zur Navigation springen

Regionalschau in der Drostei : Von der Friseurin zur Malerin

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Marion Heckmann ist Mitglied in der Pinneberger Künstlergilde und im Kulturverein.

shz.de von
erstellt am 01.Jun.2017 | 16:00 Uhr

Pinneberg | In unserer Serie „Hinter den Kulissen von Pinneberg“ stellen wir in unregelmäßiger Reihenfolge Institutionen, Vereine und Firmen vor und zeigen die Menschen dahinter. Heute erzählt Marion Heckmann von ihrer Leidenschaft zur Malerei und öffnet ihr Atelier für einen Blick.

Den Ausbildungsweg von Marion Heckmann teilen viele Frauen, die in den 1950er-Jahren aufgewachsen sind: Die 67-Jährige Pinnebergerin durfte keine weiterführende Schule besuchen, weil sie als Mädchen ja doch heiraten würde. Und kreativ sein war auch nicht erwünscht: „Mein Zeichenlehrer hat immer gesagt, lass’ es bleiben. Das lernst Du nie.“ Schon als Kind hatte Heckmann unbändige Lust, ihre Phantasien zu Papier zu bringen, hat das Wasser rosa und die Bäume auf dem Kopf gemalt. „Keiner um mich herum hat das verstanden.“

Und so ist sie, als brave Tochter, nicht wie gewollt in den damaligen Männerberuf Schaufenster-Dekorateur eingestiegen, sondern hat nach der Volksschule eine Ausbildung zur Friseurin gemacht. „Das war auch okay. Und es war kreativ. Ich wurde im Salon Kramer die Frau für das Extravagante. Für Haarteile, Kunststeckfrisuren und Bräute.“

Nach der Heirat und der Geburt ihres Sohnes initiierte Heckmann eine Kunsthandwerker-Gruppe, die in den 80er-Jahren den Waldenauer Kunstmarkt ins Leben gerufen hat. Frauen mit schulpflichtigen Kindern hatten sich zusammengeschlossen, waren nachmittags kreativ und präsentierten ihre Arbeiten. „ Ein Highlight zwischen Familie, Arbeit und Schule.“

Als ihr Sohn auszog, war sie 42 Jahre alt. Und das erste Mal in ihrem Leben hat sie sich gestattet zu fragen „Was will ich eigentlich?“. Sie kannte die Antwort, hat sich aber nicht getraut, sie laut auszusprechen: „Ich will Malerin werden“. Als sie es dann doch tat, bestärkte und unterstützte ihr Mann Dieter sie. Heckmann belegte Malkurse, bis eine Dozentin nach der anderen ihr erklärte: „Ich kann Dir nichts mehr beibringen“. Dann investierte sie in einen Intensivkursus an der Kunsthochschule Armgardstraße – auch dort war schnell klar, dass sie das Niveau der Lehrerin erreicht hatte. „Ich war fertig ausgebildet, hatte aber nicht den Mut, alleine loszulegen“, erinnert sie sich. Erst langsam und durch die Teilnahme in verschiedenen Offenen Ateliers, durch den Kontakt zu anderen Künstlern und dem Publikum, bekam sie Selbstsicherheit. „Es war mein Schritt in die Professionalität.“

Ausstellung in Dänemark

Inzwischen ist Heckmann eine renommierte, anerkannte Malerin. Sie ist Mitglied in der Pinneberger Künstlergilde und dem Kulturverein. Ihre Bilder hängen im Rissener- und Pinneberger Krankenhaus und im Kieler Wirtschaftsministerium. Sie macht Einzelausstellungen und nimmt an Gruppenausstellungen teil. Demnächst wird Heckmann in Dänemark ausgestellt – anlässlich des 250jährigen Jubiläums der Drostei gibt es eine Regionalschau. Und manchmal verkauft sie sogar komplette Bilder-Serien: Ein Blankeneser Geschäftsmann hat acht Werke ihrer Hamburg-Serie auf einen Schlag erworben. Aber Geld ist für sie nicht das Entscheidende. Heckmanns „Mohnfeld“ hing im Rissener Krankenhaus. Eine Sterbende hat es vom Bett aus angesehen und geliebt, weil es sie an ihre Jugend erinnerte. „Sie ist durch das Bild mit ihrem Sohn wieder in Kontakt und in intensive Gespräche gekommen. Nach ihrem Tod wollte der Sohn das Bild unbedingt haben.“ Heckmann wusste, dass der Junge das nicht bezahlen kann. Sie hat es ihm für 50 Mark überlassen. „Mein wertvollstes Bild“, sagt sie noch heute, „weil es so viel ausgelöst hat.“

Eines von zahlreichen Werken.
Eines von zahlreichen Werken.

Heckmann malt gegenständlich, abstrakt, groß, klein, mit Aquarell, mit Acryl, stellt eigene Spachtelmassen her, macht Collagen mit Dingen, die ihr ins Auge springen – „Mischtechnik“, sagt sie. Wenn sie themenorientiert arbeitet, dauert es etwa ein halbes Jahr, bis ihre Serie fertig ist. „Ich male dann immer gleichzeitig an mehreren Bildern.“ Jetzt hat sie ihr Atelier in ihrem Waldenauer Wohnhaus an der Schenefelder Landstraße. „Viel zu klein. Ich habe Platzprobleme. Ich würde gern wieder unter Leute. In Pinneberg stehen so viele Läden leer. Warum können dort nicht vorübergehend Künstler einziehen? Das würde der Innenstadt gut tun und die Trostlosigkeit der toten Fenster verhindern.“ Auch bezahlbarer Lagerraum für Bilder von Künstlern sei heiß begehrt, aber rar.

Heckmanns Lieblingsmaler ist Vincent van Gogh. „Eine Bauchsache. Der ist mir sehr nahe gekommen und verlangt mir großen Respekt ab.“ Und? Wie geht es ihr mit ihrem zweiten Beruf als Malerin? „Wenn die Leidenschaft brennt, ist das der schönste Beruf der Welt.“
In unserer Serie „Hinter den Kulissen von Pinneberg“ stellen wir am Donnerstag, 8. Juni, den Ortsverein der Gewerkschafterinnen Pinneberg vor.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen