Wedel : Von Lebenslust und Finsternis

Mit Beifall überhäuft: Kammerchor und Kammerorchester Wedel, der Liberi-Chor des Christianeums, das Uetersener Collegium Gaudium, Bläser der Hamburger Symphoniker, die Elbtonal Percussion und die Solisten Piet Zorn (Tenor, vorne v. l.), Darlene Ann Dobisch (Sopran), und Christian Oldenburg (Bariton).

Mit Beifall überhäuft: Kammerchor und Kammerorchester Wedel, der Liberi-Chor des Christianeums, das Uetersener Collegium Gaudium, Bläser der Hamburger Symphoniker, die Elbtonal Percussion und die Solisten Piet Zorn (Tenor, vorne v. l.), Darlene Ann Dobisch (Sopran), und Christian Oldenburg (Bariton).

Kammerchor und Kammerorchester spielen Carl Orffs „Carmina Burana“ vor einer ausverkauften Wedeler Steinberghalle.

shz.de von
16. November 2015, 10:00 Uhr

Wedel | Es war ein Konzertabend der Superlative. Carl Orffs Carmina Burana lockte Musikfreunde in so großen Scharen in die Steinberghalle, dass Sitzplätze schon eine halbe Stunde vor Beginn knapp wurden. Parkplätze in der näheren Umgebung gab es da schon lange nicht mehr. So wirkten manche Besucher doch leicht gestresst, während sie noch Sitzgelegenheiten suchten. Umso reichlicher war die Belohnung durch das anschließende Musikerlebnis.

Enorm groß auch die Schar von Mitwirkenden an dem aufwendigen Werk: Kammerchor und Kammerorchester Wedel unter Leitung von Valeri Kribodorodov, Elbtonal Percussion, Bläser der Hamburger Symphoniker, das Uetersener Collegium Gaudium, der Liberi-Chor des Christianeums, und Darlene Ann Dobisch (Sopran), Piet Zorn (Tenor), und Christian Oldenburg (Bariton) als Solisten. Für alle gab es begeisterten Beifall.

Den dramatischen Auftakt lieferten die vier treffsicheren Elbtonal-Schlagwerker. Wer hätte geglaubt, dass man mit einem solchen Instrumentarium, diesem Klang-Massiv aus Trommeln, Becken, Gongs und einem riesigen Xylophon, so zarte Töne hervorbringen kann. Hingerissen lauschte das Publikum der Percussion-Gruppe. Es war als halte der Saal den Atem an.

So blieb es nicht lang. Dann zeigte die mitreißende Dynamik der Hamburger, welche Kraft in ihnen steckt. Das Tempo mit dem der Xylophon-Spieler die Schlägel wechselte, grenzte an Zauberei. Für Monika Thöm war es die „opulente Vorspeise“ des musikalischen Konzert-Menus. Ihren Dank an die Musiker verband die Vorsitzende des Fördervereins von Kammerchor und Kammerorchester angesichts der Anschläge von Paris mit nachdenklichen Worten über Orffs Meisterwerk.

„Lieder aus Benediktbeuren“

Es werde leicht übersehen, dass die von Orff so genial vertonten mittelalterlichen „Lieder aus Benediktbeuren“ nicht nur unbekümmerte Lebenslust, Liebesglück und Trinkgelage besingen. Bereits die erste der insgesamt 25 Nummern sei im Grunde ein Klagegesang über die trügerische Oberflächlichkeit des Glücks, die Ungewissheit des Schicksals, machte Thöm deutlich.

Der Klagegesang über Fortuna, die launenhafte Herrscherin der Welt, war zwei Mal zu hören, denn er eröffnet und beschließt Orffs Werk. Allerdings war er nicht der Abschluss des Abends, denn das Publikum ertrotzte sich mit anhaltendem Beifall eine furiose Zugabe.

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