Strassennamen mit Geschichte : Von Ganoven und Hebammen in Bönningstedt

Um die Entstehung der Bezeichnung des Viertels ranken sich einige Geschichten.
Um die Entstehung der Bezeichnung des Viertels ranken sich einige Geschichten.

Wie das Bönningstedter Ganovenviertel zu seinem Namen kam.

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25. Juli 2018, 16:00 Uhr

Bönningstedt | Um die Geschichte der Entstehung des Bönningstedter Ganovenviertels ranken sich so einige Legenden. Sigrid Duvigneau, Vorsitzende des örtlichen Heimatvereins, kennt die genauen Hintergründe.

„In dem Viertel rund um den Garstedter und Hasloher Weg wurde in den 1980er und 1990er Jahren gern gefeiert. Nachbarn und Freunde trafen sich in irgendeinem Garten und dann wurde es zumeist feucht-fröhlich“, berichtet sie. Einige Gemeindevertreter hätten damals dort gewohnt. Mit von der Partie war auch Richard Franz, ein Maurermeister, der in der Bahnhofstraße wohnte. „Er war bekannt dafür, sich bei solchen Feiern still und heimlich zu verdrücken - ohne sich zu verabschieden“, sagt Duvigneau. Vermutlich hätten ihn sonst die anderen zum Bleiben überredet.

Eine radikale Maßnahme

Bei einer Party im Haus eines Anwohners entschieden sich einige Herren mit einer radikalen Maßnahme, Franz diesmal nicht so einfach davonkommen zu lassen: Sie schlossen die Haustür ab, damit er nicht „abhauen“ kann, so Duvigneaus Bericht weiter. Der Maurermeister jedoch habe diese Maßnahme trefflich zu umgehen gewusst und sei einfach zum Toilettenfenster hinaus ins Freie geklettert. Der Überlieferung nach kehrte er nach Hause zurück und sagte zu seiner Frau: „Meine liebe Irmgard, ein Glück, dass wir nicht in diesem Ganovenviertel wohnen.“ Dieser Spruch habe schnell in Bönningstedt die Runde gemacht und bald schon war das Quartier als Ganovenviertel bekannt.

Legendäres Fest der Ganoven

Die Anwohner nahmen es mit viel Humor und richteten 1985 ein legendäres Dorffest aus – das Ganovenfest. Drei Tage lang wurde gemeinsam mit Gästen aus der englischen Partnerstadt Seaford gefeiert: Theateraufführungen, Danz op de Deel, Disco fürs Jungvolk, Flohmarkt, Platzkonzerte, Gottesdienst im Freien und ein Frühschoppen lockten damals etwa 600 Bewohner in den Garstedter Weg.

Und noch ein Schreibfehler im Straßenschild: Hier wurde das „i“ vergessen, richtig heißt es „Hebammenstieg“.
Ute Springer
Und noch ein Schreibfehler im Straßenschild: Hier wurde das „i“ vergessen, richtig heißt es „Hebammenstieg“.
 

Einer der Höhepunkte sei damals die „Ganovenolympiade“ mit entsprechenden Disziplinen gewesen: Einbrechen, stehlen, flunkern und so manch andere lustige Aufgabe hatten sich die Organisatoren dafür ausgedacht. „Am Ende waren sich alle einig: Mit den Ganoven ist gut feiern“, sagt Duvigneau und lacht. Und Richard Franz bekam feierlich eine Urkunde überreicht, die ihn zum „Edelganoven“ adelte.

Fehlerteufel erneut am Werk

Am Ende der Stichstraße neben dem Spielplatz am Garstedter Weg steht ein weiteres bemerkenswertes Schild. „Auch hier ist der Fehlerteufel am Werk gewesen: Es fehlt ein „i“, denn der Weg heißt Hebammenstieg“, erklärt Duvigneau. In einigen offiziellen Straßenkarten sei der Weg auch als „Hebammensteig“ verzeichnet, was ebenfalls falsch sei, berichtet die Vorsitzende weiter.

Der schmale Weg verbindet Garstedt mit Bönningstedt auf dem damals kürzesten Weg. „Er stammt aus der Zeit, als Hausgeburten noch der Regelfall waren – und die Hebammen aus Garstedt zu den Geburten nach Bönningstedt eilten“, erläutert Duvigneau. Zunächst als Trampelpfad genutzt, sei er später auch mit Mopeds befahren worden. „Heute ist das ein offizieller und sehr schöner Wanderweg“, erklärt Duvigneau. Trotz des falschen Straßenschilds und der verkehrten Bezeichnung in einigen Karten.

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