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Pinneberger Tageblatt

19. August 2017 | 00:28 Uhr

Mit dem Rad : Von Tangstedt zum Nordkap

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Reiner Wulf (73) trotzt Dauerregen und Kälte.

Tangstedt | Braun gebrannt und gut gelaunt sitzt Reiner Wulf am Wohnzimmertisch in Tangstedt. Vor wenigen Tagen flog der 73-Jährige mit seinem Fahrrad im Gepäck zurück nach Deutschland, nachdem er vier Wochen zuvor in Tangstedt aufgebrochen war, um ans Nordkap zu fahren. „Nein, ein Lebenstraum war das nicht“, versichert er. Seitdem er vor 14 Jahren in den Ruhestand ging, sei das Radfahren vielmehr Therapie für seine kaputten Knie gewesen.

Der ersten größeren Tour mit der Familie von Passau nach Wien an der Donau entlang folgten weitere. Und dann reifte in Wulf die Idee, ans Nordkap zu radeln. Am 7. Juli machte er sich auf den Weg. Bepackt mit Zelt, Schlafsack, Kleidung und Straßenkarten.

Die Route, die ihn durch Schweden führte, hatte Wulf mit Hilfe des Internets ausgearbeitet. „Ruhetage hatte ich nicht eingeplant, aber kürzere Strecken an manchen Tagen“, erklärt der 73-Jährige. Durchschnittlich 100 Kilometer am Tag sei er gefahren.

Die Steigungen und Gefälle auf der Strecke: Kein Problem für ihn. Wohl aber ständiger Regen – und das Schlafen auf dem Zeltfußboden. „Das war nach kürzester Zeit alles feucht und obendrein unbequem“, berichtet Wulf. Also änderte er kurzerhand seine Pläne und übernachtete fortan in kleinen Ferienhäusern, die in Schweden Stuga genannt werden. „Die gibt es auf fast jedem Campingplatz und sie sind günstig“, stellte er schnell fest.

Grenzerfahrungen im Regen

Dennoch sei er nach zehn Tagen an seine Grenzen gekommen und kurz davor gewesen, aufzugeben. „Die Temperaturen zwischen 14 und 17 Grad waren zwar perfekt zum Radeln – nur der ständige Regen war anstrengend. Zwei Mal musste ich unterwegs abbrechen und nach einer Unterkunft suchen“, sagt Wulf.

Doch auch, als er daran zweifelte, sein Ziel zu erreichen während er zwei Stunden lang an einem Supermarkt darauf wartete, dass der Regen nachlässt, fuhr er weiter. „Durch Nieselregen bergauf und dann durch einen Canyon bergab“, beschreibt Wulf. Aus seinem schlimmsten Tag wurde plötzlich der Beste: „Es war, als ob ich in eine andere Welt hinein fahre – plötzlich war das Wetter schön, die Landschaft sah aus wie in Bayern, das war traumhaft“, sagt Wulf.

Die Ankunft in Honningsvag allerdings sei eher deprimierend gewesen. „Es regnete, von der Sonne keine Spur“, berichtet Wulf. Dennoch sei er aufgebrochen, um die Spitze des Nordkaps zu erklimmen. „Nach einem Kilometer Regen bin ich umgekehrt“, sagt Wulf. Doch am nächsten Morgen sei es zwar neblig, aber trocken gewesen. „Am Panoramafenster habe ich mir ein wunderbares Frühstück gegönnt und sogar ganz kurz die Sonne und das Meer gesehen“, schwärmt der Radler. Da habe die Enttäuschung über die verregnete Tour nachgelassen. „Das Ziel war, anzukommen. Alles andere wäre eine Zugabe gewesen“, bekräftigt Wulf.

Die hatte er in anderen Formen: Zahlreiche nette Begegnungen mit anderen Rad- und Motorradfahrern oder mit zahlreichen Rentieren etwa. „Und der Moment, als plötzlich zwei Elche mitten auf der Straße standen“, sagt Wulf. Sofort zückte er sein Handy und schickte er das Bild binnen Sekunden an seine Familie. Die wiederum unterstützte ihn mit vielen aufmunternden Kommentaren. „Alle haben mitgefiebert und mir die Daumen gedrückt, das war toll“, bedankt sich Wulf.

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erstellt am 13.Aug.2015 | 16:15 Uhr

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