Straßennamen in Tangstedt : Vom Vogt zum Bürgermeister

Die Bebauung an der Dorfstraße hat sich kaum verändert – im Gegensatz zum nördlichen Teil der Gemeinde.
Die Bebauung an der Dorfstraße hat sich kaum verändert – im Gegensatz zum nördlichen Teil der Gemeinde.

Zwei Tangstedter Dorfoberhäupter in Straßennamen verewigt. Verstärkte Bautätigkeit nach Kriegsende.

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01. August 2018, 12:30 Uhr

Tangstedt | Auch in der Gemeinde Tangstedt gibt es Straßennamen, die an bedeutende Personen der Ortsgeschichte erinnern. „Auf dieser Flurkarte steht noch die Bezeichnung ,2. Ellerbeker Weg‘“, zeigt Bernd Laackmann auf einer Karte, die vermutlich aus den 1950er-Jahren stammt. „Heute ist das der Jacob-Behrmann-Weg“, erklärt Helga Müller, die gemeinsam mit Laackmann und weiteren Mitstreitern für die Festschrift zum 750-jährigen Jubiläum alle auffindbaren Namen der Gemeindeoberhäupter seit 1667 zusammengetragen hat.

Bezeichnung „Vogt“ war üblich

Zunächst war da Jacob Behrmann, der ab 1911 als „Seniore-Gemeindevorsteher“ verzeichnet ist. „Davor war die Bezeichung ,Vogt‘ üblich“, erläutert Laackmann. Zu diesen Zeiten haben sich nur diejenigen zum Dorfoberhaupt küren lassen können, die nachweislich mindestens genauso vermögend waren, wie die Gemeinde selbst. „Als einfacher Bauer war es also unmöglich, an diesen Posten zu kommen“, sagt Laackmann. 13 Jahre lang war Behrmann im Amt, dann wurde er abgelöst.

Bereits 1930 trat dann sein Sohn, Jacob Behmann junior, an und wurde zunächst Gemeindevorsteher von Tangstedt. „1934 wurde die Bezeichnung geändert, seitdem gibt es Bürgermeister“, erklärt Müller. Fünf Jahre lang leitete er die Geschicke der Gemeinde, dann wurde er abgelöst. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs holten ihn die britischen Besatzer zurück und setzten ihn am 19. Dezember 1945 wieder als Bürgermeister ein. Nur drei Jahre später wurde er nach den Gemeindewahlen abgelöst. Dennoch blieb er den Tangstedtern offenbar in so guter Erinnerung, dass beim Ausbau des damaligen 2. Ellerbeker Wegs entschieden wurde, diese in „Jacob-Behrmann-Weg“ umzubenennen. Sowohl dem Vater als auch dem Sohn soll damit eine Ehrung zuteil werden.

Parallel zum Steenacker

Ebenfalls mit einem Straßennamen verewigt wurde Alwin Eggerstedt: Der „Bürgermeister-Eggerstedt-Weg“ verläuft parallel zum Steenacker, der übrigens nach einem Flurstück so benannt wurde. „Eggerstedt wurde erstmals 1937 Bürgermeister“, berichtet Müller. Nach fünf Jahren allerdings wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Es sollte einige Jahre dauern, bis er wieder den Posten des Bürgermeisters der Gemeinde übernehmen konnte: Erst 1955 gelangte Eggerstedt wieder an die Spitze des Dorfs.

„Es herrschte damals Aufbruchstimmung und viele Bürger wollten Häuser bauen“, berichtet Laackmann. So fällt das Entstehen einiger Siedlungen in Eggerstedts Amtszeit: Buchenweg und Eichenstraße entstanden auf dem Gelände eines Bauern, der seinen Betrieb aufgegeben hatte. Einige alteingesessene Tangstedter nennen dieses Baugebiet heute noch „Elpha“-Siedlung nach der Baugesellschaft, die dort tätig war. „Auch die ersten Planungen von Adlershorst-Bauten rund um die Rosenstraße fallen in diese Zeit“, erläutert Laackmann.

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