Wohnungen in Kiel, Pinneberg und Elmshorn : Vonovia verdient noch mehr – auf Kosten der Mieter?

Vonovia - der früheren Deutschen Annington - gehören bundesweit knapp 347 000 Wohnungen.
Vonovia - der früheren Deutschen Annington - gehören bundesweit knapp 347 000 Wohnungen.

In Schleswig-Holstein besitzt Deutschlands größter Immobilienkonzern aktuell 19.000 Wohnungen. Bald sollen es noch mehr werden.

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06. März 2018, 17:29 Uhr

Steigende Mieteinnahmen und der Milliarden-Zukauf des österreichischen Konkurrenten Conwert haben für einen Gewinnsprung bei Deutschlands größtem Immobilienkonzern gesorgt. Die positive Bilanz hat Vonovia SE am Dienstag im Rahmen seines aktuellen Geschäftsabschlusses vorgestellt. Bei seinen Mietern kommt Vonovia währenddessen nicht immer so positiv weg.

So geriet der Konzern im Herbst in Elmshorn (Kreis Pinneberg) mit den Horror-Hochhäusern in die Schlagzeilen. Erst hatten die Bewohner an der Beethovenstraße über zehn Wochen lang keine Heizung. Als die Wohnungen dann kurz vor Weihnachten wieder warm wurden, fiel der Fahrstuhl aus. Dazu sorgten Schimmel und vernachlässigte Reparaturen für Ärger und Frust bei den Mietern. Und Ende Dezember kam dann auch noch eine Mieterhöhung. Dennoch: Zur aktuellen Situation sagt Bewohner Michael Kurzhals, dass er und andere Mieter nun in der Beethovenstraße zufrieden seien. „Es hat sich sehr viel zum Positiven gewandelt“,  berichtete er am Dienstag gegenüber shz.de. „Vonovia hat sich da jetzt richtig ins Zeug gelegt.“ Auch sei seine Mietkürzung wegen des Heizungsausfalls im November und Dezember 2017 genehmigt worden.

Die Hochhäuser von Vonovia in der Beethovenstraße in Elmshorn.
Cornelia Sprenger
Die Hochhäuser von Vonovia in der Beethovenstraße in Elmshorn.
 

Anders ist die Situation in Pinneberg. Dort gehören dem Vonovia-Konzern ebenfalls Immobilien, unter anderem ein Hochhaus am Hindenburgdamm. Ein Anwohner, der anonym bleiben möchte (der Name ist shz.de bekannt), fühlt sich als Mieter von Vonovia völlig vernachlässigt. „Unser Haus ist im Moment dreckig und versifft“, wettert er. In dem Wohnhaus würden Rohre aus den Wänden stehen, dringende Reparaturarbeiten seien versäumt worden. „Bis etwas passiert, braucht es ewig", sagt der Anwohner. Was dafür umso schneller ginge, das seien die Mieterhöhungen. Die nächste stehe zum 1. April an. Begründet habe Vonovia das mit Sanierungsarbeiten sowie mit der nahen Lage zu Hamburg.

Der Fahrstuhl in dem Pinneberger Hochhaus am Hindenburgdamm, aufgenommen im Januar.
Felisa Kowalewski

Der Fahrstuhl in dem Pinneberger Hochhaus am Hindenburgdamm, aufgenommen im Januar.

 

Geht die Gewinnsteigerung von Vonovia am Ende auf Kosten der Mieter? Nein, sagt Vonovia-Pressesprecherin Nina Henkel. „Mieterzufriedenheit ist für uns sehr relevant“, betont sie. Der Vorfall in Elmshorn habe technische Hintergründe gehabt und sei mittlerweile behoben. Generell seien die Mieter bei Unzufriedenheit aufgerufen sich zu melden. „Wir bemühen uns dann das zu korrigieren und kümmern uns darum“, verspricht Henkel. Die Gewinnsteigerung des Konzerns sei darüber hinaus auf gestiegene Effizienzen und Finanzierungen sowie auf Zusatzleistungen zurückzuführen. Zusatzleistungen seien freiwillige Leistungen, die die Mieter bei Vonovia kaufen könnten. Henkel nennt Sicherheitstüren, Küchen und Badsanierungen als Beispiele.

Bald 36.000 Wohnungen in SH

Bundesweit gehören Vonovia knapp 347.000 Wohnungen. 19.000 davon befinden sich in Schleswig-Holstein. Bald sollen es noch mehr werden: Der Immobilienkonzern steht derzeit in Verhandlungen mit dem österreichischen Wohnungsunternehmen Buwog AG. Letzteres verwaltet in Schleswig-Holstein 17.000 Wohnungen. Vonovia würde bei einer Übernahme im Norden auf 36.000 Wohnungen anwachsen. Und weil Vonovia bisher stets auf Zentralisierung setzte, sind die Mitarbeiter der Buwog AG besorgt um ihre Arbeitsplätze. In Schleswig-Holstein könnten davon bis zu 250 Mitarbeiter betroffen sein – in Kiel, Lübeck sowie an mehreren kleineren Standorten im Land.

Die Verhandlungen zwischen Vonovia und Buwog laufen seit dem 5. Februar. Vonovia-Chef Rolf Buch zeigt sich nach aktuellem Stand „sehr optimistisch“ gegenüber der Übernahme. Das berichtet am Dienstag das österreichische Wirtschaftsmagazin trend.

Was passiert im Falle einer Übernahme mit den 250 Mitarbeitern der Buwog in Schleswig-Holstein? Dazu möchte sich Vonovia-Pressesprecherin Henkel nicht äußern, da die Übernahme noch nicht abgeschlossen sei. „Das ist zum jetzigen Zeitpunkt zu früh – das Angebot läuft schließlich noch bis Ende nächster Woche“, sagt die Sprecherin gegenüber shz.de.

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