sind.

Wie hat sich der Ort Appen entwickelt?
Viele Bürger haben nicht mehr den Bezug zu ihrem Wohnort und nehmen deshalb kaum noch am Gemeindeleben teil. Das finde ich schade. Appen ist aber weiter eine liebenswerte Gemeinde – auch, weil die Einwohner weltoffener geworden sind.

„Appen musiziert“, Stiftung „Appen hilft“ – in Appen wird viel für den guten Zweck getan. Ist es Appener Mentalität, anderen zu helfen?
Ich glaube schon. Deshalb unterstützen wir beispielsweise auch mit dem DRK krebskranke Kinder aus der Ukraine. Wenn die Not eines anderen bekannt ist, sind die Appener meinen Erfahrungen nach gern bereit, den Betroffenen zu helfen.

Ihre Frau stammt aus der Appener Partnerstadt Neukalen in den neuen Bundesländern. Ist es für Sie deshalb etwas Besonderes, dass in diesem Jahr die Maueröffnung 25 Jahre zurückliegt und das Jubiläum gefeiert wird?
Auf jeden Fall. Aber nicht nur, weil ich sonst meine Frau vermutlich nie kennengelernt hätte. Ich bin in Bitterfeld aufgewachsen und habe miterlebt, wie meine Mutter mit beruflichen Nachteilen leben musste, weil ihre Meinung nicht mit der Parteilinie konform war. Deshalb weiß ich sehr zu schätzen, nun in einer Demokratie zu leben. Hier kriegt man Vielleicht mal Ärger, wenn man seine Meinung sagt. Aber dadurch ist nicht gleich die gesamte Existenz gefährdet. Aus meiner Sicht ist die Wiedervereinigung ein Gewinn für uns alle.

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