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Soziales Engagement im Kreis : Von Panama nach New York

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ein Jahr als Reise-Assistentin: Jenny Wölk aus Kummerfeld begleitete einen querschnittsgelähmten 44-Jährigen durch Nord- und Südamerika.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2013 | 12:00 Uhr

Von Panama bis nach New York reisen und dabei Entdeckerfreude mit sozialpädagogischen Interessen verbinden: Ein Jahr lang reiste die 27-jährige Kummerfelderin Jenny Wölk durch Nord- und Südamerika. Das Besondere: Wölk war als Reise-Assistentin des vom fünften Halswirbel an gelähmten Schweizer Marcel Stalder unterwegs. Der querschnittsgelähmte 44-Jährige hatte als junger Mann eine Ausbildung bei der Schweizer Bahn als Lokführer begonnen. Dann erlitt er einem Sportunfall und ist seitdem an den Rollstuhl gebunden.

„Ich war verantwortlich für die komplette Pflege vom Anziehen übers Waschen bis hin zur Versorgung mit Proviant“, erzählt Wölk. Diverse pflegerische Kompetenzen eignete sich die 27-Jährige während der Fahrt an. Dabei kamen der Sozialpädagogin ihre umfangreichen Erfahrungen als Reisebegleiterin zugute. So hatte sie bereits zuvor Menschen begleitet, die durch eine Querschnittslähmung, Muskelschwäche oder einen Hirntumor eingeschränkt waren. Vorherige Ziele waren Griechenland, Italien, die Türkei sowie Israel.

Bei ihrer Reise mit Marcel Stalder stand Amerika als Ziel fest. Der 44-Jährige kam für sämtliche Reisekosten auf – und zahlte der Kummerfelderin auch ein Taschengeld. Im August 2012 fiel dann der Startschuss für die Tour im Wohnmobil. Drei Jahre zuvor war Wölk mit dem Schweizer in Kontakt getreten. Insgesamt waren drei Reisebegleiter mit von der Partie, die zuvor ebenfalls Erfahrungen im sozialen Bereich gesammelt hatten.

Probleme mit der Privatsphäre

Nach der Verschiffung von Panama aus ging es weiter über Costa Rica, Nicaragua, Honduras, Guatemala, Belize, Mexiko, den Westen der USA und zurück über Canada bis nach New York. „Schwierige Situationen kamen vor“, erzählt die Sozialpädagogin. Beispielsweise ging es darum, Druckstellen für Marcel zu vermeiden. Körperliche Belastungen waren für die Crew unvermeidbar. So musste auch der Rollstuhl immer wieder getragen werden. Eine Belastungsprobe: Bei der Panama-Verschiffung das Gepäck fünf Wochen lang ohne Wohnmobil zu schleppen. Eine spannende Erkenntnis für Wölk: Die USA sind für Rollstuhlfahrer geeignet. „In jedem Nationalpark gibt es geeignete Wege“, erinnert sie sich.

Deutlich wurde für Wölk schnell: Pflegerische Tätigkeiten erfordern ein intensives Miteinander, Privatsphären ließen sich nicht immer einhalten. Eine der Mitreisenden, eine ausgebildete Krankenschwester, warf nach acht Monaten das Handtuch. Nicht immer sei die Reise auf teilweise sehr beengtem Raum im Wohnmobil leicht zu bewältigen gewesen, erzählt Wölk.

Das tollste Erlebnis? Am Tobacco Caye in Belize mit Stadler zu schwimmen. „Es war Marcels Riesenwunsch, der sich realisieren ließ“, so die Kummerfelderin. Während der Reise habe sie gelernt, Dinge aus „Marcels Sicht zu sehen“. Er sei ein positives Beispiel für andere Menschen in ähnlichen Situationen.

Vulkan, Geysire und facettenreichste Nationalparks beeindruckten das Begleiter-Team. „In Guatemala hat uns am Feiertag der Maya eine Familie mit nach Hause genommen“, erzählt Wölk. Weitere „unvergessliche“ Eindrücke: der Flug mit dem eigens gemieteten Flugzeug über „Blue Hole“ in Belize und das Beobachten von Seekühen, Grauwalen sowie Faultieren.

Wölk ist dankbar, als Reisebegleiterin viel von der Welt gesehen zu haben, doch im auch froh, wieder in der Heimat zu sein und ihr Leben selbst zu bestimmen. Für psychische Belastungen seien sie „unglaublich entschädigt“ worden. Der Abschied von den Mitreisenden verlief emotional. Wölk sagt über das gemeinsame Jahr: „Ich habe neue Freunde gefunden."

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