Vom Wochen- zum Tageblatt

Tonnenschwere Papierrollen: Das Pinneberger Tageblatt wird in der Druckerei am Pinneberger Damm hergestellt.
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Tonnenschwere Papierrollen: Das Pinneberger Tageblatt wird in der Druckerei am Pinneberger Damm hergestellt.

Stets im Wandel: Vom Vorteil der Pressefreiheit, der Rotations- und Tiefdruckrotationsmaschinen und modernen Redaktionsräumen

shz.de von
30. August 2018, 16:00 Uhr

Anlässlich des 160. Geburtstages des Pinneberger Tageblatts ruft der A. Beig-Verlag als Herausgeber unserer Zeitung eine Aktionswoche ins Leben, die auch redaktionell begleitet wird. Während der Geburtstagswoche rückt jeden Tag ein anderer Aspekt des Pinneberger Stadtlebens in den Fokus. Heute: die Geschichte des Produktionsstandorts Pinneberg und seiner Druckerei.

Dietrich Erdmann Beig (1803-1886) war ein geduldiger Mensch. 1854 blitzte der Geschäftsmann noch mit der Anfrage ab, in Uetersen eine Zeitung herauszugeben. Doch vier Jahre später sorgte der Name Beig für Aufsehen: Am 27. Mai 1858 hatte Beig die Erlaubnis des Landdrostes auf dem Tisch, eine Zeitung in seiner neuen Heimat herauszugeben. Beig konnte wohl davon profitieren, dass das Herzogtum Holstein damals als eines der ersten über Pressefreiheit im heutigen Sinne verfügte.

Die Druckerei befand sich in der Bahnhofstraße 25/27. Beig produzierte 1858 die erste Ausgabe des „Pinneberger Wochenblattes“. Unter Andreas Dietrich Erdmann Beig kam es 1866 zu einer wegweisenden Entscheidung: Der Firmensitz am Bahnübergang wurde ans Ende der Moltkestraße verlegt. Fortan wurde das Pinneberger Wochenblatt zwei Mal wöchentlich produziert. Lokale Themen standen immer mehr im Vordergrund. 1871 stellte Beig von der Handpresse um – zur Erhöhung der Produktion. Die Schnellpresse sorgte für eine entsprechende Verkürzung der Produktionszeit.


Wochenblatt erscheint dreimal pro Woche

1879 übergab Andreas Dietrich Erdmann Beig das Unternehmen an seinen 1856 in Preetz geborenen Sohn Carl Andreas Beig, der seine Ausbildung zum Schriftsetzer im väterlichen Betrieb durchlaufen hatte.

Der junge Beig hatte gleich viel vor: 1890 erweiterte er seine Produktionsfläche, indem er den Standort mit der 1846 errichteten Dibbernschen Posamentierwagenfabrik am Damm 9 bis 15 tauschte. 1896 entschied Carl Andreas Beig, das Pinneberger Wochenblatt drei Mal pro Woche zu publizieren.

1904 war die Geburtsstunde des „Pinneberger Tageblatts“. Beig hatte sich als Herausgeber entschieden, die Zeitung fortan täglich zu publizieren. Dafür wurde das Personal auf 22 aufgestockt. 1907 erfolgte auch die Namensänderung: Das „Wochenblatt“ musste dem „Tageblatt“ weichen. Beig rüstete dafür technisch auf und erwarb 1916 eine 16-seitige Rotationsdruckmaschine der Firma Albert & Cie aus Frankenthal. Damit konnte man im Berliner Format (315 × 470 mm) produzieren. Die Maschine wurde bis 1966 genutzt.

Der Beig-Verlag expandierte. Lagerhallen wurden gekauft, die anderswo nicht mehr gebraucht wurden. Sie wurden nach Pinneberg transportiert und wieder aufgebaut. Am Damm entstand ein buntes Sammelsurium an Gebäuden.

