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Pinneberger Tageblatt

21. November 2017 | 01:54 Uhr

Von Pinneberg auf die große Bühne

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Interview Der Gründer der Norddeutschen Musical Akademie spricht unter anderem über die Ausbildung an seiner Institution

Arnfried Oprotkowitz ist Gründer und Direktor der neugegründeten Norddeutschen Musical Akademie. Als Vorsitzender der Pinneberger Musical Company organisiert der
40-Jährige ebenfalls schon seit 1999 Musicalaufführungen in der Kreisstadt. Im Gespräch mit unserer Zeitung spricht der Pinneberger über die Ausbildung zum Musicaldarsteller und die ersten Unterrichtsstunden an der Norddeutschen Musical Akademie.


Frage:Anfang Oktober hat die Akademie ihren Betrieb aufgenommen. Wie liefen die ersten Tage?
Arnfried Oprotkowitz: Am 4. Oktober haben wir angefangen und natürlich war es erstmal spannend für die Schüler, alles neu kennenzulernen. Es musste sich erstmal alles einspielen, wie das mit dem Stundenplan und den Dozenten ist. Auch für die Dozenten ist ja erstmal alles neu. Es mussten viele Sachen das erste Mal gemacht werden, aber ich denke wir haben einen sehr guten Start hingelegt.


Gab es dabei auch noch die ein oder andere Schwierigkeit?
Wirkliche Schwierigkeiten gab es in dem Sinne erstmal nicht. Wir nutzen die Räumlichkeiten des VfL Pinnebergs und müssen deshalb natürlich auch auf andere Rücksicht nehmen. Einmal waren wir ein bisschen zu laut mit unserer Musik und mussten die Unterrichtsstunde um eine halbe Stunde verschieben. An so ein paar Abstimmungsdingen muss man natürlich immer arbeiten.

Wieviel Schüler sind im ersten Jahr dabei?
Es sind sechs Schüler angemeldet. Da zwei noch nachkommen, sind wir momentan vier. Eine Schülerin kommt in den nächsten Tagen aus Südkorea und die andere Schülerin muss noch ihre Bachelorarbeit zu Ende schreiben und ist ab Ende des Monats fest dabei.


War das auch die Anzahl an Schülern, mit der sie gerechnet haben?
Sechs ist ungefähr das, was ich mir für den Anfang vorgestellt habe. Auch in Zukunft soll es so sein, dass wir pro Jahrgang dann nicht mehr als zehn Schüler haben. Es geht um die Qualität und nicht darum, dass man so viele Leute wie möglich durchschleust. Bei dieser kleinen Anzahl kann man sich individuell um den Einzelnen kümmern, was in größeren Gruppen nicht möglich wäre.


Wo kommen die Schüler her?
Die meisten Schüler kommen zurzeit noch aus Norddeutschland, also Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen. Die Südkoreanerin kam über die Verbindungen zu unserem Dozenten Yong Ho Choi. Er selbst ist ein Bariton und singt an der Oper in Lübeck. Zudem hegt er einen engen Austausch mit Studenten aus Südostasien und ermöglicht ihnen, auch hier in Deutschland an einer Musical-Schule unterrichtet zu werden. Die Schüler werden zum Teil dann zusätzlich noch in Korea unterrichtet, aber es ist für sie natürlich interessant, in Europa Erfahrungen zu sammeln.

Wie viele Dozenten gibt es an der Musical Akademie?
Wir können insgesamt auf zehn Dozenten zurückgreifen. Allerdings sind wir zurzeit im laufenden Betrieb nur fünf. Da unsere Dozenten noch auf professionellen Bühnen zu tun haben, kann es immer mal sein, dass einer kurzfristig ein Engagement hat. Beispielsweise war unser Schauspiel-Dozent vorletzte Woche noch in Stuttgart, wo er beim Musical „Bodyguard“ die Darsteller coachen musste. Unsere Tanzlehrerin Anna Wrobel hat immer wieder Auftritte bei der AIDA oder spielt selbst in Musicals mit. Durch den Stamm von zehn Dozenten gibt es aber auch immer jemanden, der dann einspringen kann.

Was für einen Background haben die Dozenten?
Das sind durchweg Profis. Anna Wrobel ist zum Beispiel Ballettmeisterin und professionelle Choreographin. Sie hat an der ukrainischen Kulturakademie studiert und dann als Tänzerin bei der Aida Cruises getanzt. Auch vorher hat sie an anderen Musical-Schulen unterrichtet. Mehrere unserer Dozenten haben vorher an der zu Stage Entertainment gehörenden Joop van Ende Akademie in Hamburg unterrichtet, wie zum Beispiel James Mironchik, der darüber hinaus einige Jahre in New York am Broadway tätig war.


