Von Sprach-Barrieren und Kunst-Träumen

Omar Suleiman zeigte im Rathaus seine Kunst aus Bagdad.
Omar Suleiman zeigte im Rathaus seine Kunst aus Bagdad.

Nach seinem Kunststudium in Bagdad hofft der Iraker Omar Suleiman, in Deutschland beruflich Fuß fassen zu können

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09. Oktober 2019, 16:29 Uhr

Schenefeld | Die Fotos auf seinem Handy bedeuten Omar Suleiman viel. Sie zeigen den jungen Mann in seinem Geschäft in Badgad. Auch zahlreiche seiner Skulpturen und Bilder sind zu sehen. Mit seiner kaufmännischen Tätigkeit hat sich der 34-Jährige in Bagdad sein Kunststudium finanziert. Der Neu-Schenefelder zeigt ein Originalbild und Fotos seiner in der Heimat verbliebenen Skulpturen.

Der Iraker studierte von 2012 bis 2015 in Bagdad Kunst. „Ich würde hier auch gern als Künstler arbeiten“, sagt Suleiman. Derzeit besucht er noch einen Sprachkursus in Pinneberg. Sollte das mit der Kunst danach nicht klappen, könne er sich vorstellen, wieder im kaufmännischen Bereich zu arbeiten. Doch derzeit ist er vor allem damit beschäftigt sprachliche Barrieren, aber auch Gefühle wie Heimweh, zu überwinden. In Bagdad pulsiere auf den Straßen nachts das Leben. „Es ist üblich, noch um 24 Uhr in den Coffee Shop zu gehen“, berichtet er.

Suleimans Muttersprache ist Kurdisch. Des Weiteren spricht er Arabisch und ein wenig Persisch. „Es fällt mir nicht leicht, die deutsche Sprache zu erlernen, wenn ich in der Unterkunft im Osterbrooksweg bin“, gesteht der 34-Jährige. Deutsch lernen sei die schwierigste Herausforderung, der er sich zu stellen habe. Die Besuche im Willkommencafé im Juks helfen ihm, sich besser auszudrücken.

Bereits seit vier Jahren lebt Suleiman in der Düpenaustadt. Er kam alleine. Eine Schwester und sein Vater sind noch in Bagdad. Eine weitere Schwester lebt in Göteborg. „Ich habe in Schenefeld sehr nette Menschen im Sprachcafé, in der Kleiderkammer und in der Fahrradwerkstatt kennen gelernt“, erzählt der Künstler. Im von Martje Lott initiierten Blau-Weiß-Kursus hat er sogar das Schwimmen gelernt.

Das Zusammenleben der Kulturen am Osterbrooksweg gestalte sich angenehm. Maurice Mwizerwa, der neue Flüchtlingskoordinator der Stadt sei hilfsbereit, schaue regelmäßig vorbei und setze sich engagiert für die geflüchteten Menschen ein, berichtet Suleiman. Doch er bedauert, im Container nicht viel Platz für seine Kunst zu haben.

Für seine Arbeiten bevorzugt der Künstler verschiedene Techniken. Acrylmalerei, Farbgieß-Arbeiten, Skulpturen aus Gips und abstrakte Kunstwerke, gefertigt aus Steinen, gehören zu seinem Spektrum. Inspiration holt er sich aus den Werken von Leonardo da Vinci und Rembrandt Bugatti.

Der Neu-Schenefelder ist gespannt, was die Zukunft bringt. Er hofft, die deutsche Sprache bald zu beherrschen und hier beruflich Fuß zu fassen. Eine erste Chance dazu bekam er am Tag des Flüchtlings. Dort konnte er seine Arbeiten präsentieren: „Ich bin froh, Werke von mir im Rathaus ausgestellt zu haben.“ Außerdem zeigte er diverse Fotos seiner Arbeit im Irak.

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