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Nach Großbrand in Pinneberg : Vorerst kein Abriss der Brandruine

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Nach dem Feuer in der ehemaligen Pinneberger Eggerstedt-Kaserne war die Feuerwehr bis gestern Morgen im Einsatz. Unklarheiten gibt es unterdessen über den Zustand des Gebäudes: Die Kripo hält die alte Unteroffiziersmesse für einsturzgefährdet, die Stadt hingegen nicht.

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erstellt am 15.Okt.2013 | 06:00 Uhr

Am Tag nach dem Feuer in der ehemaligen Pinneberger Eggerstedt-Kaserne lag um die Brandstelle noch der unverwechselbare Geruch von verkohltem Holz in der Luft. Ein großer Teil des Dachstuhls des in den 1930er-Jahren errichteten Gebäudes existiert nicht mehr. Am Sonntag hatten Flammen den T-förmigen Bau zerstört, die Feuerwehr bekämpfte mit mehr als 100 Einsatzkräften das Feuer (wir berichteten).

Zahlreiche Schaulustige wollten sich nicht einmal 24 Stunden später bei schönstem Herbstwetter gestern selbst ein Bild von der Brandruine machen – obwohl das Gelände für die Öffentlichkeit gesperrt ist. In offizieller Mission waren Pinnebergs stellvertretender Bürgermeister Herbert Hoffmann (SPD) und Baumamtsleiter Klaus Stieghorst vor Ort. Die Stadtvertreter begutachteten den Schaden, den der Brand im Unteroffiziersheim hinterlassen hatte.

„Die Flammen haben ganze Arbeit geleistet“, resümierte Hoffmann bei der Begehung. Der 66-Jährige leitet derzeit die Amtsgeschäfte für Urte Steinberg, die sich im Urlaub befindet. Rund eine Stunde nach Alarmierung der Feuerwehr war Hoffmann am Sonntag über den Einsatz informiert worden. Die Freiwillige Feuerwehr betreute die Brandstelle bis gestern Morgen 7 Uhr. „Ein Großteil der Kräfte hat den Einsatzort gegen 23.30 Uhr verlassen“, berichtete der Sprecher der Pinneberger Feuerwehr, Claus Köster, auf Anfrage dieser Zeitung. Eine Brandwache löschte in der Nacht immer wieder kleine Brandnester. „In dem Gebäude muss es bereits eine längere Zeit vor Alarmierung der Einsatzkräfte um 17.17 Uhr gebrannt haben“, sagte Köster. So waren bereits Teile des Dachstuhls eingestürzt, als die Feuerwehr am Sonntagnachmittag eintraf. Danach mussten die Kräfte erst einmal ein zirka 2,5 Kilometer lange Wasserversorgung aufbauen, da die Wasserleitungen, wie berichtet, auf dem Gelände seit Jahren abgedreht sind. „Es dauerte natürlich, bis alle Schläuche lagen“, so Wehrführer Uwe Kuhlmann.

 

Der 62-Jährige betont, dass die Feuerwehr erheblichen Schaden hätte verhindern können, wenn auf dem Gelände eine Wasserversorgung existiert hätte. Doch der bereits vor Jahren gefasste Beschluss der Pinneberger Stadtwerke, die Leitungen stillzulegen, hat Gründe, wie Bauamtsleiter Stieghorst betont: „Ansonsten wären die Leitungen im Winter eingefroren.“ Zudem habe stehendes Wasser zur Folge, dass sich Keime bilden und so das gesamte Wassernetz verseuchen.

Brandstiftung nicht ausgeschlossen

Zur Brandursache wollte sich die Polizei nicht äußern. „Brandstiftung kann nicht ausgeschlossen werden“, sagte gestern Polizeisprecherin Sandra Rüder. Ob die Beamten allerdings in diese Stoßrichtung ermitteln werden, sei laut Rüder derzeit unklar – möglicherweise gingen die Polizisten auch nur der Frage nach, ob es sich um eine schwere Sachbeschädigung gehandelt hat. Dies hinge von der rechtlichen Bewertung ab, wie Peter Müller-Rakow von der Staatsanwaltschaft Itzehoe gestern gegenüber dieser Zeitung erläuterte.

Rüder teilte zudem mit, dass die Kripo die Ermittlungen vorerst ruhen lassen müsse. „Der Brandort ist durch das Feuer stark einsturzgefährdet“, so Rüder. Das sehen die Stadtvertreter allerdings etwas anders. Stieghorst: „Das Gebäude ist nicht einsturzgefährdet, ein Abriss kommt daher nicht in Betracht.“

Die Historie der Pinneberger Kaserne

Im Jahre 1937 wird der Bau einer Kaserne in Pinnebergs Süden beschlossen. Die offizielle Einweihung des Luftwaffen-Standorts folgt am 1. April 1939.  Nach Ende des Zweiten Weltkriegs übernehmen britische Truppen die Eggerstedt-Kaserne und nutzen sie als Auffanglager für  Kriegsgefangene. Nach dem Abzug der Briten dient das Areal Flüchtlingen als Zufluchtsort. Zudem siedeln sich Industriebetriebe an. Auch die Kreisberufsschule sowie eine Volksschule nutzen das Gelände. Zwischen 1947 und 1949 ist Eggerstedt  kurzzeitig  Hochschulstandort. Die Baltische Universität bietet vor allem in Deutschland lebenden Letten die Möglichkeit, ihre akademische Karriere zu verfolgen.

Nach Gründung der Bundeswehr wird die Kaserne 1957 instandgesetzt. Bis 1988 bleibt sie Standort des Luftwaffenausbildungsregiments 1, zweier Bataillonsstäbe und der Standortverwaltung Pinneberg. Am 30.Juni wird das Regiment aufgelöst, in den Folgejahren ist die dritte Lehrgruppe der Unteroffiziersschule der Luftwaffe in Eggerstedt stationiert. Am 25. Juni 2003 folgt der große Zapfenstreich. Seitdem liegt das Gelände weitgehend brach.

 
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