Was mussten Sie machen, um als Ausbildungsstätte anerkannt zu werden?
Man muss das komplette Unterrichtskonzept beim Bildungsministerium vorlegen. Da es aber keine Vorschriften gibt, wie Musical-Schulen aufgebaut sein müssen, prüft das Bildungsministerium nach bestem Wissen und Gewissen. Das heißt unser Lehrplan wurde geprüft und auch mit staatlichen Schulen verglichen. Dadurch, dass die Dozenten diese Qualität mitbringen und der Lehrplan auch pädagogisch nachvollziehbar war, haben wir die Genehmigung erhalten. Dazu kommt noch, dass wir über
30 Wochenstunden im Lehrplan stehen haben und dadurch auch die Schüler, die berufsschulpflichtig sind, gemäß der Vorgabe vom Bildungsministerium, bei uns unterrichtet werden können.

Wie versuchen Sie den Schülern in einer so praxisnahen Ausbildung auch theoretische Inhalte zu vermitteln?
Wir wollen eben auch in theoretischen Fächern nicht reinen Frontalunterricht machen. Auch in dem Fach Musiktheorie arbeitet unser Gesangsdozent mit den Schülern am Klavier. Natürlich gehört es auch dazu, Sachen mitzuschreiben, aber wir wollen diese Inhalte anschaulich vermitteln. In der Phonetik, wo man lernt, wie man richtig atmet und sauber spricht, liegt man zum Beispiel auch mal auf dem Boden. Ich nenne das im Endeffekt praktischen Theorieunterricht.


Wie sehen die Abschlussprüfungen dann aus?
Es gibt jedes Jahr eine Endjahresprüfung, in der die Leistungen der Schüler dann in Gesang, Tanz und Schauspiel geprüft werden. Nach dem dritten Jahr gibt es dann die Abschlussprüfung, in der die gesamten Kenntnisse und Fähigkeiten der Ausbildung in diesen drei Bereichen nochmals abschließend geprüft und bewertet werden. Unbenotet, aber dennoch ein wichtiges Ziel, ist es, dass die Schüler, die hier unterrichtet werden, auch charakterlich wachsen. Das Talent zu besitzen ist eine Sache, aber um auf dem Markt zu bestehen, muss man von der Persönlichkeit her auch gefestigt sein und das wollen wir den Schülern mit auf den Weg geben.

Es gibt vermutlich auch nur wenige feste Jobs in der Musicalbranche.
Genau darauf bereiten wir eben auch vor. Der Berufsalltag wird nachher so aussehen, dass man sich immer wieder um Rollen bewerben muss. Das ist der Berufsalltag eines jeden Musicaldarstellers, Schauspielers oder auch Sängers.


Hat der Standort Pinneberg einen Nachteil gegenüber Hamburg?
Nein. In Pinneberg kann man die Vorteile einer Kleinstadt genießen, aber ist dennoch so dicht an Hamburg dran, dass man teilweise schneller in der Hamburger Innenstadt ist, als manche Hamburger. Dadurch kann man die Vorteile von Hamburg als Musicalstadt nutzen, aber auch hier etwas günstiger wohnen und das ruhigere Klima genießen. Unser größter Standortvorteil ist aber die Kooperation mit dem VfL Pinneberg. Dadurch, dass wir die Räume mitnutzen dürfen, können wir unsere Kosten gering halten und es gibt nicht den finanziellen Druck, den wir bei einem eigenen Gebäude hätten. Deshalb kann die Ausbildung trotz dieser hervorragenden Dozenten auch überhaupt erst so günstig sein.


Vergeben Sie auch Stipendien?
Das müssen dann wirklich herausragende Schüler sein, die wir persönlich nochmal extra fördern wollen. Es könnte also schon sein, dass es in der Zukunft Stipendiaten gibt, aber da legen wir uns nicht fest sondern müssten das dann im Einzelfall klären.

Führt der Weg zum Musical-Darsteller nur über die Schulen oder gibt es auch Quereinsteiger?
Man findet manchmal auch reine Sänger oder Schauspieler, die auf Musical-Bühnen landen. Aber grundsätzlich haben alle, die auf der Musical-Bühne stehen, eine große Vorerfahrung in verschiedenen Bereichen und zumindest haben sie alle eine Gesangsausbildung. In der Regel muss man in Gesang, Tanz und Schauspiel umfangreichen Unterricht gehabt haben und heutzutage führt der übliche Weg deshalb über die Musicalschulen.

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