zur Navigation springen
Pinneberger Tageblatt

21. Oktober 2017 | 00:30 Uhr

Kreishandwerkerschaft : Wahlen verhageln Bilanz

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Kreishandwerkerschaft: Wegen der Urnengänge in Kommunen und beim Bund blieben viele Aufträge in den Schubladen liegen.

shz.de von
erstellt am 31.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Gute Konjunktur, sprudelnde Steuereinnahmen und eine vergleichsweise niedrige Arbeitslosenquote. Da muss doch auch das Handwerk boomen? „Zumindest für die Kreise Steinburg und Pinneberg können wir das leider nicht nachvollziehen“, zieht Kreishandwerksmeister Helmut Rowedder eine überraschend nüchterne Bilanz des Jahres 2013. In der Kreishandwerkerschaft sind knapp 1000 Betriebe organisiert. Da haben Rowedder und seine Kreisgeschäftsführerin Claudia Mohr den Überblick. Und der fällt unerwartet negativ aus.

Schuld an einer eher schleppenden Auftragslage in vielen Handwerksbranchen sind nach Einschätzung von Rowedder die beiden Wahlen in diesem Jahr. Wegen der Kommunalwahlen im Mai waren viele öffentliche Aufträge ausgeblieben, weil sich die neuen Ortsparlamente über den Sommer erst einmal konstituieren mussten.

Und dann gab es im September die Bundestagswahlen – verbunden ebenfalls mit zeitweiligem Stillstand und einem zunächst unsicheren Ausgang der Koalitionsverhandlungen. Hinzu kommt: Der lange Winter zog sich fast bis in den Mai hinein. „Und jetzt steht wieder ein Winter vor der Tür.“

"Menschen sind oft nicht mehr in die Dorfgemeinschaft eingebunden"

Nach Beobachtung des Handwerks an der Unterelbe bringen auch die anhaltend niedrigen Bauzinsen kaum Aufträge in die hiesigen Betriebe. Zwar werde von der Bevölkerung durchaus in Immobilien investiert. Zumeist würden Neubauten aber von Bauträgern abgewickelt – oft am regionalen Handwerk vorbei. Hinzu komme, dass Häuslebauer vielfach nicht aus der Region kämen. Diese seien dann hier nicht verwurzelt und würden auch nicht die Angebote vor der Haustür nutzen. „Was für uns dann übrig blieb, ist oft nur Flickschusterei“, bedauert Rowedder diese Entwicklung. Mohr pflichtete dem bei: „Die Menschen, die hier bei uns bauen, sind oft nicht mehr in die Dorfgemeinschaft eingebunden.“

Bemerkenswert findet die Kreishandwerkerschaft auch den Umstand, dass immer häufiger Leiharbeitsfirmen hier vorstellig würden und nach Fachkräften in hiesigen Betrieben fragten. Dem regionalen Handwerk komme dies aber auch nicht zugute. Selbst die Boom-Stadt Hamburg habe vor allem für kleinere Betriebe eher Schattenseiten.

Zwar gebe es dort Arbeit und Aufträge, doch wegen der schlechten Verkehrsanbindung gebe es aus dem Pinneberger Raum schon Rückmeldungen, dass dortige Betriebe keine Aufträge mehr annehmen, weil ihre Mitarbeiter auf der Autobahn 23 ewig im Stau stehen.

Vor diesem Hintergrund unterstreicht das Handwerk die Forderung nach einem baldigen Ausbau der Autobahn 20. „Auch bei uns in der Geschäftsstelle liegen dafür die Unterschriftenlisten bereit“, sagte Mohr. Rowedder verspreche sich von einer Elbquerung vor allem für Betriebe im Glückstädter Raum ganz neue Perspektiven. Auch sei Niedersachsen dann für Handwerker aus Steinburg und Pinneberg schnell erreichbar.

Energiewende in der Warteschleife

Auch über die Bundespolitik ist das regionale Handwerk nicht gerade glücklich. So gebe es im Heizungsbau zwar weiterhin eine gute Auftragslage. Insgesamt aber befindet sich, nach Einschätzung von Rowedder, das Thema Energiewende eher in einer Warteschleife. Auch hier hofft das Handwerk für die Zukunft auf mehr Aufträge.

Keine Rolle hingegen spiele die Diskussion um Mindestlöhne. „Das haben wir schon vor Jahren eingeführt. Zum Teil liegen wir bei der Bezahlung unserer Mitarbeiter sogar weit darüber“, so Rowedder. Außerdem, so fügt er hinzu, bekomme man sonst doch auch gar keine öffentlichen Aufträge mehr. Davon betroffen seien in seinem Bereich aktuell nur noch die Gebäudereiniger. „Und die Friseure“, fügte Mohr hinzu.

Beide kritisieren an diesem Beispiel aber auch eine in der Bevölkerung weit verbreitete „Geiz ist geil-Mentalität“. Ihr Credo: Für ordentliche Arbeit müsse eben auch ordentlich bezahlt werden. Dann könne man auch die Mitarbeiter entsprechend honorieren. Mohr forderte: „Der Zoll muss hier auch verstärkt kontrollieren.“ Unterm Strich schlage sich schlechte Bezahlung am Ende auch wieder in den Auftragsbüchern der Handwerker nieder. Rowedder: „Wenn die Menschen kein Geld haben, helfen auch niedrige Zinsen nicht viel.“

Dass die Handwerker am Ende doch optimistisch in die Zukunft blicken, zeigen die Ausbildungszahlen. Stolz berichtete Rowedder, dass erneut knapp 1000 junge Menschen in Lehrstellen untergebracht werden konnten. Die Zahlen seien damit fast unverändert gegenüber den Vorjahren. Zwar gebe es in einigen Bereichen auch unbesetzte Stellen. Das, so Rowedder, liege allerdings in der Regel an der mitunter unzureichenden Qualität der Bewerber. Ihre Ausbildungsbemühungen will die Handwerkerschaft auch im neuen Jahr auf hohem Niveau fortsetzen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen