zur Navigation springen
Pinneberger Tageblatt

18. Dezember 2017 | 14:02 Uhr

Von Schuluniformen, Schauspiel und Gott

vom

shz.de von
erstellt am 13.Aug.2013 | 01:14 Uhr

KREIS PINNEBERG | Blaue Schuluniformen tragen, christliche Lieder zum Schulbeginn singen, Zeugnisse ohne Noten bekommen oder nach den Konzepten von Maria Montessori und Rudolf Steiner lernen: An den fünf Schulen in freier Trägerschaft im Kreis Pinneberg läuft vieles ein bisschen anders als an staatlichen Schulen. Und die freien Schulen haben Zulauf. Mehr als 1700 Schüler im Kreis Pinneberg gehen auf Privatschulen, die wie mittelständische Betriebe rechnen und Lehrer als Angestellte beschäftigen. Eltern müssen dafür Schulgeld von mehr als 100 Euro pro Monat zahlen. Was ihre Kinder dafür bekommen, erklären die Schulleiter der Lehreinrichtungen.

Mit 999 Schülern aus 40 Nationen ist die Elmshorner Leibniz Schule die größte Privatschule im Kreis. "Das war nicht von Anfang an so geplant. Wir sind von der Nachfrage überrannt worden. Wir müssen Eltern abweisen, weil wir nicht genug Platz haben", sagt Schulleiterin und Gründerin Barbara Manke-Boesten. Mit 112 Kindern öffnete die Schule 2006 ihre Tore. 2012 kam der große Neubau. 2008 eröffnete eine zweite Leibniz Privatschule in Bad Bramstedt mit 415 Schülern. "Wir sind mit Millionen in Vorleistung gegangen. Aber daran, dass es funktioniert, habe ich nie gezweifelt", so Manke-Boesten. Das Konzept der Schule besteht aus den sieben Säulen Begabtenförderung, Immersionsenglisch - Unterricht ab Jahrgangsstufe eins wird überwiegend in englischer Sprache erteilt -, täglicher Sport, Wirtschaftslehre, Naturwissenschaft, mediale Kompetenz und Wertevermittlung.

"Wissen ist Macht. Wir wollen, dass die Schüler erfolgreich und viel lernen", sagt Manke-Boesten. In blauer Schulkleidung werden die Schüler unterrichtet. Ein wöchentlicher "Jacket-Tag", bei dem die Jugendlichen mit "Schlips und Kragen" erscheinen müssen, soll sie aufs spätere Berufsleben vorbereiten. "Wir haben keine Kinder aus bildungsfernen Familien, da den Eltern, die sich für diese Schule interessieren, Bildung wichtig ist", so Manke-Boesten. Mit Geld habe das weniger zu tun. Es sei auch die alleinerziehende Kassiererin, die ihre Kinder auf die Leibnizschule schicke.

Und wer geht auf die Schülerschule in Waldenau? "Eltern, die für ihre Kinder ein fröhliches lernen ohne Druck möchten, die ihre Kinder zart oder besonders finden oder deren Kinder einen besonderen Förderbedarf brauchen", sagt Bettina Plenz vom dreiköpfigen Schulleitungsteam. Sitzenbleiben gibt es nicht, Schulnoten erst ab Klasse neun und keinen Zwang, einen bestimmten Abschluss zu erreichen.

Pro Klasse werden vier Förderkinder aufgenommen und auch nach der vierten Klasse gemeinsam mit Gymnasialkindern unterrichtet. Auch Kinder mit und ohne Behinderungen lernen bis Klasse zehn zusammen. "Es ist förderlich, eine große Bandbreite von Menschen in der Klasse zu erleben", sagt Schulleiter Jürgen Braun. "Ein elitärer Gedanke liegt uns fern" Plenz ergänzt: "Die Nachfrage ist größer als die Kapazität." Auf 22 Plätze gebe es bis zu 80 Bewerber. Was die Schüler mitnehmen sollen: Stabil und selbstbewusst den Weg ins berufliche und gesellschaftliche Leben finden, Stärken nutzen, Schwächen sehen und damit auch umgehen.

An der Elmshorner Waldorfschule wird den Ideen Rudolf Steiners gefolgt. "Im Kern steht das Kind, die Erziehung und Entwicklung. Dabei geht es nicht ums Einimpfen um jeden Preis", erklärt Schulleiter Winfried Scheunemann. Das Verhältnis von Lehrer und Schüler sei sehr vertraut. "Wir wollen wissen, was im Kind innerlich lebt und was im Elternhaus lebt, um jedes Kind individuell zu sehen und bei Problemen aufzufangen." Eine eigene Schulärztin werde beschäftigt. Lehrer seien in der Oberstufe Begleiter der Schüler. Selbstbewusstsein durchs Agieren auf der Bühne erlangen gehört zu einem der Ziele der Schule mit starker musischer und künstlerischer Ausrichtung. Alle Abschlüsse bis zum Abitur sind möglich. Die Eltern: "Polizeibeamten, Tischler, Akademiker, wir unterscheiden nicht," so Scheunemann. In diesem Jahr seien die Schülerzahlen nach Angaben von Geschäftsführer Nils Holthusen allerdings von durchschnittlich bis zu 450 auf 420 Schüler gesunken.

Auch das pädagogische Bildungskonzept Konzept Maria Montessoris "Hilf mir, es selbst zu tun" ist im Kreis durch die christliche Johanniter-Grundschule in Quickborn vertreten. "Das Kind als Baumeister seiner selbst entscheidet nach Anregungen des Lehrers, was es lernen will nach seiner Geschwindigkeit. Der Lehrer passt auf, dass alle auf der Straße bleiben und ihr Ziel erreichen", erklärt der Schulleiter Alexander Delport das Konzept. Die Schule sei offen für alle, wenngleich die Teilnahme am Religionsunterricht verpflichtend ist, so Delport. Derzeit seien die Kapazitäten in der "Interrimsschule" begrenzt. Nach neuen Räumen werde derzeit gesucht.

Die jüngste Privatschule im Kreis, die christliche Grundschule Next in Elmshorn, startete 2012 mit neun Kindern. Jetzt sind es 21 Schüler in Klasse eins und zwei. Eine pädagogische Assistentin begleite den Unterricht zusätzlich zur Lehrerin. In einem ehemaligen Bürogebäude haben sich Geschäftsführerin Maike Lohse und ihr Team eingerichtet, um Werte auf Basis des christlichen Menschenbildes zu vermitteln.

"Wir glauben an Gott, aber wollen die Kinder nicht bedrängen, sich zum selbstständigen Denken erziehen", so Lohse. Biblische Geschichten, Gebete und christliche Lieder gehören zum Schulalltag. Offen sei die Schule für alle, auch ein Kind aus einer teils muslimischen Familie sei dabei. "Einige Eltern haben ihre Kinder speziell wegen des christlichen Hintergrunds angemeldet." Anderen gehe es um die Bildung. Auch auf das Training von Sozialkompetenz wie Hilfsbereitschaft und Mitgefühl werde Wert gelegt. "Mir ist wichtig, dass etwas vermittelt wird, das später auch im Berufsleben wichtig ist", so die ehemalige Personalleiterin Lohse. Freies Sprechen gehöre dazu. Die Schule sei aus Idealismus gegründet worden. "Wünschenswert wäre es, eine weiterführende Schule aufzubauen, aber das ist erstmal Zukunftsmusik."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen