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Serie: Unser Glaube : Von Wundern, Heilung und Ekstase

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Fernsehgottesdienst im ZDF am 8. März: Die 185 Mitglieder der Pfingstgemeinden im Kreis Pinneberg kommen auf den TV-Bildschirm.

shz.de von
erstellt am 25.Feb.2015 | 14:30 Uhr

In dieser Serie stellt Ihnen die Redaktion Ihrer Zeitung jeden Mittwoch eine Glaubensgemeinschaft in der Region Pinneberg vor.

Die Vorbereitungen für die Live-Übertragung des ZDF-Fernsehgottesdienstes aus der Elmshorner Pfingstgemeinde Christus Zentrum Arche in der Lornsenstraße am 8. März laufen auf Hochtouren. Zum zweiten Mal wird die evangelisch-pfingstliche Freikirche mit ihren 170 Mitgliedern auf dem Fernsehbildschirm zu sehen sein.

„Wir sind als Gemeinde nicht unbekannt, haben eine sehr starke Gospelmusik in der Kirche“, verdeutlicht der Elmshorner Pastor Hans-Peter Mumssen (61). Monate im Voraus starteten die Planungen. „Ein Drehbuch wurde geschrieben, in dem alle Lied- und Wortbeiträge genau festgehalten wurden. Ein mehrtägiges Kameratraining in Berlin, viele Besprechungen und Besichtigungstermine standen bereits an“, so Mumssen. Live ist die Gemeinde am 8. März ab 9.30 Uhr in Aktion.

Mit dabei sein werden dann auch die 15 Mitglieder der Pinneberger Pfingstgemeinde, die seit Herbst 2014 organisatorisch zum Christus-Zentrum Arche in Elmshorn gehört. Zuvor war sie an die Hamburger Elim-Gemeinde angeschlossen. Man habe jedoch erkannt, „dass auf dem Land Gemeinde anders gelebt wird als in der Großstadt“, so Jens Meier (50), Leiter und Laienprediger der Pinneberger Gemeinde. Beide Gemeinden gehören zum Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP), der in Deutschland 48  988 Mitglieder hat. Gottesdienstbesucher werden nach BFP-Angaben weitaus mehr gezählt. Finanziert werden die Kirchen und Pastoren durch freiwillige Spenden.

„Die Pfingstbewegung hatte ihren Ursprung darin, dass Menschen davon ausgehen, dass heute noch Wunder geschehen können, Kranke geheilt werden können“, erklärt Meier. „Es ist eine Strömung, die sich durch alle Kirchen gezogen hat.“ Mumssen ergänzt: „Eine Sache, die auffällig ist: Ab und zu beten und singen die Mitglieder in Sprachen, die ihnen direkt durch den heiligen Geist eingegeben wurden und die sie gar nicht verstehen.“ Er verdeutlicht: „Das ist ein Phänomen, aber nicht unser Ziel.“ Mumssen und Meier haben es beide bereits erlebt, wie sie sagen. „Da entstehen Situationen, auf die man keinen Einfluss hat. Gott hat seine Hand mit im Spiel. Es gibt Gewissheit, dass Gott da ist, lebendig ist“ , so Mumssen.

Als „Verrückte, Fanatiker und Lügner“ hätten die Zeitungen die ersten Pfingstler 1906 in Los Angeles bezeichnet, so heißt es auf der Homepage des Bunds Freikirchlicher Pfingstgemeinden. Dabei hätten sie eigentlich nur eins gewollt: Gott erleben.

„Gott hat sie so stark berührt, dass sie plötzlich total begeistert waren“, so Mumssen. „Die Gottesdienstform ändert sich. Man singt schwungvolle Lieder. Da ist eine Funk-Band angebracht, frische Musik, Gospel“, verdeutlicht er. Seit 1954 sind die Pfingstler in Pinneberg aktiv, seit 1959 in Elmshorn.

Weltweite christliche Erweckungs- und Missionsbewegung

Laut der evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen ist die Pfingstbewegung eine weltweite christliche Erweckungs- und Missionsbewegung, in der sich göttliche Kraft in enthusiastischen Erfahrungen manifestiert, die den Bereich des Rationalen übersteigen und als „übernatürlich“ und wunderbar erlebt werde. Sie zeichne sich durch starken missionarischen Antrieb aus. Das Bibelverständnis der Pfingstler sei meist fundamentalistisch ausgerichtet im Sinne einer Orientierung an der Unfehlbarkeit der Heiligen Schrift.

„Eigentlich leben wir in großer Freiheit, die uns Gott gibt. Natürlich gibt es durch die Bibel Maßstäbe, wie wir miteinander umgehen. Die Triebfeder ist aber nicht Gottes Zeigefinger, sondern seine Liebe und Vergebung“, so Meier. „Es gibt keine Oberaufseher, die darauf achten, dass alle schön brav sind. Aber es geht uns darum, etwas zu tun, was gut für mich ist als auch für die Menschen, die mit mir zusammen sind.“ Die Pfingstler wollen unter Beachtung der zehn Gebote weg von menschlichen Egotrips. Auch deshalb gründete das Christus Zentrum Arche beispielsweise 1998 die Elmshorner Tafel.

Neben den sonntäglichen Gottesdiensten um 10 Uhr in der Lornsenstraße in Elmshorn und um 10.30 Uhr in der Richard-Köhn-Straße in Pinneberg, gibt es unter der Woche Hausgruppen, in denen die Mitglieder über die Predigt sprechen, beten, Lieder singen. „Uns ist es wichtig, dass es nicht so anonym ist“, so Mumssen. „Wir haben kein zentriertes Pastoralverständnis. Die Mitglieder besuchen sich, beten füreinander, besuchen Erkrankte.“ Auch an der Gottesdienst-Gestaltung seien die Gemeindemitglieder beteiligt – Männer und Frauen auf allen Ebenen gleichberechtigt. Parallel zu den Gottesdiensten gibt es im Elmshorner Christus Zentrum Arche Kindergruppen Ralf Martens (49), Ältester der Pinneberger Gemeinde, ergänzt zu den Aktivitäten des BFP: „Wir haben auch eine große Pfadfinderarbeit.“

Vom Taufverständnis her Baptisten

Die Pfingstler sind von ihrem Taufverständnis her Baptisten, bei denen es die Glaubenstaufe gibt. „Das kann nicht im Säuglingsalter geschehen“, so Mumssen. „In Elmshorn haben wir ein großes Taufbecken, in dem die Menschen untergetaucht werden.“ Er habe auch ein Gemeindemitglied auf einer Israel-Reise im Jordan getauft.

Zum Bild der Sexualethik sagt Mumssen: „Gott hat die Ehe zwischen Mann und Frau als Ort gelebter Sexualität geschaffen, in der Kinder entstehen, ein Ort der Treue.“ Zum Thema Homosexualität sagt er: „Die Mitgliedschaft in einer von unseren Gemeinden wird nicht von der persönlichen sexuellen Disposition eines Menschen abhängig gemacht.“ Er verdeutlicht: „Wenn ein Mensch an Jesus Christus glaubt, bedeutet das nach unserem Verständnis, dass er sich an Jesus Christus orientiert.“ Jeder Mensch sei in den Pfingstgemeinden willkommen. Jeder könne auch jederzeit austreten.

Die Bezeichnungen Pfingstler, Pfingstkirche, Pfingstbewegung weisen auf das Pfingstfest hin, das an die im Neuen Testament berichtete Ausgießung des Heiligen Geistes in der Jerusalemer Urgemeinde erinnert. Als theologischer Begründer der Pfingstbewegung gilt Charles Fox Parham, der 1901 in seiner Bibelschule in Topeka eine Lehre der Zungenrede entwickelte und sie als  Beweis für den Empfang einer Taufe mit dem Heiligen Geist deutete. Den wesentlichen Impuls gab das Azusa Street Revival in Los Angeles unter der Leitung des Parham-Schülers und schwarzen Heiligungspredigers William J. Seymour. Am 14. April 1906 kündigte er in einer Predigt ein Zorngericht Gottes an, das die Erde erbeben lassen würde. Als vier Tage später San Francisco durch ein starkes Erdbeben fast völlig zerstört wurde, gewann Seymours Gemeinde in der Azusa Street Popularität. Der Startschuss für die weltweite Ausbreitung der Pfingstler war gefallen.
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