Bönningstedt : Vortrag: „Resolution gegen IS bewirkt nichts“

SPD-Ortsvereinsvorsitzende Frauke Foth und Parteikollege Axel Graßmann (r.) begrüßen Niels Annen, außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, zum Vortrag in Bönningstedt.
SPD-Ortsvereinsvorsitzende Frauke Foth und Parteikollege Axel Graßmann (r.) begrüßen Niels Annen, außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, zum Vortrag in Bönningstedt.

Niels Annen (SPD) beleuchtet Hintergründe der Krisen im Nahen Osten

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06. Juni 2015, 14:00 Uhr

Bönningstedt | Jede Kommune ist betroffen und sucht nach Unterkünften für Menschen, die ihre Heimat wegen Krieg und Terror verlassen mussten. Doch wie konnte es zu einer solchen Situation kommen? Was sind die Hintergründe? Diesen Fragen ging Niels Annen, außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion am Donnerstagabend in Bönningstedt nach.

„Die heutigen Grenzen von Syrien gehen auf den Vertrag von Versailles zurück“, erklärte Annen. Die teils schnurgeraden Linien zeugten von einer politischen Entscheidung, die ungeachtet der tatsächlichen örtlichen Verhältnisse getroffen worden sei. „Siedlungsgebiete wurden dadurch zerschnitten und Volksstämme geteilt – das führt meist zu Ärger“, erläuterte Annen die Ausgangslage. Die Vielfalt der Völker in Syrien habe zudem dazu geführt, dass immer Minderheiten regierten – und oft alle wichtigen Posten mit Personen der eigenen Herkunft besetzten. „Das führt zu Unzufriedenheit, zu einem Klima des unterdrückten Hasses, der nach den ersten friedlichen Demonstrationen vor knapp fünf Jahren regelrecht explodierte“, führte Annen aus.

Zunächst sei etwa eine Million Menschen innerhalb des Landes von den Kriegsschauplätzen geflohen. „Inzwischen hat der Libanon, der 4,1 Millionen Einwohner hat, etwa 1,5 Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen – das würde unsere Gesellschaft nicht aushalten“, sagte Annen. Eine Million Menschen sei in Flüchtlingslagern in der Türkei, weitere 600.000 in Jordanien untergebracht. „Wir müssen dafür sorgen, dass Jordanien und der Libanon finanziell unterstützt werden, um die Lage für die Flüchtlinge dort erträglich zu machen“, forderte Annen.

Der Kampf gegen den „Islamischen Staat“ (IS) gestalte sich schwierig. „Wir müssen den IS bekämpfen, aber es gibt keine Strategie und wir wissen nur wenig über die inneren Strukturen“, gab Annen zu. Sicher sei indes, dass Resolutionen nichts bewirken werden.

„Klar ist inzwischen, dass zahlreiche lokale Kommandeure des IS Sunniten der ehemaligen Armee von Saddam Hussein sind“, berichtete Annen. Die seien nach der Machtübernahme der Schiiten im Irak offenbar von den Islamisten als Söldner rekrutiert worden.

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