Vorsitz, Schauspiel und Regie

Susanne Brandis bereitet das Theater mit Kindern besondere Freude.
Susanne Brandis bereitet das Theater mit Kindern besondere Freude.

Susanne Brandis bringt sich im Borstel-Hohenradener Theotervereen Bossel-Hogenfidel voll und vielseitig ein

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10. September 2018, 16:22 Uhr

Es begann bei den Vorbereitungen zum Erntedankfest 1979 in Borstel-Hohenraden. Aus einer Laune heraus hatten sechs Mitglieder der Landjugend Borstel-Hohenraden die Idee, in diesem Jahr ein Theaterstück aufzuführen. Nichts Geringeres als das aus dem Ohnsorg-Theater bekannte Stück „Mien Mann de fohrt to See“ sollte es sein. Und siehe da, die Aufführung war nicht nur ein voller Erfolg, es brachte den Darstellern auch so viel Spaß, dass sie sich sofort für ein zweites Stück entschieden. Auch „Ob Düvels Schuuvkoor“ wurde vom Publikum so gut aufgenommen, dass die Akteure beschlossen, Nägel mit Köpfen zu machen. Der Theaterverein „Bossel-Hogenfiedel“ war geboren, der bis heute die Zuschauer begeistert. Für das kommende Jahr bereiten die Laienspieler mit dem Stück „Breakfast Club“ eine Kinderaufführung vor. Der Verein plant bereits sein 40-jähriges Jubiläum.

Zunächst häufig auf fremden Bühnen unterwegs, unter anderem Kummerfeld und Prisdorf, aber auch in Damp 2000 oder in Hamburg für das Unternehmen Unilever, spielt das Ensemble heute in der Sporthalle des Dorfes.

Susanne Brandis, vom Gründer Günther Kuhn als absoluter Quereinsteiger in den Verein geholt worden, hat mittlerweile den Vorsitz des 130 Mitglieder zählenden Vereins übernommen. Sie ist Jahrgang 1972 und wohnt mit ihrem Mann Marcus am Ortsrand des Dorfes. Sohn Moritz und Tochter Janne sind bereits erwachsen, drei Tage in der Woche ist Brandis als Bankangestellte tätig, die knapp bemessene Freizeit neben dem Theater gehört dem Ausgleichssport.

Ein breites Angebot an Aktivitäten, wie Fasching, Sommerausfahrt, plattdeutscher Klönschnack und Weihnachtsfeier, fördern das Vereinsleben und führt Jung und Alt, aktive und passive Mitglieder zusammen. Aber ein Theaterverein braucht hauptsächlich Schauspieler, die sich trauen, den inneren Schweinehund zu besiegen und sich auf die Bühne wagen. „Viele, die wir im Laufe der Zeit gefragt haben, ob sie nicht einmal in einem Stück mitspielen wollen, haben zunächst erschreckt geschaut und mussten überredet werden. Aber nach der Aufführung waren sie, ebenso wie wir, nahezu euphorisch und blieben bei uns“, beschreibt Susanne Brandis den Zauber des Schauspiels, der sich, während sie dies erzählt, auch in ihren leuchtenden Augen und der lebhaften Gestik wiederfindet.

Drei Aufführungen gibt es pro Jahr: Im April ein Stück auf Hochdeutsch, im Herbst auf Plattdeutsch und zu Weihnachten ein Märchen für die Kinder. Brandis ist nicht nur Schauspielerin. Für das Weihnachtsmärchen übernahm sie zusätzlich auch die Regie.

Die Aufgabe als Regisseurin für ein Stück mit Kindern erfordert besonders viel Empathie und noch mehr Erfahrung. Dazu Brandis: „Für Kinder ist es schwieriger, in fremde Rollen zu schlüpfen und Emotionen zu zeigen, die sie ja im Augenblick gar nicht fühlen. Ich gebe ihnen daher Bilder zur Verdeutlichung.“ Damit ist gemeint, dass Kinder das Brüllen vom Löwen lernen und Wut erst dann zeigen, wenn eine Vorstellung ihnen etwas vorgibt. Etwa, dass ihnen jemand das Spielzeug weggenommen hat.

Bislang kann der Verein die Rollen, die ein Skript verlangt, in der Regel auch besetzen. Lediglich die Darsteller zwischen 30 und 40 Jahren sind derzeit ein wenig gering vertreten. Das führt dazu, dass der jugendliche Liebhaber manchmal einfach ein paar Jahre zum gereiften Modell altern muss.

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