Bis 1928 leiteten Vater und Sohn Andreas die Redaktion gemeinsam. Dann übernahm Christian Kleemann, Sohn des Elmshorner Schlachtmeisters und Bankers bei der dortigen Westbank, die Aufgaben. Auf dem Land halfen Dorfschullehrer als Berichterstatter. Im Jahr 1933 verlor er seinen Verlag. Er kam in Haft. Dort nahm sich der Verleger das Leben. Diese Ereignisse wirkten sich direkt auf den Beig-Verlag aus. 50 der damals 120   Mitarbeiter verloren ihren Job. Es ist überliefert, dass sich die finanzielle Lage des Verlags so deutlich verschlechterte, dass Andreas Beig junior gar seinen viersitzigen Opel Cabriolet verkaufen.

Um Redakteur und Verleger bleiben zu können, war eine Parteimitgliedschaft notwendig. Andreas Beig trat in die SA ein. Nach dem Tod des Seniors gründeten die Söhne sowie Tochter Wanda Kleemann eine Kommanditgesellschaft. Elli, die zweite Tochter, schied nach gerichtlichen Auseinandersetzungen aus dem Unternehmen aus.

In das Wohnhaus am Damm  9 zog das Wehrmeldeamt als Mieter ein. 1943 wurden die „Elmshorner Nachrichten“, das „Pinneberger Tageblatt“ und die „Uetersener Nachrichten“ zu den „Holsteinischen Nachrichten“ zusammengelegt. Andreas Beig gelang es, den Standort Pinneberg für die Druckerei zu erhalten.

Beig wurde im Kriegsverlauf zur Bergung von Bombenopfern in Neumünster eingezogen. Am 30. April 1945 erschien die vorerst letzte Ausgabe der Tageszeitung – die Zwangspause dauerte bis 1949. Die Druckerei produzierte unter anderem Soldatenzeitungen.


Verabschiedung des Grundgesetzes

Mit der Verabschiedung des Grundgesetzes konnte der A. Beig-Verlag auch endlich wieder eigene Zeitungen publizieren. Am 1. Oktober 1949 erschien die erste Zeitung – noch unter dem Titel „Holsteiner Nachrichten“. Die lokalen Namen wurden kurze Zeit später reaktiviert.

1956 wurde im ehemaligen Flußbett der Pinnau eine Halle errichtet, um eine Tiefdruckrotationsmaschine „Albertina“ mit acht Druckwerken in Betrieb zu nehmen. 1965 erhielt Quickborn den Stadt-Status und mit den Quickborner Nachrichten eine eigene Lokalzeitung. Das gleiche galt 1972 für Schenefeld, wo seitdem das „Schenefelder Tageblatt“ erscheint. Zudem wurden lokale Geschäftsstellen als Ansprechpartner eingerichtet. 1969 starb Walter Beig und ein Jahr später einer seiner Söhne. Andreas Beig blieb bis zu seinem Tode 1980 geschäftsführender Komplementär. Prokura erhielten die Söhne Dieter und Walter Beig junior. Bis zum Verkauf 1993 führte Walter Beig jr. das Unternehmen als GmbH & Co KG – mit bis zu neun Familienmitgliedern als Gesellschafter.

1993 wurden Unternehmensanteile an den Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z) in Flensburg verkauft. Die Gesellschafterregelung: sh:z 55 Prozent, Axel Springer AG 24 Prozent und Kieler Nachrichten 21 Prozent. 1995 wurde das Rechnungswesen zentralisiert.

1999 wurde die alte Villa am Damm 9 abgerissen und 2000 das alte Fabrikgebäude aus dem Jahre 1846, in dem Verlag und Buchhaltung untergebracht waren. Auf dem Gelände wurde ein modernes Bürogebäude mit freundlichem und hellem Kundencenter errichtet, kurz darauf folgte eine neue Halle.

Seit Januar 2008 ist der A. Beig-Verlag – tägliche Auflage etwa 26 000     Exemplare – eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der medien holding:nord GmbH mit Sitz in Flensburg. Im Februar 2011 wurde Paul Wehberg Geschäftsführer des Verlags, 2017 übernahm er auch die sh:z-Geschäftsführung.

Am 1. Januar 2013 übernahm das Medienhaus die Elmshorner Nachrichten, 2016 die Uetersener Nachrichten. Aktuell sind etwa 120 Mitarbeiter beschäftigt.

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