Mit Kommentar : Vorschlag: S-Bahn bis Elmshorn im Zehn-Minuten-Takt

Der Verkehrsreferent der Grünen hält zwei zusätzliche Gleise von Elmshorn bis Hamburg für sinnvoll.

Der Verkehrsreferent der Grünen hält zwei zusätzliche Gleise von Elmshorn bis Hamburg für sinnvoll.

Holger Busche, Verkehrsreferent der Grünen, stellt Ideen zur Verbesserung des Schienenverkehrs in Schleswig-Holstein vor.

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22. Oktober 2018, 10:26 Uhr

Kreis Pinneberg | Eine schnelle S-Bahn, die bis Elmshorn im Zehn-Minuten-Takt fährt. Zwei zusätzliche Gleise von Elmshorn bis Hamburg. Und eine Bahnverbindung von Uetersen nach Tornesch. Noch sind es sind nur Vorschläge. Aber deren Umsetzung würde den Nahverkehr im Kreis Pinneberg deutlich attraktiver machen. Vorgelegt hat das Papier, mit dem sich jüngst auch der Verkehrsausschuss des Kreistags befasst hat, Holger Busche, Verkehrsreferent der Landtagsfraktion der Grünen.

Zwei Gleise für den S-Bahnverkehr

Wichtiger Bestandteil des Entwurfs ist der nun auch von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in die Diskussion gebrachte Ausbau der S4 über Hamburg in den Kreis Pinneberg und darüber hinaus:  Als S4-West führe sie, ähnlich wie die Nordbahn heute, ohne Halt bis Pinneberg und dann mit allen Halten zwischen Pinneberg und den Endpunkten. Bis Elmshorn im Zehn-Minuten-Takt, ab Elmshorn mindestens im 30-Minuten-Takt, bei Bedarf auch öfter. Damit erreichen alle Orte der Region umsteigefrei alle wichtigen Halte in Hamburg (Diebsteich, Altona, Innenstadt entlang des City-Tunnel, Hauptbahnhof und Harburg). Für Busche steht fest: Dieser attraktive Takt werde für „erhebliche Fahrgastmengen“ sorgen.  Allerdings benötige ein dichter S-Bahn-Verkehr zwei eigene Gleise. 

Busche schlägt in dem Schriftstück einen Zehn-Minuten-Takt vor. „Wedel hat bereits den Zehn-Minuten-Takt. Für Kaltenkirchen und Ahrensburg werden gerade Investitionen dafür geplant (S4: 1 Milliarde Euro,  S21: 100 Millionen Euro). Gemessen an der Größe und der Entfernung der Städte wäre das für Elmshorn auf jeden Fall gerechtfertigt“, heißt es dort.

Verkehr nimmt ständig zu

Unabhängig von der S4-Idee hält Busche  ein drittes Gleis für dicht getaktete Regional-, Fern- und das Gros der durchfahrenden Güterzüge für notwendig. Mehr noch: Da der Verkehr zwischen Hamburg und seinem Umland ständig zugenommen habe, „könnte ein einzelnes zusätzliches Gleis und zudem beschränkt nur bis Pinneberg bei dessen Realisierung bereits wieder ein Engpass sein“. Der Autor hält deshalb zwei zusätzliche Gleise und zwar von Elmshorn bis Hamburg für sinnvoll.

Ganz oben auf der Vorschlagsliste steht der Bau der vierten Bahnsteigkante im Bahnhof Elmshorn. „Sie sorgt nicht nur für mehr Pünktlichkeit und Kapazität, sondern erleichtert auch das Umsteigen vom und zum Bus. Bisher gibt es am Bahnhof Elmshorn nur drei Gleise.

Warten am Bahnhof Elmshorn.
Archivfoto: Carsten Wittmaack

Warten am Bahnhof Elmshorn.

 

Sie ist daher sinnvoll.“ Ebenfalls positiv  sieht der Verfasser der Studie die Nutzung der Bahnstrecke Uetersen – Tornesch. Er geht von einem „hohen Kundenpotenzial“ aus.  „Aus Sicht des Kreises Pinneberg ist jeder Vorschlag willkommen, der zu verkehrlichen Verbesserungen auf der Strecke Elmshorn - Hamburg führt“, sagte Claudius Mozer, Leiter der Stabsstelle ÖPNV-Management beim Kreis Pinneberg.

Ein derartig dichter S-Bahnverkehr benötigt laut Busche zwei eigene Gleise, auf denen nur sehr geringer und auch der Geschwindigkeit der S-Bahn angepasster Verkehr möglich wäre, zum Beispiel vereinzelte Güterzüge. Die Idee zu einem dritten Gleis zwischen Hamburg und Pinneberg ist mehr als 30 Jahre alt. „Sie stammt bereits aus der Zeit, in der alle Züge des Nahverkehrs in Pinneberg endeten. Dort mussten die Fahrgäste in die S3 nach Hamburg umsteigen“, erinnert der Verfasser. Mittlerweile habe der Verkehr stark zugenommen. Aus Sicht von Busche ist deshalb der Bau sogar zweier zusätzlicher Gleise und zwar von Elmshorn bis nach Hamburg für nötig. Geprüft werden müsse, „mit welchen Maßnahmen die Eingriffe in die Grundstücke der Anwohner sowie den laufenden Schienenverkehr minimiert werden können“.

Personenverkehr zwischen Tornesch und Uetersen

Ein klares Ja des Verkehrsexperten gibt es für die Strecke Tornesch – Uetersen, die derzeit nur für Güterverkehr im Betrieb ist. „Eine Ertüchtigung für die Nutzung im Personenverkehr ist einfach umzusetzen und lässt ein hohes Kundenpotenzial erwarten. Zudem können die dort verkehrenden Busse sich dann auf den innerörtlichen Verkehr konzentrieren und so für eine Vielzahl von Einwohnern ein interessantes Stadtbusangebot erbringen“, heißt es in dem Konzept.

Doch Busche geht noch einen  Schritt weiter: „Über die Funktion als Zubringer zur S4-West könnte das Ziel eine S-Bahn sein, die in Hamburg die Güterumfahrung benutzt, um die nördlichen Stadtteile der Hansestadt zu erreichen. Damit würde die  Flächenwirksamkeit deutlich erhöht, weil für Fahrten aus der Region in den Norden Hamburgs (Tierpark, Gewerbegebiete, City-Nord) erhebliche Fahrzeitgewinne herauszuholen wären. Voraussetzung hierfür wäre aber die weitgehende Befreiung der eingleisigen Strecke von den Güterzügen der Jütlandroute und die Errichtung von Bahnsteigen an den möglichen Verknüpfungspunkten der U2, U1, U3 und S1.

Ob und wieweit die Vorschläge Busches umgesetzt werden, ist völlig offen. Claudius Mozer, Leiter der Stabsstelle ÖPNV-Management beim Kreis Pinneberg, kann sich vorstellen, dass einige der Ideen in die Diskussionen über den neuen  landesweite Nahverkehrsplan (LNVP) einfließen werden.

Neuer Schwung für die Verkehrsdebatte

Kommentar von Bernd Amsberg

Immer mehr Einwohner, überfüllte Züge, lange Staus auf den Autobahnen. Die Verkehrsprobleme werden jedem deutlich, der sich morgens auf den Weg nach Hamburg macht. Seit mehr als 30 Jahren wird gebetsmühlenartig das dritte Gleis zwischen Elmshorn und Pinneberg als Lösung genannt. Getan hat sich nichts.

Doch nun gibt es weitere Ideen: Die Verlängerung der S4 bis Elmshorn. Ein Vorschlag von Bundesverkehrsminister  Andreas Scheuer (CSU).  Jörn Bobzien vom Eisenbahndienstleister Schlünß Eisenbahnlogistik hatte sich vor einigen Wochen für zwei neue  Bahngleise entlang der A7 ausgesprochen. Holger Busche,  Verkehrsreferent der Grünen Landtagsfraktion  bringt außer dem dritten sogar ein viertes Gleis  ins Gespräch.

Manche der Ideen mögen unrealistisch sein. Manche  sogar realitätsfern. Und bei anderen werden bis zur Umsetzung noch  viele Jahre vergehen. Doch eines haben alle  gemeinsam: Sie bringen neuen  Schwung in die Debatte um die Lösung der Verkehrsprobleme  im Kreis Pinneberg. Und das zumindest ist mal eine gute  Nachricht.

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